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Tiefe Sedierung
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Wann künstliches Koma helfen kann

Täglich werden Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen in einen künstlichen Schlafzustand versetzt, der Tage oder Wochen andauern kann. Was dabei passiert und warum der Begriff künstliches Koma nicht ganz korrekt ist.
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Datum 16.06.2026  15:30 Uhr

Was ist der Unterschied zwischen Koma und künstlichem Koma?

Ein Koma zeigt an, dass die Hirnfunktionen in lebensbedrohender Art beeinträchtigt sind. Es sei die schwerste Stufe der Bewusstseinsstörung, erklärt die Deutsche Hirnstiftung. Betroffene reagieren nicht mehr auf äußere Reize. Es tritt häufig in Folge schwerer Schädel-Hirn-Verletzungen bei Unfällen auf. Aber auch Erkrankungen des Gehirns wie Schlaganfälle und Hirnentzündungen können zum Koma führen. Grunderkrankungen spielen ebenfalls eine Rolle: Patienten mit Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko – bei drastischen Veränderungen des Blutzuckerspiegels kann es zum diabetischen oder hypoglykämischen Koma kommen.

Die Diagnose eines Komas beruht laut Hirnstiftung auf drei Tests: Augen öffnen, Frage beantworten sowie Bewegung von Armen und Beinen. Die Schwere der Bewusstseinsstörung werde anhand der Glasgow-Coma-Scale erfasst. Die Behandlung zielt auf die Behebung der Ursache ab.

Das »künstliche Koma« ist dagegen eine bewusste Maßnahme, bei der mithilfe von Medikamenten das Bewusstsein gemindert wird. Zum Einsatz kommen laut dem Portal »Schlaganfallbegleitung« Sedativa und Hypnotika, etwa Benzodiazepine oder Propofol, Schmerzmittel (Opioid-Analgetika) sowie andere Narkotika und Psychopharmaka. Die Patientin oder der Patient wird künstlich beatmet und ernährt. Der Zustand ist reversibel und kann jederzeit beendet werden.

Eigentlich sei künstliches Koma ein »unglücklicher Begriff«, sagte Dr. Hendrik Bracht, Professor für Interdisziplinäre Intensivmedizin und Leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin am Evangelischen Klinikum Bethel, im Gespräch mit dem Magazin »Apotheken Umschau«. Es handele sich um eine Sedierung. 

Warum versetzen Ärzte jemanden in diesen Zustand?

Die Sedierung dient der Behandlung und Genesung. Bei einem erhöhten Hirndruck könne die tiefe Sedierung etwa dem ansteigenden Blutdruck entgegenwirken und Stressreaktionen des Körpers bremsen, so die Schlaganfallbegleitung. Das Gehirn werde entlastet.

Hendrik Bracht nennt verschiedene denkbare Gründe: Etwa, dass Patienten nicht gegen den Beatmungsschlauch ankämpfen. Es kann auch darum gehen, äußere Reize generell auszublenden, um Kapazitäten für Heilung und Erholung zu schaffen. Wann die Sedierung beendet und der Patient wieder aufgeweckt wird, hängt vom Gesundheitszustand ab. Bessert er sich, werden die Medikamente zurückgefahren.

So wie bei der Sängerin Bonnie Tyler (75). Sie war nach Angaben ihres Managements in ein Koma versetzt worden, nachdem sich ihr Zustand infolge einer Darm-Operation verschlechtert hatte. Nun, gut fünf Wochen später, sei sie wieder bei Bewusstsein. Sie werde weiter auf der Intensivstation behandelt.

Was ist nach dem Aufwachen wichtig?

Das Ausschleichen der Medikamente kann mehrere Tage in Anspruch nehmen. Patienten nehmen ihre Umwelt zunehmend wahr. Nach dem Aufwachen könne es zu Entzugserscheinungen wie starkem Schwitzen, Kreislaufbeschwerden und Verwirrtheit kommen, schreibt die Schlafanfallbegleitung.

Ob Bewegungsabläufe, Sprache oder selbstständiges Atmen: Je nachdem, für wie lang Betroffene sediert waren, wie alt sie sind und welche Grundleiden sie hatten, müssen sie in einer Reha unter Umständen manche Fähigkeiten wieder aufbauen oder neu erlernen. Maßnahmen aus Physiotherapie, Ergotherapie oder auch Logopädie helfen, um möglichst wieder so leben zu können, wie zuvor. 

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