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Wechseljahresbeschwerden
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Was bringen die neuen Arzneimittel gegen Hitzewallungen?

Fezolinetant und Elinzanetant sind die ersten Vertreter einer neuen Arzneistoffklasse gegen wechseljahresbedingte Hitzewallungen. Für welche Patientinnen sind die neuen nicht hormonell wirkenden Arzneistoffe eine Alternative? Eine Bestandsaufnahme von Professorin Dr. Petra Stute von der Universitätsfrauenklinik in Bern.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 07.07.2026  17:00 Uhr

»Die menopausale Hormontherapie ist nach wie vor die Therapie der ersten Wahl des klimakterischen Syndroms. Daran ändern bislang auch die neuen Neurokinin-Antagonisten nichts«, sagte die Gynäkologin im Gespräch mit PTA-Forum. »Aber für Frauen, die keine Hormonersatztherapie möchten oder bei denen diese Behandlung kontraindiziert ist wie solche mit Mammakarzinom, sind Fezolinetant und Elinzanetant echte Alternativen und erweitern das hormonfreie Therapieangebot

Bislang kamen für diese Frauen neben einer kognitiven Verhaltenstherapie nur pflanzliche Arzneimittel wie Extrakte der Traubensilberkerze oder Phytoestrogene wie in Rhapontikrhabarber in Betracht. Während Fezolinetant (Veoza®) seit rund zwei Jahren in Deutschland verfügbar ist, erweitert Elinzanetant (Lynkuet®) hierzulande erst seit April das therapeutische Spektrum. 

Die neuen Wirkstoffe wirken nicht endokrin, sondern greifen in die Thermoregulation im Hypothalamus ein. Dort sitzen sogenannte Kisspeptin-Neurokinin-B-Dynorphin-Neuronen (KNDy-Neuronen), die durch Estrogene gehemmt und durch Neurokinin B stimuliert werden. Sinken die Estrogenspiegel in den Wechseljahren, fällt diese Hemmung also schwächer aus und Neurokinin B gewinnt gewissermaßen die Oberhand.

Die Folge: Die KNDy-Neuronen sind überaktiv und stimulieren das thermoregulatorische Zentrum im Übermaß. »Es erfolgt dann laufend die Information in die Peripherie, dass Wärme durch Gefäßerweiterung abgegeben werden soll. Deshalb die Hitzewallungen«, so die Frauenärztin, die den gemeinnützigen Verein Menoqueens ins Leben gerufen hat, der sich der Aufklärung rund um das Thema Klimakterium widmet. Bis zu 80 Prozent der peri- und postmenopausalen Frauen hätten vasomotorische Störungen, und das durchschnittlich 7,4 Jahre lang.

Elinzanetants Pluspunkte

Fezolinetant hemmt den Neurokinin-3-Rezeptor; dadurch kann Neurokinin B seine Wirkung nicht mehr entfalten. Das thermoregulatorische Zentrum im Gehirn wird also nicht mehr übermäßig stimuliert. Bei Elinzanetant handelt es sich um einen dualen Antagonisten, der zusätzlich zur Hemmung des Neurokinin-3-Rezeptors auch noch die Bindung von Substanz P an die Neurokinin-1-Rezeptoren unterbindet.

»Elinzanetant reduziert genau wie Fezolinetant deutlich vasomotorische Beschwerden. Beide sind diesbezüglich gleich potent. Es gibt zwar keine Head-to-Head-Studien, aber der Vergleich der Daten aus den Zulassungsstudien beider Präparate ergibt eine Reduktion der Hitzewallungen von 65 bis 68 Prozent. Zwar hat auch Placebo einen enormen Effekt von etwa 35 bis 40 Prozent Symptomreduktion; dennoch ist die Differenz zur Placebogabe signifikant«, weiß Stute. Erste Verbesserungen zeigten sich bereits nach einer Woche.

»Nach bisherigen Studiendaten scheint Elinzanetant etwas potenter zu sein, was seinen günstigen Einfluss auf den Schlaf betrifft. Das ist vor allem bei Frauen von Vorteil, die an einem Estrogenrezeptor-positiven Mammakarzinom erkrankt sind beziehungsweise waren. Deren antiestrogene Therapie hat meist massive vasomotorische Störungen zur Folge.« Sie treten meist nachts zu Tage. Die Frauen werden durch eine erhebliche Anzahl von nächtlichen Schwitzattacken – 14 und mehr – in ihrem Schlaf gestört.

Vermutlich ist der duale Ansatz der Grund für Elinzanetants breitere Wirkung, erklärte Stute die überaus positiven Effekte auf die Schlafprobleme. »Substanz P, aus der gleichen Familie wie Neurokinin B stammend, ist neben der Thermoregulation noch an anderen Regulationsystemen beteiligt. Es wird angenommen, dass die positiven Effekte auf die wechseljarhesbedingten Schlafstörungen nicht nur aus der Besserung der vasomotorischen Beschwerden resultiert. «

Die signifikante Verbesserung der Schlafqualität konnte Elinzanetant in den klinischen Studien sowohl bei den gesunden Studienteilnehmerinnen als auch bei jenen mit Brustkrebs erzielen. Stute betonte die Unterschiede in den Einnahmemodalitäten: Elinzanetant (à 2 x 60 mg Lynkuet Weichkapseln) wird einmal täglich abends eingenommen. Die Fezolinetant-Einnahme von 45 mg (Veoza Filmtabletten) ist dagegen unabhängig von der Tageszeit.

Fezolinetant 45 mg (Veoza®) Deutschland Schweiz
Indikation Behandlung moderater bis schwerer vasomotorischer Symptome, die mit der Menopause assoziiert sind Behandlung moderater bis schwerer vasomotorischer Symptome bei postmenopausalen Patientinnen
Leberwertkontrollen ALT, AST und Gesamtbilirubin monatlich ALT, AST, ALP und Gesamtbilirubin monatlich
Kontraindikationen gleichzeitige Anwendung moderater oder starker CYP1A2-Inhibitoren alle CYP1A2-Inhibitoren
Mammakarzinom und estrogenabhängige Malignome während onkologischer Therapie nicht empfohlen
nach onkologischer Therapie nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung
Individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung
Feine Nuancen in der Zulassung von Fezolinetant (Veoza) zwischen Deutschland und der Schweiz. Die S3-Leitlinie »Peri- und Postmenopause« gilt für die Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz. Auflistung nach Professorin Dr

Auswirkungen auf Leber

Als häufige Nebenwirkungen nannte die Gynäkologin Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Oberbauchschmerzen, Durchfall und Muskelkrämpfe. Der häufige Anstieg von Leberenzymwerten unter Fezolinetant hat mittlerweile dazu geführt, dass aufgrund der potenziellen Gefahr der Lebertoxizität bei den behandelten Frauen regelmäßige Leberfunktionstests durchgeführt werden müssen.

»Sowohl in Deutschland als auch der Schweiz müssen nun ALT (Alanin-Aminotransferase), AST (Aspartat-Aminotransferase) und Gesamtbilirubin bestimmt werden, in der Schweiz fällt zusätzlich die Überprüfung der ALP (Alkalischen Phosphatase) an. Bei Elinzanetant sind dagegen bislang keine Leberwertkontrollen erforderlich. In den klinischen Studien ergaben sich keine Hinweise auf eine Hepatotoxizität. Dennoch ist eine schwere Lebererkrankung eine Kontraindikation«, so die Expertin (siehe auch Tabelle).

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