Frauen in den Wechseljahren bemerken oft eine Umverteilung des Fettgewebes. / © Getty Images/Galina Zhigalova
»Ja. Der ist definitiv kein Mythos mehr«, sagt die Ernährungsmedizinerin und Autorin Viktoria Schelle (Buchtitel: »Hormonbauch. Aktiv gegen hormonell bedingtes Bauchfett in den Wechseljahren«). Ein medizinischer Fachbegriff ist der Hormonbauch zwar nicht. Aber er beschreibt das Phänomen, dass Frauen in den Wechseljahren aus hormonellen Gründen mehr Bauchfett einlagern.
Mit zunehmendem Alter sinkt nämlich der Kalorienbedarf. Außerdem sorgen die Hormonveränderungen dafür, dass sich das Körperfett anders verteilt. »Frauen bilden sich nicht ein, dass ihr Bauch dicker geworden ist«, sagt Viktoria Schelle. »Er ist es auch.«
Ein schleichender Prozess. »Die Muskelmasse wird durch Körperfett ersetzt. Da mag man vielleicht immer noch 56 Kilogramm wiegen, aber die Körperqualität hat nachgelassen«, sagt Viktoria Schelle. Frauen beobachten oft, dass ihr Körper »weicher« wird: Cellulite zeigt sich, die Brüste zieht es nach unten.
In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Dabei war dieses Hormon bei Frauen stets ein »Fettmanager«, der sie vor Bauchfett schützte. Denn: »Östrogen sorgt dafür, dass sich Fett typischerweise an Hüften, Oberschenkel und Po absetzt«, sagt die Gynäkologin Prof. Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik des TUM-Klinikums rechts der Isar.
Mit dem Abfall des Östrogens nähern sich Frauen »dann dem männlichen Fettverteilungsmuster an – auch ohne Bier zu trinken«, sagt die Autorin (Buchtitel: »Heiße Phase. Was Frauen ab 40 über ihren Körper wissen müssen«).
Dann funkt noch das Hormon FSH dazwischen: Diesen »Regler« dreht der Körper parallel zum sinkenden Östrogenspiegel hoch, um die Eierstöcke wieder anzutreiben. Allerdings ohne Erfolg. Stattdessen aktiviert das FSH spezifische Enzyme, die Zucker in Fett umwandeln – und blockiert gleichzeitig Enzyme für den Fettabbau im Bauch. Folge: Es wird mehr Fett im Bauch gespeichert.
Das sind nicht die einzigen »Beförderer« dieses Phänomens: Mit den Wechseljahren kommen noch eine Testosteron-Dominanz und eine Insulinresistenz hinzu, die die Entwicklung verstärken.