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Orale Analgetika
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Was für die Selbstmedikation wichtig ist

Schmerzmittel gehören zu den am häufigsten ohne Rezept abgegebenen Arzneimitteln. Unproblematisch sind sie jedoch nicht, es können Wechselwirkungen oder ein Analgetika-Kopfschmerz auftreten. PTA-Forum gibt einen Überblick über NSAR und Co.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 13.09.2024  15:00 Uhr

Kontraindiziert

Zu den allgemeinen Kontraindikationen der NSAR gehören Magen-Darm-Ulzerationen, Blutungen und Perforationen (auch in der Anamnese), ungeklärte Blutbildungsstörungen, Asthmaanfälle oder Überempfindlichkeitsreaktionen in Zusammenhang mit NSAR, eine krankhaft gesteigerte Blutungsneigung, schwere Leber- und Niereninsuffizienz sowie eine schwere Herzinsuffizienz. Im letzten Drittel der Schwangerschaft dürfen NSAR nicht angewendet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt ist Ibuprofen eines der Mittel der Wahl, wobei bereits ab der 20. Schwangerschaftswoche Vorsicht geboten ist (Risiko Oligohydramnion). Substanzspezifische Kontraindikationen sind separat zu beachten.

Aufgepasst: Wechselwirkungen

NSAR haben auch ein hohes Interaktionspotenzial, jede Situation muss individuell beurteilt werden. Zu den relevanten Interaktionspartnern gehören

  • andere NSAR und COX-2-Hemmer → erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen
  • Glucocorticoide→ erhöhtes gastrointestinales Risiko
  • Thrombozytenaggregationshemmer, Antikoagulanzien und Antidepressiva vom SSRI-Typ→ erhöhtes Blutungsrisiko
  • Methotrexat, Ciclosporin, Tacrolimus, Zidovudin→ erhöhte Toxizität
  • Lithium, Phenytoin, Digoxin → erhöhte Serumspiegel
  • Probenecid → verringerte Wirkung auf die Harnsäureausscheidung.

NSAR können die Wirkung von einigen Antihypertonika, zum Beispiel ACE-Hemmern, vermindern, ebenso den diuretischen Effekt von Saluretika. Daher sollte die Einnahme hier auf ein bis zwei Wochen begrenzt bleiben. Gänzlich zu meiden ist die Dreierkombination aus NSAR, ACE-/AT1-Hemmer und Diuretikum. Sie wird als »Triple Whammy« bezeichnet, denn sie bedeutet einen Dreifachschlag auf die Niere.

Wirkmechanismus von Paracetamol nicht geklärt

Paracetamol wirkt analgetisch, antipyretisch und weniger stark antiphlogistisch. Der Wirkmechanismus ist noch nicht vollkommen geklärt – es werden zentrale und periphere Effekte vermutet. Nebenwirkungen, wie der Anstieg von Lebertransaminasen, treten nur selten auf.

Paracetamol wird nach Alter und Körpergewicht dosiert, mit einer Einzeldosis von 10 bis 15 mg/kg KG und maximal 60 mg/kg KG pro Tag. Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren nehmen maximal 4000 mg pro Tag ein, bei einer Einzeldosis von 500 bis 1000 mg und mindestens sechs Stunden Einnahmeabstand. Paracetamol kann bereits ab der Geburt eingesetzt werden, es ist wie Ibuprofen in kindgerechten Darreichungsformen wie Säften und Suppositorien erhältlich. In der Schwangerschaft gilt Paracetamol in allen Phasen als Mittel der Wahl, die Einnahme sollte aber keinesfalls unkritisch erfolgen.

Paracetamol kann bei Erwachsenen ab einer Einzeldosis von etwa 6 g oder bei Kindern ab etwa 140 mg/kg KG nachhaltig die Leber schädigen. Die Überdosierung kann bis zum Tod führen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, kleine Kinder, Personen, deren Leber vorgeschädigt ist, die alkoholkrank oder chronisch fehlernährt sind oder enzyminduzierende Arzneimittel einnehmen.

Vorsicht (und ärztlicher Begleitung) bedarf es bei Leberinsuffizienz, chronischem Alkoholmissbrauch, schwerer Niereninsuffizienz, Gilbert-Syndrom, erniedrigten Glutathionspiegeln, Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Favismus), hämolytischer Anämie, Dehydratation, bei älteren Patienten und chronischer Mangelernährung.

Interaktionen können unter anderem auftreten mit Probenecid, Zidovudin, Flucloxacillin und Arzneimitteln, die die Leberfunktion beeinträchtigen oder zu einer Enzyminduktion führen; außerdem mit Substanzen, die die Magenentleerung beeinflussen, Cholestyramin und Antikoagulantien (bei Paracetamol-Einnahme > eine Woche).

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