Sarkopenie und Frailty lassen sich durch eine ausreichend hohe Proteinzufuhr bei älteren Menschen weitestgehend vermeiden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt für normalgewichtige ältere Menschen einen täglichen Richtwert von 1,0 g Protein pro kg KG an. Eine erhöhte tägliche Zufuhr von 1,2 bis 1,5 g/kg KG – tunlichst mit einem hohen Leucinanteil – kann bei akuten oder chronischen geriatrischen Erkrankungen sowie bei Mangelernährung einem katabolen Stoffwechsel sowie Sarkopenie und Frailty vorbeugen. Allerdings liegt die tatsächliche Zufuhr bei einem Großteil der älteren Menschen unter 0,8 mg/kg KG.
Proteinreiche Lebensmittel sollten gleichmäßig auf die Hauptmahlzeiten verteilt werden, um so den Erhalt der Muskelmasse zu unterstützen. Zudem steigert ein höherer Leucingehalt des Proteins die muskuläre Proteinbiosynthese. Diskutiert wird eine Zufuhr von 2,5 bis 3,0 g Leucin pro Mahlzeit, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken; Molkenprotein gilt hierfür als besonders geeignet. Abgesehen von Maisprotein weisen tierische Proteine höhere Leucingehalte als pflanzliche auf. Vorzugsweise sollten für den Speiseplan ferner stets Nahrungsproteine mit hoher biologischer Wertigkeit (Beispiel: Kartoffel-Ei-Muster) ausgewählt werden, da davon verhältnismäßig weniger zugeführt werden muss (Nierenschutz!), um eine Proteinkatabolie zu vermeiden.
Durch geschickte Kombination von Lebensmitteln kann man die biologische Wertigkeit der Nahrungsproteine erhöhen. / © Getty Images/SimpleImages
Besonders günstige Effekte auf die Muskelmasse ergeben sich durch eine gesteigerte Proteinzufuhr nach körperlicher Aktivität. Eine höhere Proteinzufuhr könnte bei älteren Menschen auch das Osteoporoserisiko senken sowie Immunstatus und Wundheilung günstig beeinflussen. Die vermehrte Aufnahme der schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein und Methionin – insbesondere wieder aus tierischen Proteinen – hat zwar eine höhere Säureausscheidung zur Folge, führt bei ausreichender Calciumaufnahme jedoch nicht zu negativen Effekten auf die Knochendichte. Studienberichten zufolge kann eine erhöhte Absorption von Calcium dem entgegenwirken.
Dennoch sollte auf eine ausreichende Calciumversorgung in Verbindung mit Vitamin D sowie auf einen reichlichen Verzehr von Obst und Gemüse geachtet werden, um die Säurelast der Nahrung insgesamt zu begrenzen. Bei älteren Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen könnte ein hoher Proteinanteil die Nierenfunktion beeinträchtigen, sodass bei erheblich reduzierter glomerulärer Filtrationsrate (< 30 ml/min) ein Verzehr von lediglich 0,8 mg/kg KG pro Tag empfohlen wird.
Mit fortgeschrittenem Alter sinkt die Glucosetoleranz. Nahrungsmittel mit einem hohen glykämischen Index sollten daher eingeschränkt, die Aufnahme von ballaststoffreichen Lebensmitteln dafür erhöht werden. Das wirkt gleichzeitig einer Obstipation entgegen, besonders wenn auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet wird. Beim Fettverzehr können die Empfehlungen für jüngere Erwachsene übernommen werden, solange keine Dyslipidämie oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt sind.