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Mangelernährung im Alter
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Wenn Hunger und Durst schwinden

Appetitlosigkeit, weniger Durst, Muskelschwund und Vitaminmangel: Mit zunehmendem Alter verändern sich Stoffwechsel, Körperzusammensetzung und Nährstoffbedarf. Das macht Senioren besonders anfällig für eine Mangelernährung, welche wiederum das Risiko etwa für Frailty, Infektionen und damit eine Pflegebedürftigkeit erhöht. Mit einer gezielten, nährstoffdichten Ernährung lässt sich gegensteuern.
AutorKontaktEgid Strehl
Datum 26.01.2026  08:00 Uhr

Modifizierter Vitaminbedarf

Der Vitaminbedarf älterer Menschen bleibt im Wesentlichen unverändert. Viele Senioren, insbesondere alleinstehende Männer, zeigen eine deutliche Unterversorgung bei einzelnen Vitaminen. Vor allem betrifft dies Folat und Vitamin D. Ein größerer Anteil älterer Menschen erreicht auch die Zufuhr-Empfehlungen für Thiamin (B1) Riboflavin (B2) und Vitamin C nicht. Auch die ungenügende Versorgung mit den Vitaminen B12 und D wird inzwischen als ein zentrales geriatrisches Problem betrachtet.

Die Zufuhr von Folat mit der Nahrung ist bei älteren Menschen häufig nicht sichergestellt. Allgemein werden nur etwa zwei Drittel der empfohlenen Zufuhr von mindestens 300 μg pro Tag erreicht. Zudem führen gastrointestinale Dysfunktionen zu einer Erhöhung des pH-Werts und damit zu einer schlechteren Folatresorption. Auch viele Arzneistoffe (zum Beispiel Phenytoin, Phenobarbital, Methotrexat) beeinträchtigen die Folataufnahme. Derartige Risikokonstellationen lassen sich über eine gezieltere Nahrungsaufnahme allein in der Regel nicht auffangen. Folsäure leidet durch lange Steh- und Warmhaltezeiten der Speisen ebenso wie vor allem durch das Weichkochen.

Neben einer im Alter verminderten endogenen Vitamin-D-Synthese tragen verschiedene Medikamente, insbesondere barbituratanaloge Antiepileptika wie Phenobarbital und Primidon zu einer unzureichenden Versorgung mit Vitamin D bei. Zur Verbesserung der Calciumabsorption und zur Reduktion des Knochenabbaus sind tägliche Vitamin-D-Dosen von mindestens 20 μg erforderlich.

Oft kritisch im Alter: Vitamin B12

Die Versorgung mit Vitamin B12 lässt generell zu wünschen übrig. Dies geht allerdings nicht auf eine zu geringe Zufuhr mit der Nahrung, sondern vielmehr auf eine verminderte Verwertung zurück. Atrophische Veränderungen der Magenschleimhaut sind zu circa 15 Prozent für den klinisch relevanten Vitamin-B12- Mangel bei Senioren verantwortlich. Möglicherweise werden dadurch neuropsychiatrische Ausfallserscheinungen begünstigt, die sich dann vorwiegend durch auffallende Vergesslichkeit und eine depressive Stimmungslage zu erkennen geben. Besonders bei älteren Personen mit atrophischer Gastritis sind deshalb kontinuierliche hoch dosierte Vitamin-B12-Supplemente erforderlich, mindestens 100 μg pro Tag.

Bei den Mineralstoffen muss vor allem für die suffiziente Versorgung mit Calcium und Jod gesorgt werden. Für die bestmögliche Funktion des Immunsystems spielt auch eine ausreichende Versorgung mit Zink, aber auch mit Selen und Kupfer eine wichtige Rolle. Entsprechende Studien wiesen bei Senioren positive Effekte einer Supplementierung mit physiologisch dosierten Multivitamin-/Mineralstoff-Präparaten auf die Immunkompetenz und die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten auf.

Zink scheint dabei, wegen seiner Bedeutung für die Aktivierung der T-Lymphozyten und für die Zytotoxizität der natürlichen Killerzellen, einen gesteigerten positiven Effekt auf die Immunantwort zu besitzen. Eine Studie mit Bewohnern eines Altenheims ergab, dass bei diesen eine Supplementierung von Zink zu Verbesserungen der zellvermittelten Immunreaktion führte. Ebenso erbrachte die Ergänzung von Zink in Supplement-Kombination zur Erhöhung der Zufuhr an Energie, Protein und Spurenelementen sowie die simultane Anwendung von Arginin und Antioxidanzien eine signifikante Abnahme von Druckgeschwüren (Dekubitus).

Zusammen mit einer verminderten Immunantwort bei älteren Menschen und altersbedingten Erkrankungen zeigen sich oft gleichzeitig chronische Entzündungsprozesse. Altersbedingte Veränderungen im Intestinaltrakt werden als Risikofaktor dafür diskutiert. Die Inflammationen-fördernden Effekte können anscheinend durch eine diätetische Beeinflussung der mikrobiellen Besiedelung vermindert werden.

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