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Bei der Arbeit
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Wenn Tränen fließen

Ob Konflikte im Job oder private Probleme: Tränen lassen sich manchmal nicht zurückhalten, auch bei der Arbeit. Warum es wichtig ist, die Gründe dahinter zu verstehen, und wie man am besten damit umgeht, erklärt eine Ärztin.
AutorKontaktdpa
Datum 04.07.2026  11:00 Uhr

Kaum sind die Tränen getrocknet, dreht sich das Gedankenkarussell: Wie unangenehm, wie peinlich, wie unprofessionell! Und jetzt? Die Ärztin und Therapeutin Mirriam Prieß rät, einen Schritt zurückzutreten und liebevoll zu sich selbst zu sein. »Also sich selbst zu sagen: Ich musste jetzt weinen und verurteile mich dafür nicht. Stattdessen nehme ich das zur Kenntnis und frage mich: Was war da eigentlich los?« Drei Beispiele – und was man dann tun kann:

Tränen als Ausdruck von Überforderung

Manchmal reicht ein kleines »Kannst du später noch XY erledigen?« – und schon passiert es: Das Fass läuft über – und damit quasi auch unsere Augen. »Es kann also sein, dass man sich in die Ecke gedrängt fühlt und die Tränen ein Ausdruck von Überforderung sind«, sagt Prieß. Meist gibt es eine Vorgeschichte, manchmal auch eine ganz schön lange. Zu viele Projekte auf dem Tisch, schwelende Konflikte im Team, fehlende Wertschätzung, obwohl man Tag für Tag alles gibt.

Gut, wenn man die Ursachen hinter der Überforderung analysiert. Das ist nämlich die Grundlage, um aktiv zu werden und zum Beispiel das Gespräch mit dem oder der Vorgesetzten zu suchen, um Entlastung zu erbitten.

Tränen als Ausdruck von Wut

Hinter Tränen kann aber auch Wut stecken, weil wir womöglich nie gelernt haben, für uns einzustehen. »Gerade Frauen fällt es oft schwer, die eigene Position in aller Klarheit zu vertreten«, sagt Prieß. Statt ein bestimmtes »Das passt mir nicht« auszusprechen, schießen uns dann Tränen in die Augen – oft auch in der unbewussten Hoffnung, dass das Gegenüber dadurch klein beigibt. »Wenn man dieses Muster bei sich selbst erkennt, sollte man sich fragen: Will ich so weitermachen?«, sagt Prieß.

Denn an dem Muster kann man arbeiten – etwa in Gesprächen oder gar Rollenspielen mit Freunden. Führt das nicht weiter, können der Ärztin zufolge schon wenige Therapiestunden dabei helfen, die eigenen Interessen und Bedürfnisse besser zu vertreten.

Tränen durch Erschütterung im Privaten

Manchmal fließen aber auch die Tränen, weil sich im Privaten gerade ein Schatten aufs eigene Leben gelegt hat – etwa in Form von Liebeskummer, einer Erkrankung oder einem Verlust im Umfeld. Die Emotionen, die damit verbunden sind, schwappen dann in den Job über. »Dann ist das Weinen einfach ein Ausdruck eines erschütterten Menschen in diesem Moment«, sagt Prieß. Und damit eine ganz normale Reaktion.

Dann sollte man, so rät die Expertin, ehrlich für sich prüfen, ob man in diesem Zustand seiner Arbeit überhaupt nachgehen kann – oder ob eine Auszeit notwendig ist.

Ansprechen – oder nicht?

Bleibt die Frage: Sollte man die Tränen später noch einmal ansprechen – oder es lieber lassen? Das ist eine individuelle Entscheidung. Allerdings: »Manchmal hilft eine kurze gemeinsame Aussprache, in der Sie Ihre Tränen auf Augenhöhe kurz einordnen. Da genügen ein, zwei Sätze«, sagt Prieß. So übernimmt man Verantwortung – und das Umfeld weiß, woran es ist. »Und sollte Ihr Umfeld mit ein Grund für die Tränen sein, ist Ihre Einordnung die gleichzeitige Aufforderung zu einem Dialog auf Augenhöhe, um die Situation zu bereinigen.«

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