Wenn das fehlende Zugehörigkeitsgefühl persitiert, sollte man den Ursachen auf den Grund gehen. / © Getty Images/PeopleImages
Wer das Gefühl »Ich bin anders, ich bin fremd« immer wieder erlebt, sollte es zulassen – und ihm auf den Grund gehen. Dazu rät die Ärztin und Therapeutin Mirriam Prieß. In Situationen, in denen es auftaucht, könne man sich selbst fragen: »Was genau fühle ich? Was fehlt mir konkret, damit ich das Gefühl habe, dazuzugehören? Liegt es in mir begründet oder liegt es an dem anderen, der mich nicht dabeihaben will?«
Nicht immer ist der Auslöser für das Fremde-Gefühl, dass uns tatsächlich jemand die kalte Schulter zeigt. Manchmal ist dieses Gefühl auch ein klarer Hinweis nach innen. Es kann nämlich darauf hindeuten, dass wir mit uns selbst gerade nicht in Kontakt stehen, also eine innere Fremde verspüren. Das kann man als Aufforderung sehen, an der Beziehung zu sich zu arbeiten – und zu untersuchen: Was fühle ich eigentlich? Und was brauche ich?
Es kann auch sein, dass längst vergangene Außenseiter-Erfahrungen, etwa aus der Schulzeit oder in der Familie, unsere Bewertung der Gegenwart prägen – und auch unser Verhalten. »Dann kann es sein, dass ich mich aufgrund einer unverarbeiteten Erfahrung in mich zurückziehe und anderen gar nicht die Möglichkeit gebe, mit mir in Kontakt zu kommen«, sagt Mirriam Prieß. »Ich projiziere dann meine Erfahrung auf das Gegenüber und reproduziere sie so immer wieder. Natürlich nicht bewusst.«
Ob gemobbt in der Schule oder ausgeschlossen aus der Familie: Gerade, wenn die Außenseiter-Erfahrung für die eigene Biografie prägend war, ist es sinnvoll, das Thema mit professioneller, therapeutischer Hilfe aufzuarbeiten, rät Prieß.
Das Gefühl, nicht dazuzugehören, kann aber auch eine andere – etwas überraschende – Botschaft haben: Es kann uns anzeigen, dass wir mit dem Menschen oder der Gruppe gar nicht so gern in Beziehung sein wollen. Etwa, wenn wir uns in einem Freundeskreis bewegen, der ganz anders tickt als wir oder der sich nicht so für uns interessiert, wie wir uns das wünschen.
»Wichtig ist einfach, der Sache auf den Grund zu gehen«, sagt Mirriam Prieß. »Wenn Sie das, was hinter der Fremde steckt, in Worte fassen können, dann haben Sie die Möglichkeit dieses Gefühl zu regulieren – in sich selbst wie auch im Gespräch mit anderen.«