Wichtig zu verinnerlichen ist: Angehörige können Erkrankte zwar unterstützen, aber nicht heilen oder die Verantwortung für das emotionale Erleben von Betroffenen übernehmen. / © Getty Images/Galina Zhigalova
Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung, die durch Instabilität von Gefühlen, Stimmungen und zwischenmenschlichen Beziehungen gekennzeichnet ist. Gleichzeitig haben Eltern, Partner oder Geschwister eine wichtige Rolle im Genesungsprozess. Doch wie verhalten sich Angehörige am besten? Steffi Kohl-Pott, Funktionspsychologin an der Schön Klinik Bad Bramstedt arbeitet sowohl mit Borderline-Patienten als auch mit ihren Familien und erklärt, was wichtig ist:
»Einer der wichtigsten Aspekte ist Wissen«, sagt Steffi Kohl-Pott. Wer versteht, dass Menschen mit Borderline Gefühle häufig besonders intensiv erleben und schwerer regulieren können, kann Reaktionen, die von außen überzogen wirken, besser einordnen. »Dann habe ich viel mehr Mitgefühl für mein Gegenüber«, so Kohl-Pott.
Auch das Thema Selbstverletzung sollten Angehörige einordnen können. Solches Verhalten kann sehr extrem wirken und wird mitunter fehlinterpretiert. Die Selbstverletzungen können unterschiedliche Funktionen haben. Angehörige sollten sich vor Augen führen: »Die Selbstverletzung dient nicht dazu, Aufmerksamkeit zu generieren, sondern dienen etwa Selbstregulationsversuchen, etwa um mit innerer Anspannung zurechtzukommen«, erklärt Kohl-Pott.
Ebenfalls wichtig ist die Erkenntnis: Angehörige können Erkrankte zwar unterstützen, aber nicht heilen oder die Verantwortung für das emotionale Erleben von Betroffenen übernehmen. »Es ist nicht primäre Aufgabe des Angehörigen, den Patienten zu behandeln – das geht nicht. Dafür braucht es professionelle Unterstützung«, betont Kohl-Pott.
Angehörige können durch Kenntnisse der Problematik Betroffene gut unterstützen, sollten aber auch auf sich achten und gegebenenfalls Unterstützung suchen.
Eine hilfreiche Kommunikationsform im Umgang mit Borderline-Betroffenen ist die sogenannte Validierung. »Ich akzeptiere deine Sicht so, wie du die Welt gerade siehst – zu hundert Prozent. Das heißt aber nicht, dass ich derselben Meinung sein muss wie du«, erklärt die Therapeutin.
Konkret bedeutet das: Statt bei einem Krisengespräch mit Unverständnis zu reagieren oder ausschließlich auf der Sachebene zu diskutieren, erst einmal anerkennen, was der andere fühlt – und dann behutsam Alternativen anbieten.