| Verena Schmidt |
| 29.05.2026 08:00 Uhr |
Chronisch krank oder Raucher? Dann lohnt es sich, eine spezielle entzündungshemmende Zahncreme zu verwenden, um die Gesundheit des Zahnfleisches zu unterstützen. / © Getty Images/Voyagerix
Um die Mundgesundheit vieler Deutscher ist es nicht gerade gut bestellt: Etwa 14 Millionen Erwachsene in Deutschland leiden an einer Parodontitis, schätzt die Initiative ProDente. Auslöser sind bakterielle Beläge auf Zähnen und am Zahnfleischrand: Die schädlichen Bakterien vermehren sich übermäßig, und schleichend entwickelt sich eine chronische Entzündung, die Zahnfleisch und Zahnhalteapparat angreift. Erste Anzeichen sind ein gerötetes, geschwollenes und blutendes Zahnfleisch, Mundgeruch, Zahnfleischrückgang und freiliegende, empfindliche Zahnhälse.
Im weiteren Verlauf entstehen Vertiefungen zwischen Zahn und Zahnfleisch, sogenannte Zahnfleischtaschen. Dort sammeln sich Bakterien an, und die Entzündung schreitet weiter fort – Knochenschwund und Zahnverlust könnten im Extremfall die Folgen sein. Aber nicht nur das: »Parodontitis betrifft nicht nur den Mundraum, sondern den ganzen Körper«, sagt Privatdozentin Dr. Sonja H. M. Derman, Oberärztin und Leiterin der Parodontologie an der Universitätsklinik Köln, in einer Pressemittelung von ProDente. »Wir wissen heute, dass die vier großen Volkskrankheiten – Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen und Krebs – unmittelbar mit Parodontitis zusammenhängen.«
Die wichtigste Maßnahme, um dem Entzündungsgeschehen vorzubeugen: den Zahnbelag regelmäßig entfernen, also mindestens zweimal täglich die Zähne putzen und die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten säubern. Für Parodontitis-Risikogruppen – also unter anderem Diabetiker, Patienten mit Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen – bietet der Markt spezielle Zahncremes mit entzündungshemmenden Inhaltsstoffen, die die Gesundheit des Zahnfleisches unterstützen. Verbraucher sollten auf Zinkcitrat, Zinnfluorid und Zinnchlorid achten; diese sind auch unter den Bezeichnungen »Zinc Citrate«, »Stannous Fluoride« und »Stannous Chloride« in der Inhaltsstoffliste zu finden.
Ein Beispiel ist Meridol® Parodont Expert Repair: Die Zahnpasta enthält Zink und Zinnfluorid, das stark antibakteriell wirkt, allerdings leicht hydrolysiert wird. In der Formulierung wird es durch die Zugabe von Zinkpyrophosphat stabilisiert. Das Verbauchermagazin »Stiftung Warentest« hat die Zahnpasta mit »sehr gut« bewertet. Laut Angaben des Herstellers ist sie besonders geeignet für Patienten mit starken oder häufigen Zahnfleischbeschwerden sowie mit erhöhtem Entzündungsrisiko, etwa aufgrund von Grunderkrankungen oder durch mechanische Einflüsse wie Zahnspangen.
Die Zahncreme Aminomed®, die hauptsächlich über Apotheken vertrieben wird, enthält neben entzündungshemmenden Kamilleninhaltsstoffen unter anderem Aminfluorid (Olaflur), das sich im Vergleich zur Standard-Verbindung Natriumfluorid besser in der Mundhöhle verteilt und länger dort haften bleibt. Außerdem wirkt Aminfluorid ebenfalls bakterienhemmend. Der Hersteller Dr. Liebe wirbt für Aminomed speziell mit einer Reduktion der Tiefe der Zahnfleischtaschen um mehr als 51 Prozent nach einem Monat: Je geringer ausgeprägt die Taschen sind, umso weniger Raum haben Keime, um sich anzusiedeln und zu vermehren.
Als weitere Alternativen zum Schutz vor Parodontitis können PTA außerdem Aronal® sowie Parodontax® Zahnfleisch Active Repair – beide mit Zink zum Zahnfleischschutz – empfehlen. Für Kunden, die – entgegen den Empfehlungen der Fachgesellschaften – bewusst auf Fluorid in der Zahnpasta verzichten möchten, eignen sich spezielle Zahncremes mit Hydroxylapatit, beispielsweise Bioniq® Repair Zahnfleisch-Schutz oder Karex® Zahnschutz-Gel.
Auch das Zahncremekonzentrat Ajona® enthält kein Fluorid. Hier sollen natürliche Wirkstoffe wie Bisabolol, Eucalyptol und Thymol Zahnfleischentzündungen vorbeugen. Der Hersteller hebt den relativ niedrigen Dentinabriebwert (RDA: Relative Dentin Abrasivity) von 30 hervor. Dieser Wert ist ein Maß für die Schleif- oder Scheuerwirkung, mit der die Zahnpasta das Dentin (Zahnbein unter dem Zahnschmelz) abschmirgelt. Pasten mit niedrigen RDA-Werten von bis zu 30 eignen sich auch bei sehr empfindlichen Zähnen und freiliegenden Zahnhälsen.
Der Weißmacher Titandioxid steht in Verdacht, das Erbgut zu schädigen, wenn man ihn verschluckt. In Lebensmitteln ist er seit August 2022 EU-weit verboten. In Kosmetika – wozu Zahncremes zählen – ist Titandioxid jedoch noch erlaubt, auch wenn kleine Mengen verschluckt werden können. Viele Hersteller verzichten aber mittlerweile auf Titandioxid, manchmal werden die Zahnpasten explizit als »ohne Titandioxid« oder »ohne CI 77891« beworben.
Rauchen ist ein Hauptrisikofaktor für eine Parodontitis; es kann Entzündungen verstärken, deren Krankheitsverlauf beschleunigen und die Heilung des Zahnfleischs erschweren. PTA können Rauchern daher ebenfalls vorbeugend die genannten Zahncremes empfehlen.
Ein ästhetisches Problem für viele Raucher sind gelb-braune Zahnverfärbungen, die durch Nikotin- und Teerablagerungen auf dem Zahnschmelz entstehen. Spezielle Whitening-Zahnpasten enthalten oft stärkere Putzkörper. Pasten mit sehr hohen RDA-Werten wie etwa Elmex® Intensivreinigung (RDA etwa 160) oder ApaCare® Polish (RDA circa 180) sollten nur jeden zweiten Tag beziehungsweise maximal zweimal pro Woche angewendet werden.
Etwas sanfter sind etwa GUM® Original White (RDA etwa 135), Bioniq® White Filler Zahnpasta ohne Fluorid (kein genauer RDA-Wert angegeben, laut Hersteller im normalen/mittelabrasiven Bereich) und – besonders schonend – Pearls & Dents mit RDA 28. Alle eignen sich auch für die tägliche Anwendung. Die im Trend liegenden schwarzen Aktivkohle-Zahnpasten (zum Beispiel Curaprox® Black is White Kohlezahnpasta, RDA 50) sind ebenfalls relativ sanft zu den Zähnen, aber eher für oberflächliche, leichte Verfärbungen geeignet.
Vor allem Senioren leiden häufig unter Mundtrockenheit, da die Speicheldrüsen im Alter weniger Flüssigkeit produzieren. Medikamente und Erkrankungen verschärfen das Problem oft zusätzlich. Fehlt Speichel, steigt das Kariesrisiko: Die Zähne werden nicht mehr richtig umspült, Säuren können nicht adäquat abgepuffert werden und es hapert bei der Remineralisierung des Zahnschmelzes. Auch Bakterien haben im trockenen Mund bessere Wachstumsbedingungen. Neben Karies entstehen so auch leichter Entzündungen der Mundschleimhaut.
Kariesschutz ist für Betroffene also besonders wichtig: Zur Remineralisation der Zähne sollten sie auf eine Zahnpasta mit hohem Fluoridgehalt achten. Tipp: Den Mund nach dem Zähneputzen nicht mit Wasser ausspülen, damit die Zahncreme länger einwirken kann.
Neben verschiedenen Speichelersatz- oder befeuchtenden Produkten wie Mundgelen, Mundspülungen oder -sprays, die zusätzlich zum Zähneputzen verwendet werden, können PTA bei Mundtrockenheit etwa GUM® Hydral® Zahnpasta zur Befeuchtung empfehlen. Auch TePe Pure™, eine sanfte fluoridhaltige Zahnpasta ohne Schaum, ist speziell bei empfindlichem Zahnfleisch und trockenem Mund geeignet.
In der Schwangerschaft wird das Zahnfleisch durch die Hormone empfindlicher und stärker durchblutet. Es ist daher anfälliger für Entzündungen. Auch für Schwangere empfiehlt sich daher eine antibakteriell wirksame Zahncreme zur Vorbeugung von Gingivitis und Parodontitis.
Häufiges Erbrechen kann den Zahnschmelz angreifen: eine Zahnpasta wie etwa Sensodyne® ProSchmelz kann dann empfehlenswert sein. Wichtig ist auch, nicht sofort nach dem Erbrechen die Zähne zu putzen, da der Zahnschmelz durch die Magensäure angegriffen ist. Besser erst den Mund mit Wasser ausspülen und die Zähne etwa 30 Minuten später putzen, damit der Speichel die Säure neutralisieren und den Schmelz remineralisieren kann.
Weitere Zahnpflege-Tipps für Schwangere: Eine weiche Zahnbürste verwenden und nicht zu stark schrubben, um das Zahnfleisch nicht zusätzlich zu reizen. Auch auf aggressive, stark abrasive Whitening-Zahnpasten besser verzichten und scharfe oder alkoholhaltige Mundspülungen meiden. Die Zahnzwischenräume täglich mit Interdentalbürsten oder Zahnseide reinigen.