| Isabel Weinert |
| 03.11.2026 08:00 Uhr |
Es ist sehr unangenehm, sich ständig räuspern zu müssen, und mitunter verselbstständigt sich das Geschehen auch. / © Adobe Stock/DimaBerlin
Gerade jetzt, im Herbst und Winter, leiden die Schleimhäute unter trockener Heizungsluft. Der natürlich schützende Schleim wird zäher, haftet fester und kann ein Fremdkörpergefühl in der Kehle verursachen, das man mithilfe des Räusperns beseitigen möchte. Hilfe aus der Apotheke bringen Lutschpräparate, die Hydrogelbildner wie Hyaluronsäure und Natriumhyaluronat oder physikalische Filmbildner wie Carbomer und Xanthan enthalten. Auch pflanzliche Schleimstoffe mindern den Reiz, so etwa Isländisch Moos, Eibischwurzelextrakt oder Aloe-Vera-Gel.
Bei einem stillen Reflux, auch laryngopharyngealen Reflux, gelangt Magensäure oder saurer Mageninhalt bis in den Rachen, ohne dass die Betroffenen es spüren. Der Schleimhaut schadet die Säure. Sie reagiert mit mehr Schleim, den Menschen dann durch Räuspern zu beseitigen versuchen. Morgens klingt die Stimme zudem oft heiser; im Hals scheint ein Fremdkörper zu stecken, und hinzu gesellen sich oft rezidivierende Entzündungen des Kehlkopfs und/oder der Nasennebenhöhlen sowie ein trockener, chronischer Husten. Der erste Gang sollte zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt führen, der typische Veränderungen bereits endoskopisch feststellen kann.
Das Postnasal-Drip-Syndrom ist dadurch gekennzeichnet, dass in der Nase auf Grundlage einer chronischen Entzündung oder eines allergischen Geschehens immer wieder Schleim entsteht. Dieser läuft besonders im Liegen wiederholt die Rachenwand hinunter und löst einen Räusperreiz aus. Ob ein PNDS die Ursache ist, muss der HNO-Arzt feststellen und entsprechend behandeln.
Gerade auch PTA müssen in ihrem Beruf oft sehr viel reden. Das sowie lautes Reden können die Stimmlippen über Gebühr belasten. Dann schwillt die Schleimhaut an und wird trockener, was vermehrtes Räuspern bedingt. Auf die Belastung der Stimme zu achten, viel zu trinken und Lutschtabletten zu nehmen, kann helfen.
Auf die Psyche reagiert immer auch der Körper – und oft auch umgekehrt. Starker seelischer Stress verkrampft die Muskulatur in Hals und Kehlkopf. Heraus kommt dabei häufig der berühmte »Kloß im Hals«, das sogenannte Globusgefühl, das ein Mensch dann wegräuspern möchte. Daraus kann auch eine Art Tic entstehen, ein nervöses Räuspern, das nicht willentlich steuerbar scheint.
Sich das alleine abzugewöhnen, ist schwierig. Es existiert aber ein spezielles Therapieverfahren, das Habit-Reversal-Training oder HRT. Dabei schulen Therapeuten zunächst die Wahrnehmung Betroffener. Welches Gefühl kommt auf, bevor ich mich räuspern muss? Dann lernen sie, ein Ersatzverhalten zu etablieren. Das kann etwa ein kräftiges Schlucken bei leicht gesenktem Kopf sein, ein stummes, langsames Ausatmen oder ein entspanntes, leichtes Summen.
Eine vergrößerte Schilddrüse oder ein darin wachsender Knoten übt Druck auf die Luftröhre, die Speiseröhre und die dort verlaufenden Nerven aus. Gerade der Druck auf die Nerven kann auch weiter entlegene Areale beeinträchtigen, etwa im Gesicht, aber auch die unmittelbare Umgebung. Das entstehende Druckgefühl deutet der Organismus fälschlich als »zu viel Schleim« und reagiert reflexhaft mit Räuspern.
Auch eine chronische Entzündung der Schilddrüse, etwa durch eine Hashimoto-Thyreoiditis, kann die unmittelbare Umgebung beeinträchtigen und den Räusperreiz verursachen. Dazu muss die Schilddrüse auch nicht vergrößert sein. Bei Verdacht muss ein Endokrinologe die Schilddrüse beurteilen.