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Atemwege
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Husten ohne Erkältung

Husten gehört zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Apotheke. Doch nicht immer steckt eine Erkältung dahinter. Hält der Husten über Wochen an oder tritt ohne Infekt auf, sollten PTA hellhörig werden.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 30.10.2026  16:00 Uhr

Husten, Schnupfen, Heiserkeit – diese Konstellation ist wohl jedem bekannt. Ein akuter Husten tritt in der Regel während einer Infektion der Atemwege auf und ist meist viral bedingt. Während er zu Beginn oft trocken klingt, transportiert er im Verlauf des Infekts in der Regel Schleim nach oben und ist dann produktiv. Klingt die Erkältung ab, bleibt nicht selten ein trockener Reizhusten zurück, der mehrere Wochen andauern kann. Hält diese Phase länger als drei Wochen an, spricht man vom sogenannten subakuten oder postinfektiösen Husten. Auch wenn die zugrundeliegende Infektion meist bereits ausgeheilt ist, kann der Husten noch einige Zeit bestehen bleiben.

Von chronischem Husten spricht man, wenn der Husten länger als acht Wochen anhält. Er kann die Lebensqualität davon betroffener Menschen erheblich einschränken, indem er beispielsweise nachts den Schlaf raubt, die Verkehrstüchtigkeit einschränkt oder eine Harninkontinenz verstärkt. Außerdem kann er Heiserkeit, Nasenbluten, Einblutungen in die Bindehaut sowie Kopfschmerzen verursachen.

Die Ursachen für chronischen Husten sind vielfältig und müssen ihren Ursprung längst nicht immer in der Lunge haben. Die S3-Leitlinie »Akuter und chronischer Husten« der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) unterscheidet zwischen häufigen, gelegentlichen und seltenen relevanten Differenzialdiagnosen für chronischen Husten. Umso wichtiger ist ein genauer Blick auf Begleitsymptome, Vorerkrankungen und mögliche Auslöser:

Trockener Husten nach Erkältung

Wird Husten zum Dauerproblem, kann eine bronchiale Hyperreagibilität dahinterstecken. Die Schleimhäute des Respirationstrakts haben sich noch nicht vollständig erholt und reagieren auf normalerweise harmlose Reize wie kalte Luft, starkes Lachen oder sportliche Aktivität mit Husten. Auch nach einer saisonalen Allergie kann eine solche Überempfindlichkeit der Atemwege auftreten. Durch das ständige Husten können sich die Schleimhäute nur langsam regenerieren, da jeder Hustenstoß erneut einen Reiz auslöst.

Besteht der Verdacht auf eine solche Überempfindlichkeit, wird der behandelnde Arzt probatorisch – also versuchsweise – ein inhalatives Glucocorticoid verordnen, um die entzündlichen Prozesse in den Atemwegen zu stoppen. Der Therapieversuch sollte zunächst auf etwa vier Wochen begrenzt bleiben. PTA können den Patienten darauf hinweisen, dass die Wirkung nicht sofort einsetzt, sondern dass es einige Wochen dauern kann, bis der Husten ganz abgeklungen ist. Eine erste Besserung der Symptome ist oft schon in der ersten Woche zu beobachten.

Verstopfte Nase, ständiges Räuspern, belegter Hals

Hinter diesen Beschwerden kann ein Postnasal-Drip-Syndrom stehen, auch als Upper Airway Cough Syndrome (UACS) bezeichnet. Dabei rinnt aufgrund einer vermehrten Sekretproduktion bei gleichzeitig gestörtem Abfluss Nasensekret die Rachenhinterwand hinunter, insbesondere nachts im Liegen. Vermutlich löst das herablaufende Sekret den Hustenreiz aus. Dieser entsteht also nicht unbedingt in den unteren Atemwegen, sondern kann bereits im Bereich des Rachens ausgelöst werden. Einer anderen Theorie zufolge setzt die Entzündung der Nasenschleimhaut beziehungsweise der Nasennebenhöhlen Entzündungsmediatoren frei, die über afferente Nervenfasern am Hustenreflex beteiligt sind.

Betroffene haben häufig eine behinderte Nasenatmung und klagen neben Husten auch über Heiserkeit, häufiges Räuspern oder das Gefühl eines belegten Halses. Aber warum fließt das Sekret nicht wie üblich nach vorne aus der Nase ab, sondern nach hinten in den Rachen? Zum einen kann die Nasenschleimhaut infolge einer chronischen Entzündung der Nase (Rhinitis), der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) oder einer Allergie stark anschwellen und den normalen Sekretabfluss behindern. Zum anderen können auch anatomische Veränderungen wie Nasenpolypen oder eine verkrümmte Nasenscheidewand eine Rolle spielen.

Wird die Diagnose UACS gestellt, verordnen Ärzte in der Regel nasale Glucocorticoide. Ergänzend können PTA Nasenduschen oder Meerwassernasensprays empfehlen. Abschwellende Nasensprays sollten dagegen nur kurzfristig angewendet werden. Ist eine Allergie Auslöser der Beschwerden, können auch orale Antihistaminika infrage kommen.

Morgens produktiver Husten bei Rauchern

Eine weitere häufige Ursache für dauerhaften Husten ist eine chronische Bronchitis. Diese Form der chronischen Entzündung der Bronchien wird umgangssprachlich oft auch als Raucherhusten bezeichnet. Doch nicht nur Raucher können davon betroffen sein, sondern auch Menschen, die vermehrt Passivrauch ausgesetzt sind. Zudem kann auch eine berufliche Exposition, etwa durch Stäube oder chemische Schadstoffe, verantwortlich sein. Von einer chronischen Bronchitis spricht man, wenn Husten und Auswurf über mindestens drei Monate pro Jahr an den meisten Tagen auftreten, und das in zwei aufeinanderfolgenden Jahren.

Betroffene husten in der Regel immer morgens, und zwar produktiv. Das Sputum ist dabei schleimig-weiß. In diesem Stadium ist die chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut oft noch reversibel. Bedingung hierfür ist allerdings eine Karenz des auslösenden Reizes, also in den meisten Fällen ein kompromissloser Rauchstopp.

Die Krux: Viele Betroffene empfinden den Husten als normal und nicht als belastend. Doch in etwa 20 Prozent der Fälle entwickelt sich daraus eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

Morgens produktiver Husten plus Luftmangel bei Belastung

Hinter diesen Beschwerden kann eine COPD stecken. Durch eine anhaltende Entzündung verengen sich die Bronchien dauerhaft. Neben Husten leiden die Betroffenen unter Kurzatmigkeit und Atemnot (Dyspnoe), insbesondere unter Belastung – etwa beim Treppensteigen. Im weiteren Verlauf kann diese Atemnot auch in Ruhe auftreten. Auch Keuchen oder Giemen kann zu den Symptomen zählen. Zudem wird das Lungengewebe irreversibel geschädigt und umgebaut.

Unbehandelt und wenn Menschen weiterhin rauchen, schreitet die Erkrankung fort und kann langfristig in ein Lungenemphysem münden. Hierbei werden die Lungenbläschen (Alveolen) irreversibel erweitert und zerstört. Der Gasaustausch ist behindert, was zu Hypoxämie und ventilatorischer Insuffizienz führen kann. Die Rauchentwöhnung ist auch hier die wichtigste Maßnahme, um das Voranschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Daneben kommen weitere nicht medikamentöse Maßnahmen infrage wie körperliche Aktivität, Atemtherapie oder im fortgeschrittenen Stadium eine dauerhafte Sauerstofftherapie.

Die medikamentöse Therapie richtet sich nach Schweregrad und Symptomen. Als Basis kommen in der Regel Bronchodilatatoren wie Beta-2-Sympathomimetika und Anticholinergika zum Einsatz. Bei häufigen Krankheitsschüben (Exazerbationen) können zusätzlich inhalative Glucocorticoide verordnet werden.

Anfallsweise Husten, häufig auch nachts; oft mit Atemnot, Engegefühl und Giemen

Bei der Beschreibung dieser Symptome sollten PTA an ein unerkanntes Asthma bronchiale denken. Meist werden die Beschwerden durch eine Allergie, einen Atemwegsinfekt oder andere Trigger wie körperliche Belastung, kalte Luft oder Tabakrauch ausgelöst. Dazu kann ein zäher, glasiger Auswurf kommen. Charakteristisch ist auch, dass die Patienten zwischen den Episoden beschwerdefrei sein können.

Beim sogenannten Variant-Asthma fehlen die klassischen Symptome wie Atemnot, Engegefühl in der Brust oder Giemen. Die Betroffenen leiden stattdessen vor allem unter trockenem Reizhusten. Diese Form kann eine frühe Manifestation des Asthmas sein.

Oft wird die Diagnose Asthma bereits im Kindes- und Jugendalter gestellt. Mit einer gezielten, auf die Symptome abgestimmten Therapie nach Stufenplan ist die Erkrankung jedoch gut kontrollierbar. Ziel der Therapie ist eine weitgehende Beschwerdefreiheit und die Vermeidung von Asthmaanfällen. Grundlage der Behandlung sind in der Regel inhalative Glucocorticoide, die je nach Schweregrad mit kurz- oder langwirksamen Beta-2-Sympathomimetika kombiniert werden können. PTA können Patienten insbesondere bei der korrekten Anwendung ihrer Inhalatoren unterstützen.

Husten nachts oder nach dem Essen

Nicht immer ist die Ursache für Husten in der Lunge zu finden. Auch ein gastroösophagealer Reflux (Gastroesophageal Reflux Disease, GERD) kann einen chronischen Reizhusten auslösen. Dadurch, dass der Verschlussmechanismus (Sphinkter) zwischen Speiseröhre und Magen nicht richtig schließt, können vermehrt Magensaft und Magensäure in der Speiseröhre aufsteigen. Die klassischen Refluxsymptome wie Sodbrennen, saures Aufstoßen oder retrosternale Beschwerden können dabei vollständig fehlen.

Der Mechanismus, der den Husten auslöst, ist allerdings noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden zwei Möglichkeiten: die Reflextheorie und die Mikroaspirationstheorie. Bei der Reflextheorie gehen die Experten davon aus, dass die aufsteigende Magensäure den Vagusnerv in der Speiseröhre reizt, was zu reflexartigem Husten führt. Die Theorie der Mikroaspiration geht davon aus, dass kleinste Mengen der zurückgeflossenen Magensäure in die Atemwege gelangen und dort die Hustenrezeptoren stimulieren. Da aber nicht automatisch jeder Refluxpatient unter trockenem Husten leidet, wird zusätzlich eine individuelle Prädisposition angenommen.

PTA können in solchen Fällen eine Reihe nicht medikamentöser Tipps geben. Beispielsweise kann es helfen, mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen. Hierbei ist es aber von Vorteil, das Kopfteil des Bettes schräg zu stellen. Wird lediglich der Oberkörper erhöht gelagert, kann es den Reflux sogar verstärken, da das Abknicken des Oberkörpers den intraabdominellen Druck erhöhen kann. Zudem kann es helfen, bis zu vier Stunden vor dem Schlafengehen nichts zu essen, generell nur kleinere Portionen zu sich zu nehmen und die Ernährung auf eine fettarme Kost umzustellen. Auf Trigger wie Kaffee, Schokolade, Alkohol, Zitrusfrüchte, scharfe Gewürze sowie Nikotin sollten die Patienten möglichst verzichten. Patienten mit Übergewicht können ihre

Symptome durch eine Gewichtsreduktion verringern. Auch moderate körperliche Aktivität kann die Beschwerden lindern.

Führen die nicht medikamentösen Maßnahmen zu keiner Besserung, können Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol zum Einsatz kommen. In der Selbstmedikation sind sie allerdings nur für maximal zwei Wochen zulässig. Eine Langzeiteinnahme, gegebenenfalls auch in höherer Dosierung, muss über den Arzt erfolgen. Andere Arzneimittel wie H2-Rezeptor-Antagonisten, Alginate oder Antazida können versuchsweise zum Einsatz kommen.

Husten durch ACE-Hemmer

Gelegentlich sind es auch die Medikamente selbst, die einen chronischen Husten auslösen. Als klassische Verursacher gelten ACE-Hemmer wie Ramipril oder Enalapril. Die Arzneimittel hemmen das Enzym Kinase II, das unter anderem am Abbau des Entzündungsmediators Bradykinin beteiligt ist. Dadurch können sich Bradykinin sowie weitere Botenstoffe in den Atemwegen anreichern und einen trockenen Reizhusten auslösen. Die Beschwerden treten meist innerhalb der ersten Monate nach Therapiebeginn auf.

Daneben kommen auch weitere Arzneimittel als Auslöser infrage, beispielsweise Betablocker, inhalative Medikamente oder NSAR. Bei neu aufgetretenem Husten lohnt sich daher immer auch ein Blick auf den Medikationsplan.

Bei Verdacht auf medikamenteninduzierten Husten sollten Patienten ihre Arzneimittel keinesfalls eigenständig absetzen. Vielmehr können PTA die Betroffenen dazu ermutigen, die Beschwerden mit ihrem Arzt zu besprechen. So kann ein ACE-Hemmer gegebenenfalls durch ein Sartan wie Valsartan oder Olmesartan ersetzt werden. Im Gegensatz zu ACE-Hemmern lösen Sartane deutlich seltener Husten aus.

Heftige Hustenanfälle bis zum Würgereiz; keuchende Geräusche beim Einatmen

Hinter solchen Beschwerden kann eine Keuchhustenerkrankung (Pertussis) stecken. Die Erkrankung verläuft typischerweise in drei Phasen. Während das erste Stadium ein bis zwei Wochen dauert und einem leichten, trockenen Erkältungshusten ähnelt, folgt anschließend die mehrere Wochen andauernde Phase der typischen Stakkatohustenanfälle. Die Hustenattacken treten vermehrt nachts auf und enden häufig mit dem charakteristischen keuchenden Einziehen der Luft, dem die Erkrankung ihren Namen verdankt. Anschließend wird häufig zäher Schleim hervorgewürgt, mitunter bis zum Erbrechen. Diese Phase kann vier bis sechs Wochen andauern. Anschließend klingen die Beschwerden meist über mehrere Wochen langsam ab.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen mit nachlassendem Impfschutz verläuft Pertussis dagegen oft atypisch. Statt der charakteristischen Hustenanfälle besteht häufig lediglich ein lang anhaltender trockener Reizhusten. Dementsprechend schwer ist es, die hochansteckende Krankheit zu erkennen. Da Pertussis jedoch insbesondere bei ungeimpften Säuglingen oft schwer verläuft und zu lebensgefährlichen Atemaussetzern führen kann, sind konsequente (Auffrischungs-)Impfungen auch bei Erwachsenen essenziell.

Eine antibiotische Therapie, in der Regel mit Makroliden, sollte möglichst frühzeitig erfolgen. Sie kann die Dauer und Heftigkeit der Hustenattacken beeinflussen. Zudem kann so die Dauer der Ansteckungsfähigkeit verkürzt und somit eine weitere Ausbreitung verhindert werden.

Fehlende Ursache

Manche Patienten haben bereits zahlreiche Arzttermine und Untersuchungen hinter sich, ohne dass sich eine eindeutige Ursache finden ließ. In diesen Fällen spricht man von ungeklärtem Husten (unexplained chronic cough, UCC). Manchmal wird auch eine mögliche Ursache gefunden, aber die übliche Therapie schlägt nicht an. Dieser Husten wird als therapierefraktär bezeichnet. In beiden Fällen bleiben die Betroffenen oft ratlos zurück und verspüren mitunter einen hohen Leidensdruck. Besonders häufig sind Frauen im mittleren Lebensalter betroffen.

Hier können PTA darauf hinweisen, dass logopädische oder physiotherapeutische Therapien die Beschwerden lindern können. Zudem sollten die Patienten lernen, den Hustenreiz zu unterdrücken. Denn trockener Husten kann weiteren Hustenreiz verursachen. Neben dem Lutschen von Bonbons, ausreichendem Trinken oder Inhalationen mit Kochsalzlösung können spezielle atemtherapeutische Übungen helfen, den Hustenreiz besser zu kontrollieren.

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