Bei einer schnellen Gewichtsabnahme kann auch Muskelmasse verloren gehen. Daher ist es wichtig die Anwendung von beispielsweise Semaglutid mit einem professionellen Training zu kombinieren. / © Getty Images/miljko
Activin A und Myostatin sind Myokine, also Botenstoffe, die von Muskelzellen bei Bewegung freigesetzt werden und ein übermäßiges Wachstum der Muskulatur unterbinden. Genau hier setzt der Wirkstoff Bimagrumab an: Er verhindert, dass Liganden wie Activin A an den Activin-Typ II-Rezeptor (ActRII) binden. Daraus folgt eine anabole Wirkung auf die Skelettmuskulatur. Gleichzeitig werden Lipolyse (Fettabbau) und Fettmobilisierung über andere Signalwege gefördert.
Bimagrumab wurde ursprünglich von Novartis entwickelt, befindet sich mittlerweile aber im Portfolio von Versanis Bio, einem Tochterunternehmen von Eli Lilly. Nun erschienen im Fachjournal »Nature Medicine« Ergebnisse einer Phase-II-Studie, die das Potenzial des ActRII-Blockers als Kombinationspartner von Inkretinmimetika zur Gewichtsabnahme unterstreichen.
In einer doppelblinden, placebokontrollierten Phase‑II‑Studie wurden 507 Erwachsene mit Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m²) oder Übergewicht (BMI ≥ 27 kg/m² plus mindestens eine adipositasassoziierte Komplikation außer Diabetes) randomisiert und neun Behandlungsarmen zugeteilt. Die Teilnehmenden erhielten über 48 Wochen entweder Placebo, Bimagrumab (10 mg oder 30 mg pro kg Körpergewicht) intravenös alle 12 Wochen, Semaglutid (1 mg oder 2,4 mg) subkutan wöchentlich oder entsprechende Kombinationen. Danach wurde die Studie offen bis Woche 72 fortgesetzt. Randomisiert wurde geschlechtsstratifiziert, sodass in den einzelnen Armen Männer und Frauen möglichst gleichmäßig vertreten waren.
Als primärer Endpunkt wurde die absolute Veränderung des Körpergewichts nach 48 Wochen definiert. Ein wesentlicher sekundärer Endpunkt war die Gewichtsveränderung in Woche 72.
Die Autoren um Professor Dr. Steven B. Heymsfield von der Louisiana State University in Baton Rouge, USA, berichten nun, dass sich nach 48 Wochen eine klare Dosis‑ und Kombinationseffekt‑Hierarchie zeigte:
Während die Probanden in der Placebo-Gruppe etwa 3,3 kg Gewicht verloren, sank unter einer Monotherapie mit Bimagrumab 30 mg/kg das Körpergewicht im Mittel um 9,3 kg und unter Semaglutid 2,4 mg um 14,2 kg. Bei einer Hochdosis‑Kombination aus Bimagrumab 30 mg/kg plus Semaglutid 2,4 mg wurde eine mittlere Gewichtsabnahme von 17,8 kg erreicht. Die Gewichtsreduktion nahm unter der Kombinationstherapie bis Woche 72 weiter zu, was auf eine anhaltende Wirksamkeit über den primären Studienzeitraum hinaus hindeutet.
Daten aus früheren Phase‑II‑Studien hatten bereits nahegelegt, dass Bimagrumab bei adipösen Patienten mit Typ‑2‑Diabetes einen deutlichen Verlust von Fettmasse und viszeralem Fett induziert, während die fettfreie Masse zunimmt. Dies war ein Hinweis darauf, dass es unter Bimagrumab zu einer möglichen Entkopplung von Fett‑ und Muskelverlust kommt.
Die Ergebnisse der aktuellen Studie deuten nun darauf hin, dass im Fall einer Kombination von Bimagrumab mit Semaglutid der GLP-1-Rezeptoragonist primär über zentrale Mechanismen die Energiehomöostase moduliert. Bimagrumab wirkt hingegen peripher und fördert die Muskeldifferenzierung und Muskelhypertrophie.
Das Sicherheitsprofil der Kombination entsprach im Wesentlichen den Nebenwirkungen der Einzelpräparate. Unter Bimagrumab traten gehäuft Muskelkrämpfe, Diarrhö und Akne auf, während Semaglutid erwartungsgemäß vor allem mit gastrointestinalen Symptomen wie Übelkeit, Diarrhö, Obstipation und Müdigkeit assoziiert war.
Insbesondere für Patienten mit einem Risiko für niedrige Muskelmasse könnte eine Therapie, die Fettverlust maximiert und Muskelmasse schont, klinisch bedeutsam sein, kommentiert Heymsfield in einer Pressemitteilung. Andererseits wird diese Kombinationstherapie im Vergleich zu einer Monotherapie mit einem GLP-1-Agonisten kostspieliger.