Sanfte Übungen wie etwa beim Yoga können dabei helfen, Ischiasschmerzen vorzubeugen. / © Getty Images/Oleg Breslavtsev
Schmerzt es im unteren Rücken, sind neben Lendenwirbelsäule und Hüfte der Ischiasnerv und das Iliosakralgelenk (ISG) häufig Auslöser der Beschwerden. Gemäß Kay Bartrow, Dozent und Physiotherapeut, ist der Ischiasnerv sowohl an spezifischen als auch unspezifischen Rückenschmerzen beteiligt. Die von ihm ausgehenden Schmerzen strahlen vom unteren Rücken bis in das Bein oder gar die Zehen aus.
Grund dafür sind seine anatomische Lage und sein Verlauf: vom unteren Rücken durch das Becken über das Gesäß an der Oberschenkelrückseite in die Kniekehle – dort teilt er sich in kleinere Nervenstränge bis in die Zehen auf, die durch mehrere Engstellen wie den Gesäßmuskel oder zwischen Muskeln und Bindegewebe am Oberschenkel ziehen.
»Schmerzursache Nummer 1 beim Ischias und generell im Körper ist zu viel Druck, der in der Folge Reizungen und Entzündungen auslösen kann«, sagt Bartrow gegenüber PTA-Forum. Verantwortlich können eine zu hohe Gewebespannung (Muskeln, Faszien, Nervenhüllen), Überbelastung, eine monotone Körperhaltung, Bandscheibenveränderungen oder unterschwellige Entzündungen sein.
Letztere werden laut Bartrow begünstigt durch zu hohen Druck (Negativspirale), zu viel Stress, zuckerreiche Ernährung, zu wenig Erholung, Schlaf und eine zu geringe Trinkmenge. »Die durch den Druck entstehende Übersensibilisierung von Geweberezeptoren löst dann die Schmerzwahrnehmung aus«, so Bartrow.
Viele Patienten berichten von einem brennenden, stechenden oder bohrenden Schmerz. Er kann sich plötzlich verstärken, besonders wenn Körperhaltung oder Aktivität noch mehr Druck auf den Ischiasnerv ausüben. Mögliche Begleitsymptome sind Übelkeit, kalte Hände und übermäßiges Schwitzen. Betroffene sollten bei auftretenden Lähmungen, Taubheitsgefühlen, Kribbeln im Bein oder Fuß und bei Störungen rund um Blase und Darm umgehend zum Arzt gehen. Ärztliche Hilfe ist auch bei starken Schmerzen gefragt, die länger als einige Tage andauern.
Zum Thema Bandscheibenveränderungen und Ischiasbeschwerden ordnet Bartrow ein: Zwar seien Bandscheibenveränderungen eine häufige Ursache für Ischiasbeschwerden, bei 80 bis 90 Prozent der Betroffenen sei der Schmerz aber innerhalb von sechs bis zwölf Wochen weg. Bei 80 Prozent ist der Bandscheibenvorfall nach einem Jahr im MRT oder CT nicht mehr sichtbar. Auch Sequesterbildungen – Bandscheibengewebe hat sich abgelöst und ist in den Wirbelkanal ausgetreten – bilden sich in vielen Fällen von selbst zurück. Operationen seien daher nur bei starken und lang anhaltenden neurologischen Symptomen wie Lähmungen oder Gefühlsverlust nötig.