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Scheidentrockenheit
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Auch Schleimhäute brauchen Pflege

Trockenheitsgefühl, hohe Empfindlichkeit, Brennen, Schmerzen bei Intimitäten aufgrund mangelnder natürlicher Befeuchtung: Beschwerden in der Vaginalregion gehören zu den weniger bekannten Symptomen der Wechseljahre. Die immer atropher werdenden Schleimhäute sind chronisch und brauchen lebenslange Pflege. Welche Topika sind empfehlenswert?
AutorKontaktElke Wolf
Datum 23.07.2026  12:00 Uhr
Auch Schleimhäute brauchen Pflege

»Viele Frauen beschreiben Brennen, Trockenheit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, obwohl keine klassische Infektion vorliegt. Deshalb ist es wichtig, Beschwerden nicht vorschnell als ›Pilzinfektion‹ einzuordnen«, informierte Gynäkologin Dr. Sybille Görlitz-Novakovic bei einer Presseveranstaltung des Unternehmens Dr. Kade. Das gelte sowohl für die gynäkologische Praxis als auch für Beratungssituationen in der Apotheke. Ihre Erfahrung: »Jucken spricht eher für eine Mykose, Brennen geht meist in Richtung eines bakteriellen Problems, und Trockenheit ist klassisch für die Wechseljahre

Weitaus am häufigsten entsteht die vulvovaginale Trockenheit im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen, vor allem in der Peri- und Postmenopause. Aber auch nach der Geburt und in der Stillzeit kann Trockenheit auftreten, wenn der Estrogenspiegel unter anderem prolaktinbedingt sinkt. »Chronische Hauterkrankungen wie Lichen sclerosus oder Neurodermitis, Strahlen-, Chemo- oder antihormonelle Therapien sowie bestimmte Medikamente – etwa Antidepressiva und orale Kontrazeptiva – können die Beschwerden verstärken«, so die niedergelassene Fachärztin.

Weil die Trockenheit im Intimbereich immer noch sehr schambesetzt sei, sprächen die allerwenigsten Betroffenen von sich aus die Problematik in der gynäkologischen Praxis an. Hier gelte es, ärztlicherseits häufiger das Gespräch zu suchen und die Symptomatik »proaktiv« anzugehen, forderte sie, um Frauen die Unannehmlichkeit einer der häufigsten gynäkologischen Beschwerden zu nehmen. Für die Apotheke bedeutet das: Hinweise sensibel aufnehmen, Beschwerden einordnen und bei unklaren, starken oder wiederkehrenden Symptomen die gynäkologische Abklärung empfehlen.

Weniger Estrogen, weniger Schleimhaut

Urheber der Beschwerden ist der sinkende Estrogenspiegel und eine damit einhergehende Atrophie der Schleimhäute im Genitalbereich. Ein Mangel des Hormons reduziert die Kollagensynthese und Elastizität des Gewebes. Dadurch werden die Durchblutung und die vaginale Sekretion herabgefahren. Die Haut der Vulva bildet zudem weniger Lipide, was die Hautbarriere schwächt.

Der Estrogenmangel dünnt die Epithelzellen aus; vor allem die Schicht der oben aufliegenden Superfizialzellen nimmt in ihrer Breite und damit in ihrem Schutzeffekt ab. Dies bewirkt wiederum eine Drosselung der Glykogenproduktion. Fehlt Glykogen, nimmt die Anzahl der Lactobazillen ab und somit auch die Produktion von Milchsäure. Der vaginale pH-Wert steigt von ungefähr 3,8 bis 4,5 auf einen pH-Wert von 6 bis 8.

Durch den Rückgang der Lactobazillen verändert sich das vaginale Mikrobiom erheblich, wie etwa ein Übersichtsartikel aus dem vergangenen Jahr zeigt. Da es bei Frauen vor der Menopause stark von Lactobazillen dominiert wird, hinterlässt deren Rückgang in den Wechseljahren eine Lücke, die von anderen Bakterien gefüllt wird. Die mikrobielle Vielfalt erhöht sich also. Verschiedene Gattungen wie Prevotella, Porphyromonas, Peptoniphilus, Anaerococcus, Atopobium, Gardnerella, Megasphaera und Bacillus können sich ansiedeln, von denen einige mit vaginalen Infektionen in Verbindung gebracht werden. Das nicht mehr saure Milieu der Vaginalschleimhaut erleichtert Keimen, die nicht physiologisch in der Vagina vorkommen, das Eindringen und die Vermehrung.

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