Studien zeigen, dass sich die Stuhlanalysen von Allergie-belasteten Kindern deutlich von jenen unterscheiden, bei denen es keine Anzeichen auf jegliche Art von allergischem Geschehen gibt. »Die späteren Allergiekinder hatten bereits im Säuglingsalter zu wenig Laktobazillen und Bifidobakterien in sich und vor allem zu wenige Ballaststoff-abbauende Bakterien wie Faecalibacterium prausnitzii oder Akkermansia muciniphila. Ebenso fanden sich in den Stuhlproben der Kinder mit Asthma bedeutend weniger kurzkettige Fettsäuren wie Propionat oder Butyrat, die eine entzündliche Kaskade aufhalten können. Dafür trugen sie jedoch auffällig viele Staphylokokken oder Clostridioides in sich«, so die Ernährungswissenschaftlerin und Dermatologin.
Wie können Darmbakterien überhaupt Einfluss auf das Immunsystem nehmen? Axt-Gadermann erklärt das so: »Die größten Abwehrorgane sind nicht Milz, Thymus oder Lymphknoten, sondern der Darm. Im Darm sitzt sozusagen das Hauptquartier der Abwehrkräfte. 70 bis 80 Prozent aller Immunzellen sind in der Submukosa stationiert. Hier stehen die Darmbakterien in engem Kontakt zu den Immunzellen, und sie sind maßgeblich daran beteiligt, sie für die Infektabwehr stark zu machen. Sie erziehen sie so, dass sie regulatorische T-Zellen bilden – Hauptverantwortliche für immunologische Toleranz.«
Da ist es nicht verwunderlich, dass die Gabe von Antibiotika während oder nach der Geburt sowie in den ersten Lebensjahren Schneisen in die mikrobielle Gemeinschaft im Darm schlägt. Erhält die Mutter während der Geburt ein Antibiotikum, was bei einem Kaiserschnitt aus Gründen der Infektionsprophylaxe fast immer der Fall ist, verzögert das die Entwicklung der kindlichen Darmflora. Gleiches gilt bei vaginal geborenen Kindern, deren Mutter während der Geburt unter Antibiose steht. Antibiotika wirken sich in jedem Fall negativ auf das Mikrobiom aus, egal zu welchem Zeitpunkt, weiß Axt-Gadermann. »Kinder, die in den ersten ein bis zwei Lebensjahren zweimal Antibiotika bekommen hatten, haben ein um 50 Prozent höheres Risiko für eine Neurodermitis oder ein allergisches Asthma.«
Was den Infektionsschutz während einer Schnittentbindung betrifft, gibt es neue Erkenntnisse: Anstatt vor dem Hautschnitt kann das Antibiotikum auch nach dem Durchtrennen der Nabelschnur gegeben werden. Das bewahrt das Kind vor einer hohen Antibiotikabelastung und wirkt sich dennoch günstig auf die Entwicklung seines Mikrobioms aus – und der Infektionsschutz für die Mutter bleibt gewahrt, zeigt eine Schweizer Studie. Dazu haben Gynäkologen und Infektiologen des Inselspitals der Universität Bern die Daten von fast 56.000 Sectio-Geburten analysiert.