Bei der Einnahme von Bisphosphonaten ist einiges zu beachten. Die Beratung in der Apotheke ist daher unerlässlich. / © Imago/YAY Images
Bisphosphonate sind vor allem als zentraler Baustein der Osteoporosetherapie bekannt. Sie hemmen die Osteoklastenaktivität und vermindern dadurch die Knochenresorption. Das trägt dazu bei, Knochenmasse und -festigkeit zu erhalten sowie das Frakturrisiko zu senken. Als Folge wird außerdem die Calciumfreisetzung aus den Knochen reduziert.
Neben Osteoporose werden die Arzneistoffe bei Morbus Paget, einer Skeletterkrankung mit gesteigertem, unorganisiertem Knochenumbau, eingesetzt. Darüber hinaus kommen sie im Rahmen der Krebstherapie zum Einsatz, zum Beispiel um skelettbezogene Komplikationen bei Knochenmetastasen oder Multiplem Myelom zu vermeiden, aber auch bei tumorinduzierter Hypercalcämie. Bei postmenopausalen Frauen mit frühem hormonrezeptorpositivem Brustkrebs werden die Arzneistoffe auch im Rahmen einer adjuvanten Therapie verwendet, um Knochenmetastasen vorzubeugen und die Prognose zu verbessern.
Bisphosphonate sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich und können etwa oral oder intravenös gegeben werden. Typische Vertreter der Wirkstoffklasse sind
Vor allem die orale Einnahme ist beratungsintensiv:
Gut zu wissen: Für bestimmte Präparate, zum Beispiel magensaftresistent formuliertes Risedronat (wie Actonel® einmal wöchentlich 35 mg magensaftresistente Tabletten), können abweichende Einnahmevorschriften gelten.
Die Vorgaben zur Einnahme in aufrechter Haltung sollen verhindern, dass die Speiseröhre gereizt wird, sich entzündet (Ösophagitis) oder das Gewebe Schaden nimmt – mögliche Folgen einer falschen Einnahme. PTA und Apotheker sollten Patienten raten, bei Anzeichen einer Speiseröhrenreizung wie Schluckbeschwerden, neu auftretendem Sodbrennen oder Schmerzen hinter dem Brustbein einen Arzt aufzusuchen.
Vor und während der Therapie ist es wichtig, auf eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D zu achten und eine bestehende Hypocalcämie vor Therapiebeginn auszugleichen.
Um die ohnehin geringe orale Bioverfügbarkeit nicht zu beeinträchtigen, muss der vorgegebene zeitliche Abstand zur ersten Nahrungsaufnahme und dem Verzehr anderer Getränke als Wasser beachtet werden. Bereits das Trinken von Kaffee und Orangensaft kann beispielsweise die Bioverfügbarkeit von Alendronsäure um etwa 60 Prozent mindern.
Auch gleichzeitige Aufnahme mehrwertiger Kationen, zum Beispiel Calcium, Eisen und Magnesium, kann die Resorption der Bisphosphonate vermindern. Denn die Arzneistoffe bilden stabile Komplexe mit zwei- und dreiwertigen Metallkationen. Das ist ein wichtiger Hinweis für die Patienten, denn in der Regel verordnen Ärzte zusätzlich Calcium und Vitamin D, um eine Hypocalcämie zu vermeiden. Zu beachten ist, dass Patienten mitunter auch in der Selbstmedikation Präparate mit Magnesium, Eisen oder Zink sowie Antazida einnehmen.
Die Wechselwirkung können Patienten umgehen, indem sie zwischen der Einnahme des Bisphosphonats und des interagierenden Präparates, zum Beispiel Calcium, einen ausreichenden Zeitabstand lassen – entsprechend den Vorgaben der jeweiligen Gebrauchs-/Fachinformation. Gleiches gilt für calciumreiche Nahrungsmittel und Getränke wie Milch, Milchprodukte oder Mineralwasser.
Eine Alternative zu den Tabletten ist die intravenöse Gabe, die bei Osteoporose beispielsweise vierteljährlich oder nur einmal jährlich erfolgen kann. Mit dieser Applikationsart können die geringe orale Bioverfügbarkeit, unmittelbare Schleimhautreizungen und die komplizierten Einnahmeregeln umgangen werden. Welche Arzneiform bevorzugt wird, hängt unter anderem von der individuellen Situation des Patienten und der Indikation ab.
Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen der Therapie mit einem Bisphosphonat zählen unter anderem gastrointestinale Störungen, Knochen-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie ein zu niedriger Calciumspiegel im Blut (Hypocalcämie). Akute-Phase-Reaktionen mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen treten vor allem bei intravenöser Gabe und zu Therapiebeginn auf.
Kontraindiziert sind Bisphosphonate bei Schwangeren und Stillenden. Erkrankungen, die die Entleerung der Speiseröhre beeinträchtigen und die Unfähigkeit, mindestens 30 oder 60 Minuten in aufrechter Position zu bleiben, sind bei oralen Präparaten eine Gegenanzeige. Bei eingeschränkter Nierenfunktion und bestimmten Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes ist Vorsicht geboten. Maßgeblich ist die jeweilige Fachinformation.
Eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation der Therapie ist die Osteonekrose des Kieferknochens, wobei eine höhere Dosis, die intravenöse Gabe und die Dauer der Therapie das Risiko erhöhen. Krebspatienten sind daher häufiger betroffen als beispielsweise Osteoporosepatienten.
Als weitere Risikofaktoren gelten: mangelnde Mundhygiene, Zahnfleischentzündungen, Parodontitis, invasive zahnärztliche oder kieferchirurgische Eingriffe, schlecht sitzende Prothesen, begleitende Strahlen-, Chemo- oder Cortisontherapie sowie allgemeine Faktoren wie übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen, höheres Alter oder Diabetes mellitus.
Im Beratungsgespräch kann die abgebende Person folgende Hinweise geben:
Wichtig: Bei Schmerzen im Kieferbereich oder nicht heilenden Wunden im Mundraum sollten Patienten sofort den Zahnarzt aufsuchen.
In seltenen Fällen kann es auch zu einer Osteonekrose des äußeren Gehörgangs kommen. Warnzeichen hierfür sind Ohrenschmerzen, Ausfluss aus den Ohren, chronische Ohrentzündungen. Unter langfristiger Therapie wurde außerdem selten über atypische Femurfrakturen berichtet.
Einige Warnsymptome im Überblick, die schnell ärztlich abgeklärt werden sollten:
Archivartikel, aktualisiert; im Original erschienen am 1. September 2014