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Wiederkehrende Harnwegsinfekte
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Cranberry-Präparate zur Prävention neu bewertet

In der Praxis kommen Cranberry-Präparate oft zum Einsatz, vor allem bei wiederkehrenden Blasenentzündungen. In der 2017 publizierten Leitlinie zu Harnwegsinfektionen im Erwachsenenalter gab es keine Empfehlung, begründet mit der widersprüchlichen Studienlage. Ein aktueller HTA-Bericht kommt zu einer anderen Bewertung.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 28.03.2022  16:00 Uhr

»Der präventive Einsatz von Cranberry-Präparaten kann bei Frauen mit unkomplizierter wiederkehrender Blasenentzündung sinnvoll sein.« So beschreibt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) das Ergebnis des HTA-Berichts. HTA steht für Health Technology Assessment und bedeutet, dass eine medizinische Maßnahme systematisch bewertet wird .

Ob pflanzliche Mittel bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen helfen, hatte eine Bürgerin beim ThemenCheck Medizin des IQWiG erfragt. Hier können sich interessierte Einzelpersonen mit Themenvorschlägen einbringen. Die Erstellung des HTA-Berichtes übernahmen externe Sachverständige unter der Federführung der »Gesundheit Österreich GmbH«. 

15 Studien eingeschlossen

In die Bewertung wurden 15 randomisiert kontrollierte Studien zu verschiedenen Phytopharmaka eingeschlossen, die allerdings oft ein hohes Verzerrungspotenzial aufwiesen. Im Großteil der Studien wurden Cranberry-Präparate in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Darreichungsformen (Kapseln, Tabletten, Säfte) untersucht. Einige der Studien lieferten Hinweise darauf, dass die Einnahme von Cranberry die Rezidivrate im Vergleich zu Placebo verringern oder die Zeit bis zum ersten Rezidiv verlängern kann, heißt es im HTA-Bericht.

Demnach hatten unter Placebo etwa 8 von 100 Frauen innerhalb von drei Monaten mindestens eine unkomplizierte Harnwegsinfektion, während es unter Cranberry-Präparaten etwa 5 von 100 Frauen waren. 3 von 100 Frauen konnten also in diesem Zeitraum eine Blasenentzündung vermeiden, indem sie das pflanzliche Präparat einnahmen. Um einen Effekt zu erzielen, sei aber in der Regel die kontinuierliche Einnahme erforderlich, so die Wissenschaftler.

Im Vergleich mit einer Antibiotika-Prophylaxe (Trimethoprim/Sulfamethoxazol) zeigten Cranberry-Präparate einen geringeren präventiven Nutzen. Zu bedenken sei allerdings, dass Antibiotika mit deutlichen Nebenwirkungen und Risiken wie Verdauungsstörungen oder Resistenzbildungen bei den Keimen verbunden seien.

Zu den Nebenwirkungen einer Behandlung mit Cranberry-Extrakt lieferten die Studien nur wenige Daten. Insgesamt seien die Präparate gut vertragen worden, schwerwiegende Nebenwirkungen blieben aus. Einzelne Teilnehmerinnen berichteten von Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall.

Unklar bleibt, welche Dosis und Zusammensetzung es braucht, damit ein Cranberry-Extrakt in der Prävention von Harnwegsinfektionen wirksam ist. Die Studien enthielten dazu nur ungenaue Angaben. Die Autoren betonen, dass es hochwertiger Studien bedürfe, um diese Fragen zu klären. Die unübersichtliche Marktsituation mache es den Patienten nicht leicht: Cranberry-Präparate sind teils als pflanzliche Arzneimittel, teils als Nahrungsergänzungsmittel im Handel. Bei Letzteren braucht es weder ein Zulassungsverfahren noch einen Wirksamkeitsnachweis.

Helfen auch andere Phytotherapeutika?

Nicht oder nur unzureichend konnten die Daten belegen, wie gut andere pflanzliche Mittel wiederkehrenden Harnwegsinfekten vorbeugen können. Im Rahmen des HTA-Berichts wurden vereinzelte Studien zu anderen pflanzlichen Mitteln analysiert – darunter Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut (Angocin® N Anti-Infekt), Bärentraubenblätter und Birke (Duty®, nicht in Deutschland erhältlich), Bärentraubenblätter und Löwenzahn (UVA-E®, nicht in Deutschland erhältlich) sowie Liebstöckelwurzel, Rosmarinblätter und Tausendgüldenkraut (Canephron® N). Für letztere Dreierkombination deuteten die Daten im Vergleich mit einer alleinigen Antibiotikatherapie auf einen Zusatznutzen hin, wenn das pflanzliche Präparat mit dem Antibiotikum kombiniert wird. Verglichen mit Placebo ergab sich dem Bericht zufolge nur bei dem Präparat aus Bärentraubenblättern und Löwenzahn ein Anhaltspunkt für einen Nutzen zur Vermeidung von Rezidiven.

Einige Fragen bleiben offen

Offen blieb, wie gut pflanzliche Präparate bei akuten Harnwegsinfektionen wirken, ob pflanzliche Präparate auch komplizierten Harnwegsinfekten oder Komplikationen vorbeugen können, wie gut pflanzliche Präparate im Vergleich zu nicht medikamentösen Maßnahmen wirken und welche Nebenwirkungen pflanzliche Mittel haben können.

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