Warum sind hohe Temperaturen überhaupt ein Problem, vor allem für den weiblichen Intimbereich? Die natürliche Schutzfunktion beruht bei Frauen auf dem Zusammenspiel der mechanischen Hautbarriere, dem Säureschutzmantel und dem Mikrobiom, das vor der Menopause zu über 70 Prozent aus Laktobazillen besteht. Hitze fördert Schwitzen, Feuchtigkeitsstau und mechanische Reibung. Anhaltende Feuchtigkeit mazeriert die oberste Schicht der Epidermis und schwächt die schützende Lipidbarriere. Reibung zwischen Haut und Kleidung kann zu Mikrorissen führen, die als Eintrittspforte für Infektionserreger dienen können.
Verschärft wird das Problem, wenn Frauen enge synthetische Kleidung tragen. Sie erzeugt einen Wärmestau, der die Schweißproduktion weiter steigert und gleichzeitig Feuchtigkeit auf der Haut akkumuliert, anstatt sie abzuleiten. Das entstandene Milieu — warm, feucht, schlecht belüftet — bietet Pilzen und Bakterien ideale Wachstumsbedingungen.
Ein weiterer, oft unterschätzter Mechanismus betrifft den pH-Wert. Schweiß ist mit einem pH-Wert von meist über 4,5 weniger sauer als die physiologische Vaginalflora mit einem pH-Wert von 3,8 bis 4,4. Ist die Region anhaltend Schweiß ausgesetzt, verschiebt sich das lokale Milieu ins Alkalische und das schwächt die Laktobazillen-Dominanz. Gerät die Balance aus dem Gleichgewicht, können sich fakultativ pathogene Keime wie Gardenerella vaginalis und Fannyhessia vaginae, früher Atopobium vaginae, ungehindert vermehren und eine vaginale Dysbiose ist die Folge.
Der wohl wichtigste Grundsatz bei der Intimpflege lautet: Weniger ist mehr. Die Vulva verfügt über natürliche Schutzmechanismen, die durch übermäßige Hygienemaßnahmen oder chemisch aggressive Reinigungsmittel destabilisiert werden. In den meisten Fällen genügt für die tägliche Reinigung der äußeren Genitalien lauwarmes Wasser. Die Vagina selbst bedarf keiner externen Reinigung. Wird eine Waschlotion verwendet, so sollte sie auf das leicht saure Vaginalmilieu eingestellt und frei von allergenen Duftstoffen, Alkohol und Konservierungsmitteln sein. Aggressive Tenside wie Sodium Lauryl Sulfat (SLS) können bei empfindlicher Haut Reizungen und allergische Reaktionen auslösen.
Nach der Reinigung wird die Haut sanft, aber gründlich trocken getupft. Beim Reiben können Mikrorisse entstehen, die die Haut anfälliger für Infektionen machen. Bei älterer, gestresster oder trockener Haut empfiehlt es sich anschließend, den Bereich mit einer dünnen Schicht rückfettender Creme zu pflegen. Die PTA kann dafür zu Produkten raten, deren Inhaltsstoffe die Haut beruhigen und ihre Schutzmechanismen unterstützen. Hyaluronsäure verbessert die Feuchtigkeitsversorgung der Haut, ohne stark zu fetten. Sie kann helfen, Spannungsgefühle und Trockenheit zu reduzieren.
Als natürlicher Feuchtigkeitsspender ist auch Aloe vera bekannt und kann bei leichter Hautreizung wohltuend sein. Panthenol kann irritierte Haut beruhigen und die Regeneration der Hautbarriere fördern. Pflanzliche Öle wie Mandelöl oder Sonnenblumenöl schützen empfindliche Haut vor Reibung und Feuchtigkeit. Glycerin wirkt feuchtigkeitsbindend und bewahrt vor Austrocknung. In moderaten Konzentrationen gilt es als gut verträglich. Auch Vitamin E ist ein empfehlenswerter Inhaltstoff, da es die Haut mit seinen antioxidativen Eigenschaften schützt und regenerierend wirkt.
Der Klassiker Milchsäure stabilisiert den physiologischen pH-Wert und trägt dazu bei, das natürliche mikrobielle Gleichgewicht des Intimbereichs aufrechtzuerhalten. Außer in Produkten zum äußerlichen Auftragen gibt es sie auch in Form von Zäpfchen oder Gelen zur vaginalen Anwendung.