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Die Beratungs-Basics bei Scheidenpilz

Vaginalmykosen sind weitverbreitet, jede zweite bis dritte Frau ist mindestens einmal im Leben betroffen. Kein Wunder also, dass Scheidenpilz auch in der Apotheke ein Dauerbrenner ist. Die wichtigsten Basics rund um die Beratung auf einen Blick.
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 07.05.2026  12:00 Uhr

Typische Symptome einer Vaginalmykose sind Juckreiz und verstärkter Ausfluss. Beim Wasserlassen oder während des Geschlechtsverkehrs kann zudem ein unangenehmes Brennen oder Schmerzen auftreten. Wichtiges Kriterium für die Eigendiagnose ist der Ausfluss: Ist dieser weiß-gelblich, flockig, quarkähnlich und geruchlos, weist das deutlich auf eine Pilzinfektion hin. Ein grau-weißer, dünnflüssiger und fischig riechender Ausfluss deutet dagegen eher auf eine bakterielle Vaginose, dann sollte die PTA die Kundin an den Arzt verweisen.

Das gilt ebenso, wenn die Beschwerden zum ersten Mal auftreten oder besonders häufig – drei- bis viermal pro Jahr oder öfter. Auch Teenagern unter 18 Jahren und Schwangeren sollten PTA zum Arztbesuch raten, ebenso bei unklaren Symptomen, Schmerzen im Unterbauch, unangenehmem Geruch sowie grünem oder gelbem Ausfluss. Ein wichtiger Hinweis für die Beratung: Nach spätestens drei Tagen antimykotischer Behandlung sollte der Juckreiz verschwunden sein, sonst ist die Pilzdiagnose womöglich falsch. Die Kundin sollte dann an den Arzt verwiesen werden, ebenso, wenn sich die Symptome intensivieren.

Treffen die genannten Kriterien nicht zu, sind in der Regel eine Eigendiagnose und eine Selbstmedikation möglich. Da meist Vagina und Vulva betroffen sind, ist es sinnvoll, die Kombination von Vaginaltabletten oder -ovula plus Vaginalcreme zu empfehlen. Es gibt hier etwa Präparate mit Clotrimazol (wie Kadefungin® 3 Kombipackung, Vagisan® Myko Kombi 3 Tage), Fenticonazol (wie Fenizolan® Kombi) oder Nystatin (wie Biofanal® Kombipackung bei Scheidenpilz).

Clotrimazol Standard

Standard ist die Behandlung mit Clotrimazol. Der Wirkstoff wirkt gezielt gegen Candida albicans – mit 92 Prozent der häufigste Erreger von Vaginalmykosen. In der Selbstmedikation gibt es die Ein- oder Drei-Tages-Therapie: Bei drei Tagen wird eine 2-prozentige Creme (zwei- bis dreimal täglich an drei aufeinanderfolgenden Tagen, bei Bedarf weitere drei Tage fortführen) mit 3x200 mg Clotrimazol-Tabletten kombiniert. Bei der Ein-Tages-Therapie (zum Beispiel Vagisan® Myko Kombi, Canesten® Gyn Once) ist die Vaginaltablette mit 500 mg Clotrimazol höher dosiert. Aber: Die Creme ist mit 1 Prozent Clotrimazol niedriger dosiert als bei der Drei-Tages-Kombi und muss zwei- bis dreimal täglich für ein bis zwei Wochen angewendet werden. Bei Präparaten, in denen Clotrimazol mit Milchsäure kombiniert ist (etwa Canesten® Gyn 3-Tage-Kombi), soll die Bioverfügbarkeit des Wirkstoffs verbessert sein.

Die Vaginaltabletten werden abends vor dem Schlafengehen, am besten in Rückenlage mit angewinkelten Beinen, eingeführt; die Creme wird auf Vulva, Damm und die Analregion aufgetragen. Während der Menstruation sollten die Tabletten nicht angewendet werden, dann wird zu viel Wirkstoff wieder aus der Scheide herausgespült. Zu Latexkondomen oder -diaphragmen sollte man mindestens 48 Stunden Abstand halten, ebenso zu anderen vaginalen Zubereitungen.

Ein wichtiger Hinweis für die Kundin: Bei der Anwendung von Ovula entsteht häufig ein fettiger Rückfluss. Tabletten lösen sich in der Regel ganz auf, allerdings kann bei Scheidentrockenheit die vorhandene Scheidenflüssigkeit eventuell nicht zum Auflösen ausreichen.

Was gilt in der Schwangerschaft?

Durch erhöhte Östrogenspiegel haben Schwangere ein größeres Risiko für Vaginalmykosen. Bei Verdacht auf Scheidenpilz gehören sie grundsätzlich in die Hände des Gynäkologen. Sie werden aber in der Regel auch mit Clotrimazol behandelt. Laut Leitlinie sollten Schwangere insbesondere im ersten Trimenon mit lokalem Clotrimazol behandelt werden, um das Risiko für fetale Fehlbildungen und einen Frühabort zu vermeiden. Auch bei fortgeschrittener Schwangerschaft ist eine Behandlung wichtig, denn bei vaginaler Geburt kann sich das Neugeborene infizieren. Möglich sind dann Infektionen wie Windeldermatitis oder Mundsoor. Die PTA sollte Schwangere darauf hinweisen, Vaginaltabletten immer mit der Hand, nicht mit den beigefügten Applikatoren einzuführen.

Bei drei bis vier Vaginalpilz-Episoden pro Jahr handelt es sich um eine chronisch-rezidivierende Vulvovaginalkandidose (CRVVK). Ist Candida albicans der Erreger, können die Betroffenen oral mit Fluconazol behandelt werden. Dann ist etwas Geduld gefragt: Die Therapie dauert mindestens sechs Monate, danach sind aber etwa 85 Prozent der Patientinnen pilzfrei. Ein Risikofaktor für die Entwicklung einer CRVVK sind orogenitale Sexualkontakte.

Den Partner mitzubehandeln, ist standardmäßig übrigens nicht nötig, sondern nur, wenn er auch Beschwerden hat. Scheidenpilz ist keine Geschlechtskrankheit: Der Pilz kann zwar sexuell übertragen werden, muss aber keine Infektion auslösen.

Beruhigend für die Kundin: Mangelnde Hygiene ist nicht Ursache der Pilzinfektion. Im Gegenteil können eine falsche oder übertriebene Intimhygiene die körpereigene Schutzbarriere schädigen. Im Normalfall reicht es, die Vagina mit Wasser zu reinigen, spezielle Intimreinigungslotionen sind nur in Ausnahmefällen notwendig.

Damit eine Pilzinfektion schnell ausheilt beziehungsweise gar nicht erst auftritt, ist es ratsam, ein feuchtwarmes Milieu im Intimbereich zu vermeiden. Hygieneartikel wie Binden und Tampons sollten regelmäßig gewechselt werden, luftdurchlässige Slipeinlagen sollten bevorzugt werden. Auf eng anliegende synthetische Unterwäsche sollten Frauen besser verzichten.

Nach dem Toilettengang heißt es: Immer von vorne nach hinten abwischen, um das Eintragen des Erregers zu vermeiden. Waschlappen sollten bei akuter Infektion täglich gewechselt und bei 60 °C gewaschen werden. Bei gestörter Vaginalflora, etwa nach einer Behandlung mit Antibiotika oder bei häufig auftretenden bakteriellen Vaginosen, können PTA eine aufbauende Milchsäurekur (zum Beispiel Kadeflora® Milchsäurekur, Vagisan® ProbioFlora, Döderlein® Vaginalkapseln mit Milchsäurebakterien) empfehlen. Die Lactobazillen sorgen für ein gesundes, saures Scheidenmilieu und schützen vor Infektionen.

Das hilft nicht

Getrost verzichten kann man auf Hausmittel wie etwa Scheidenspülungen mit Essig oder Teebaumöl, um den Pilz auszupülen. Der Erreger ist fest mit den oberen Epithelzellen verbunden, er kann nicht einfach herausgespült werden. Essig und Teebaumöl sind zudem zu aggressiv für die empfindliche Vaginalschleimhaut. Sie können die Symptome verschlimmern und die Vaginalflora weiter aus dem Gleichgewicht bringen.

Auch von Joghurt-Tampons, die mit enthaltenen Milchsäurebakterien die Vaginalflora aufbauen und den Pilz verdrängen sollen, sollten PTA abraten. Die im Joghurt enthaltenen Milchsäurebakterien sind nicht mit denen der Vaginalflora identisch und können die Infektion verschlimmern. Auch Antipilzdiäten, bei denen der Pilz mithilfe einer zuckerarmen Ernährung »ausgehungert« werden soll, haben keine belegte Wirksamkeit. Allerdings: Frauen, die wiederholt unter Pilzinfektionen der Scheide leiden, können durch eine Ernährungsumstellung mit Zuckerverzicht ihr Erkrankungsrisiko vermindern.

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