Sich trotz Krebserkrankung in der eigenen Haut wohlzufühlen, ist ein wichtiges Ziel der Hautpflege. / © Getty Images/Maria Korneeva
Sowohl Strahlen- als auch Chemo- und orale Tumortherapien können die Haut belasten. Da sich Krebstherapien vor allem gegen schnell teilende Zellen richten – also auch gegen Zellen von Haut, Haaren und Nägeln –, reagieren diese auf eine onkologische Behandlung besonders empfindlich. Das bedeutet aber auch: Werden die Krebsmedikamente wieder abgesetzt, bessern sich die Hautbeschwerden. Und auch nach einer Bestrahlung regenerieren sich die Hautzellen in der Regel zügig. Dieser Hinweis im Beratungsgespräch dürfte die Patienten ungemein beruhigen.
Ein Hautausschlag mit Entzündungen, teils mit Bläschen oder Pusteln, ist eine häufige Nebenwirkung einiger oraler Krebsmedikamente. Die Hautreaktionen laufen mehr oder weniger in Stufen ab: Zuerst bildet sich ein akneartiges Exanthem. Dessen Intensität nimmt nach einer gewissen Zeit ab, bis es irgendwann komplett abklingt. Doch die Haut wird zunehmend trocken – so stark, dass sie extrem juckt und hypersensibel reagiert.
Die Hautveränderungen können bereits in der ersten Behandlungswoche auftreten, so etwa unter der gezielten Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren wie Nivolumab oder Pembrolizumab. Auch für zielgerichtete Antikörpertherapien ist das bekannt, etwa für Panitumumab oder Cetuximab.
Vor allem aber die Einnahme sogenannter EGFR-Inhibitoren wie Afatinib, Erlotinib, Sorafenib oder Geftinib bedingt Hautnebenwirkungen. Das liegt daran, dass diese Zielstruktur nicht nur im Tumor, sondern auch in der gesunden Haut vorkommt und somit »miterfasst« wird. Auf diese auch als Tyrosinkinasehemmer bezeichnete Arzneistoffgruppe reagieren die Betroffenen mit einem akneartigen Ausschlag im Gesicht und dem oberen Brust- und Rückenbereich. Die Papeln und Pusteln verkrusten mit der Zeit, zurück bleibt eine trockene, dünne und sehr lichtempfindliche Haut, heißt es etwa auf der Website von Ambora, einer Wissensdatenbank zu oralen Tumortherapien.
Auch ein Hand-Fuß-Syndrom, bei dem die Extremitäten schmerzen, anschwellen und rissig werden, ist eine typische Nebenwirkung bestimmter Zytostatika wie 5-Fluorouracil (5-FU), Capecitabin, Docetaxel oder Doxorubicin. Aber auch bei den Tyrosinkinasehemmern wie Sorafenib, Sunitinib oder Axitinib können Hand und Fuß reagieren. Das kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich belasten.
Die bekannteste dermatologische Nebenwirkung ist freilich die Radiodermatitis, die etwa drei bis vier Wochen nach Beginn einer Strahlentherapie auftritt. Sie ereilt mindestens Dreiviertel aller Brustkrebs- oder Rektumkarzinompatienten.
In jedem Fall sind dermatologische Nebenwirkungen weit mehr als Befindlichkeitsstörungen. Nicht selten machen sie – zumindest vorübergehend – eine Dosisreduktion, eine Verlängerung der Behandlungsintervalle oder sogar einen Therapieabbruch erforderlich. Dies gilt es zu verhindern.
Eine spezielle und regelmäßige Hautpflege könne nachweislich das Ausmaß der Hautprobleme mindern oder sogar deren Auftreten verhindern, informiert der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) auf seiner Website. Dabei gilt es, bereits vor dem ersten Behandlungstag mit einer adäquaten Basispflege zu beginnen, nicht erst, wenn Hautirritationen bereits da sind.
Die rechtzeitige Basispflege stabilisiert die Hautbarriere. Dazu muss sie sowohl rückfettende als auch hydratisierende Inhaltsstoffe enthalten. Geeignete Wirkstoffe nennt etwa die im Juni 2026 aktualisierte S3-Leitlinie zur supportiven Therapie bei onkologischen Patientinnen und Patienten, die praktische Tipps zur Prophylaxe und Therapie der Strahlendermatitis gibt. Der Krebsinformationsdienst rät, in den ersten Behandlungswochen eher feuchtigkeitsspendende Cremes und Lotionen zu wählen und im Laufe der Therapie auf betont rückfettende Zubereitungen zu wechseln.
Grundsätzlich sind rückfeuchtende Inhaltsstoffe wie Urea oder Glycerin das A und O. Um physiologische Barrierelipide zuzuführen, sollten in der Formulierung zusätzlich Ceramide, Sterole, Squalene, Sheabutter oder Nachtkerzensamenöle enthalten sein. Hautberuhigende oder juckreizstillende Inhaltsstoffe wie Niacinamid, Polidocanol und Dexpanthenol können bei bereits bestehender Dermatitis angewandt werden. Beispiele sind etwa Linola® Radioderm von Dr. Wolff, Dermasence® BarrioPro und Adtop plus oder Lipikar® Syndet AP+ oder Lipikar® Baume AP+M von La Roche-Posay.
Die beste Evidenz bei trockener Haut hat Harnstoff. Seine Wirksamkeit lässt sich in Kombination mit anderen natürlichen Feuchthaltefaktoren und Ceramiden, die gewissermaßen als Zellkitt fungieren, noch steigern. Grundsätzlich gilt: Mit je weniger Inhaltsstoffen eine Pflege auskommt, desto besser. Zubereitungen mit Alkohol (trocknet zusätzlich aus), Duft- und anderen potenziell allergisierenden Stoffen (gerade bei solchen mit pflanzlichen Inhaltsstoffen) sind zu meiden.
Welche Dermokosmetika infrage kommen, muss der Betroffene austesten. Die Vorliebe für ein Präparat kann sich auch im Laufe der Therapie ändern. Nimmt zum Beispiel im Laufe einer Strahlentherapie der transepidermale Wasserverlust zu und die Sebumsekretion ab, wird vermutlich eine höher konzentrierte Zubereitung an Lipiden und Feuchthaltefaktoren als angenehmer empfunden.
Die Hautpflege sollte mit dem Radioonkologen abgesprochen werden. Wichtig: Das regelmäßige Fetten und Feuchten der Haut sollte zwischen den Bestrahlungssitzungen laufend erfolgen. Direkt vor den Sitzungen ist das Bestrahlungsareal dagegen nicht einzucremen.
Reinigung und Pflege der Haut müssen unter der Maßgabe erfolgen, die Hautmarkierungen, die der Radioonkologe für die gezielte Ausrichtung der Strahlung anbringt, nicht von der Haut abzuwischen. Vor einiger Zeit noch wurde Patienten oft geraten, die betroffene Körperregion nicht zu waschen. Eine solche Empfehlung gibt es heute nicht mehr. Am besten duscht man kurz mit lauwarmem Wasser, allenfalls milde Waschsyndets sind erlaubt. Beim Abtrocknen heißt es: abtupfen statt trocken rubbeln. Danach die Haut sofort eincremen.
Reagiert die Haut trotz optimaler Pflege irritiert, muss alles dafür getan werden, der Entzündung Einhalt zu gebieten. Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, mit kühlenden Umschlägen die Haut zu beruhigen oder mit hoch dosierten corticoidhaltigen Topika zwischen den Therapiesitzungen gegen die Entzündung vorzugehen, um sie für die nächste Einheit vorzubereiten. Die Gefahr atrophierter Haut ist bei einer kurzzeitigen lokalen Corticoidtherapie nicht gegeben.