Besonders Menschen mit empfindlicher Haut, Ekzemen oder Neurodermitis profitieren von einer mikrobiotischen Pflege. / © Getty Images/Westend61
Die Bezeichnung »Säureschutzmantel« ist rund 100 Jahre alt – und ziemlich treffend gewählt. Natürlicherweise hält unsere Haut einen leicht sauren pH-Wert von etwa 4,5 bis 5,5 aufrecht. »Nur im sauren Milieu kann sich die Haut optimal regenerieren und ist besonders gut vor Umwelteinflüssen geschützt. Ein saurer pH-Wert ist für die Funktion der Hautbarriere essenziell, sorgt für die notwendige bakterielle Vielfalt, unterdrückt Krankheitserreger und macht es ihnen schwer, sich auf der Haut anzusiedeln«, sagt Dr. Michaela Axt-Gadermann, Professorin für Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg.
»Im Prinzip können wir vier Hautbarrieren unterscheiden, die Hand in Hand arbeiten: die Epidermis als mechanische Barriere, der darauf lebende Mikroorganismenrasen, der zusätzlich den Säureschutzmantel der Haut mitbedingt und etwa Erreger abhält, sowie die immunologische Barriere«, so die Expertin, zu deren Forschungsschwerpunkten das Haut- und Darmmikrobiom gehören.
Im Gespräch mit PTA-Forum schildert sie das Zusammenwirken von Hautmikrobiom, Epidermis, darauf lebenden Enzymen und deren Stoffwechsel als ausgeklügeltes System, das in Schieflage gerät, wenn eine Komponente schwächelt. »Die nützlichen Hautbewohner fühlen sich im leicht Sauren am wohlsten und können sich dann besser ausbreiten. Manche stabilisieren das Milieu sogar, indem sie selbst freie Fettsäuren bilden und den pH-Wert niedrig halten. Dieser sorgt zum Beispiel auch dafür, dass kollagenabbauende Enzyme nicht überhandnehmen. Die Mikroorganismen wiederum stärken die mechanische Barriere, indem sie die Talg- oder Ceramidproduktion unterstützen. Wenn die Epidermis geschwächt ist, können zum Beispiel Allergene tiefer eindringen.«
Hier setzt ein relativ neuer Trend in der Kosmetiksparte an: die probiotische Hautpflege, die gleichzeitig den pH-Wert niedrig hält. Basenbäder, Basenpulver oder basische Kosmetik hält die Dermatologin dagegen für kontraproduktiv. »Wird die Haut basisch gereinigt und gepflegt, reduziert sich die Widerstandskraft der Haut gegen Umwelteinflüsse. Der transepidermale Wasserverlust der Haut steigt, die Hautbarriere wird geschwächt. Die Haut reagiert empfindlich. Zudem geraten die angestammten Bakterien unter Druck, und andere Keime gewinnen die Oberhand, so etwa Cutibacterium acnes bei Akne und Staphylococcus aureus bei Neurodermitis.«