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Abnehmspritzen und -tabletten
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Diese Nebenwirkungen können auftreten

GLP-1-Rezeptoragonisten, besser bekannt als »Abnehmspritzen und -tabletten«, wurden ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt. Diese helfen zwar tatsächlich, Gewicht zu reduzieren, können jedoch unerwartete und auch schwere Nebenwirkungen hervorrufen – darunter in selteneren Fällen eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, einen Darmverschluss oder einen Verlust von Muskelmasse.
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 10.09.2026  10:00 Uhr

Bekannt und vermerkt als sehr häufige bis häufige Nebenwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten sind gastrointestinale Symptome wie Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Gastritis, Abdominalschmerzen sowie Spannungsgefühl, Völlegefühl und Blähungen, Sodbrennen, Gelenkentzündungen, Schlafstörungen oder Hypotonie. In seltenen Fällen kann die Anwendung jedoch auch schwerere Nebenwirkungen wie entzündliche Prozesse in den Nieren und der Bauchspeicheldrüse fördern.

Darmverschluss, Magenlähmung und Entzündung der Bauchspeicheldrüse

So wurde bereits 2023 in einer in der Fachzeitschrift »JAMA« veröffentlichten Studie festgestellt, dass das Risiko einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die starke Schmerzen verursacht und in einigen Fällen einen Krankenhausaufenthalt und eine Operation erfordert, etwa neunmal höher ist. Ein Darmverschluss und eine Magenlähmung, bei der Nahrung schlechter vom Magen in den Dünndarm gelangt, wurden jeweils etwa viermal häufiger beobachtet. Es zeigte sich zudem eine Tendenz zu vermehrten Gallenwegserkrankungen.

Das Forschungsteam um Mohit Sodhi von der University of British Columbia in Vancouver hatte für seine Studie etwa 16 Millionen Personen ohne Diabetes untersucht, denen zwischen 2006 und 2020 Semaglutid oder Liraglutid zur Gewichtsabnahme verschrieben worden war. Es verglich die Häufigkeit von Magen-Darm-Erkrankungen mit der bei Personen, die Präparate mit anderen Wirkstoffen zur Gewichtsabnahme eingenommen hatten.

Auf Muskelerhalt achten

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) warnt zudem vor dem Verlust von Muskelmasse durch die Verwendung einer Abnehmspritze. Viele Menschen unterschätzten, dass bei raschem Gewichtsverlust nicht nur Fett, sondern auch Muskeln verloren gingen. Es müsse daher gleichzeitig auf eine eiweißreiche Ernährung und Bewegung geachtet werden. Die DGEM hält beim Abnehmen eine qualifizierte ernährungsmedizinische Betreuung daher für unverzichtbar.

Seltene Nebenwirkung: Augenerkrankung

Der Pharmakovigilanz-Ausschuss (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat weiterhin davor gewarnt, dass eine Therapie mit Präparaten wie Ozempic® und Wegovy® mit einem erhöhten Risiko für die Augenerkrankung NAION verbunden sein kann – wenn auch in sehr seltenen Fällen. Bei der nicht arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie (NAION) ist der Blutfluss zum Sehnerv gestört. Das kann bis zum Sehverlust führen.  Die EMA empfiehlt, bei einem plötzlichen Sehverlust oder einer raschen Verschlechterung des Sehvermögens während der Behandlung mit Semaglutid unverzüglich einen Arzt aufzusuchen und bei Bestätigung einer NAION die Behandlung abzubrechen.

Ozempic-Face als Nebenwirkung

Ein eher optisches Problem kann das sogenannte Ozempic-Face werden. Denn durch die Abnehmspritze wird nicht nur die Körpersilhouette schmaler, sondern auch das Gesicht. Die Folge: deutlich tiefere Falten, eingefallene Wangen und schlaffe Haut, vor allem an der Kinnpartie. Denn auch dort gehen Fettreserven verloren. »Durch die Abnehmspritzen kommt es zu einem Fettgewebeverlust. Dann fehlen sozusagen die Federn, die das Kissen füllen. Die Hülle ist noch intakt«, erklärt Professorin Dr. Christiane Bayerl von der Gesellschaft für Dermopharmazie auf Nachfrage von PTA-Forum.

Haarausfall durch GLP-1-Rezeptoragonisten?

Immer mal wieder erhalten die Arzneimittelbehörden Berichte zu Haarverlust (Alopezie) als potenzieller Nebenwirkung einer Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA). Insbesondere für die häufig eingesetzten Wirkstoffe Semaglutid und Tirzepatid liegen Meldungen vor. In einer im »British Medical Journal« erschienenen Studie haben Forschende daher anhand Zehntausender Patientendatensätze untersucht, ob das Alopezie-Risiko unter GLP-1-Rezeptoragonisten größer ist als bei anderen Antidiabetika.

Das Ergebnis: Im Vergleich zu SGLT-2-Hemmern war das Risiko für eine klinisch dokumentierte Alopezie unter GLP-1-Rezeptoragonisten um 37 Prozent erhöht. Die absoluten Zahlen waren jedoch gering. So trat die mögliche Nebenwirkung nur 6,91-mal beziehungsweise 5,04-mal pro 1000 Personenjahre auf. Ähnliches gilt für den Vergleich mit den DPP-4-Hemmern. Weitere Analysen ergaben, dass dieser Zusammenhang speziell für die nicht narbenbildende Alopezie galt, bei der die Haarfollikel intakt bleiben und somit die Möglichkeit eines Nachwachsens besteht.

Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass ein schneller Gewichtsverlust ein allgemein anerkannter Auslöser für Haarausfall sein kann. Zudem können Eisen- oder Zinkmangel sowie hormonelle Veränderungen den Haarwachstumszyklus beeinflussen. Ob der beobachtete Zusammenhang auf die Medikamente selbst oder indirekt auf die Gewichtsabnahme zurückzuführen ist, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Vorsicht bei gleichzeitiger Hormonersatztherapie

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verwendung von Abnehmspritzen bei gleichzeitiger Hormonersatztherapie (HRT) in den Wechseljahren. Dr. Susan Zeun, Fachärztin für Klinische Pharmakologie und Expertin für Phytotherapie, geht davon aus, dass die Abnehmspritze auch die Wirkung einer HRT beeinflussen könnte. Denn nicht nur Nahrung verweile durch die Wirkung der Abnehmspritze länger im Magen, auch oral eingenommene Medikamente würden verzögert weitergeleitet. Und das gelte auch für das Hormon Gestagen, das in der Regel Teil einer HRT ist und Frauen, deren Gebärmutter nicht entfernt wurde, vor krankhaften Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut und im schlimmsten Fall vor Gebärmutterkrebs schützt. Durch die verzögerte Magenpassage könne sich die schützende Wirkung des Gestagens unter Umständen nicht wie gewünscht entfalten – ohne dass betroffene Frauen es bemerkten.

Ungeplante Schwangerschaften möglich

Auch ungeplante Schwangerschaften zählen zu den möglichen Risiken und Nebenwirkungen einer Therapie mit GLP-1-Analoga. Darauf weist die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) hin. Nehmen Frauen ab, reguliert sich häufig der Zyklus besser, und die Chancen für eine Schwangerschaft steigen. Zudem wird vermutet, dass diese Medikamentenklasse auch die Wirksamkeit von hormonellen Kontrazeptiva beeinträchtigen könnte, durch Nebenwirkungen wie Erbrechen, Durchfall oder verzögerte Magenentleerung.

Geruchs- und Geschmacksstörungen möglich

Im Sommer 2026 lieferten Jonathan Zontag und Nir Zontag von der Hebräischen Universität in Jerusalem im Fachjournal »JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery« Hinweise für ein Auftreten von Geruchs- und Geschmacksstörungen unter der Anwendung von Inkretinmimetika. Ihre Analyse ergab, dass in den ersten zwei Jahren einer Behandlung mit GLP-1-RA ein um 48 Prozent erhöhtes relatives Risiko für das Auftreten von Geruchs- und Geschmacksstörungen besteht. En détail war das Risiko für Geruchsstörungen um 81 Prozent und das für Geschmacksstörungen um 52 Prozent erhöht. Die absoluten Zahlen betroffener Patienten waren aber sehr gering. Da die Analyse zudem auf Diagnoseschlüsseln in Krankenakten und nicht auf objektiven Geruchs- oder Geschmackstests beruhte, zeigen die Daten lediglich einen Zusammenhang auf.

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