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Wenn Antibiotika nicht wirken
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Erste Leitlinie zur Phagentherapie

Wegen des zunehmenden Problems mit Antibiotika-Resistenzen bekommt die sogenannte Phagentherapie seit einigen Jahren verstärkt Beachtung. Welche Hoffnungen sind mit ihr verbunden und wo liegen Einschränkungen?
AutorKontaktdpa
Datum 28.09.2026  10:00 Uhr

Unzählige Menschen in Deutschland leiden unter hartnäckigen bakteriellen Infektionen – von Harnwegs- oder Wundinfektionen bis hin zu schweren Blutvergiftungen. Wenn Antibiotika in solchen Fällen nicht oder nicht mehr wirken, kann das gerade bei älteren Menschen oder Patienten mit geschwächtem Immunsystem zum Tod führen.

Deutsche Experten haben jetzt erstmals eine Leitlinie mit 60 Empfehlungen präsentiert. Sie richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, die an der Behandlung bakterieller Infektionen bei Erwachsenen und Kindern beteiligt sind. Federführend bei der Erarbeitung war die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie, auch internationale Fachgesellschaften unterstützten das Projekt.

Die Phagentherapie wird in der Leitlinie als Möglichkeit beschrieben, wenn klassische Therapien nicht oder nicht mehr greifen. Hauptautorin Silvia Würstle vom Universitätsklinikum Frankfurt betonte: »Phagen sind keine Wunderwaffen.« Ihr zufolge existieren bisher nur sehr wenige Studien, die eine Wirksamkeit von Phagen untersuchen und belegen. In einer Untersuchung von 100 aufeinanderfolgenden Fällen aus Belgien sei es »zu ungefähr 70 Prozent zu einer klinischen Verbesserung« gekommen, sagte Würstle. »Aber manchmal wirkt es eben nicht.«

Warnung vor gefährlichen Produkten aus dem Internet

Phagen – genauer gesagt Bakteriophagen – sind Viren, die hochspezifisch Bakterien infizieren, sich in ihnen vermehren und sie dann töten können. Wir haben Billionen von ihnen im Körper – mehr als Bakterien. Entdeckt wurden die natürlichen Gegenspieler der Bakterien im Körper bereits vor mehr als 100 Jahren, jedoch gerieten sie wegen der Nutzung von Antibiotika mit ihrer viel breiteren Wirksamkeit lange in den Hintergrund. In Osteuropa gibt es hingegen eine längere Tradition dieser Therapieform.

Würstle warnte davor, »gefährliche Phagenprodukte« im Internet zu bestellen. Derzeit sei zudem ein kostspieliger Medizintourismus zu beobachten. »Man versteht jede Patientin und jeden Patienten, der verzweifelt ist und nach dem letzten Strohhalm greift«, sagte die Forscherin. Allerdings könnten einige der angebotenen Produkte nach aktuellem Kenntnisstand gar nicht wirken.

Anders als bei breit wirkenden Antibiotika muss die Behandlung individuell auf den jeweiligen Patienten und den jeweiligen Erreger abgestimmt werden, wie aus der Leitlinie hervorgeht. »Wenn es mehrere Bakterien in der Infektion gibt, sollten auch alle relevanten Bakterien getestet werden«, sagte Würstle.

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