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Wenn Antibiotika nicht wirken
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Erste Leitlinie zur Phagentherapie

Wegen des zunehmenden Problems mit Antibiotika-Resistenzen bekommt die sogenannte Phagentherapie seit einigen Jahren verstärkt Beachtung. Welche Hoffnungen sind mit ihr verbunden und wo liegen Einschränkungen?
AutorKontaktdpa
Datum 28.09.2026  10:00 Uhr
Fieber und Entzündungsreaktionen als Nebenwirkungen

Fieber und Entzündungsreaktionen als Nebenwirkungen

Den Empfehlungen zufolge sollten interdisziplinäre Teams – also neben Ärzten auch Mikrobiologen und Pharmazeuten – darüber entscheiden, ob eine individuelle Phagentherapie sinnvoll ist. Praktikabler als eine industrielle Herstellung nach dem Arzneimittelstandard sei die individuelle Herstellung für einen bestimmten Patienten in einer Apotheke nach definierten Qualitätskontrollen und Standards. Den Experten zufolge muss die Therapie zudem engmaschig begleitet werden, sowohl von Ärzten als auch im Labor.

Demnach kann eine Phagentherapie Nebenwirkungen verursachen. Denn wenn viele Bakterien schnell zerfallen, können bakterielle Bestandteile freigesetzt werden, was unter anderem Fieber und Entzündungsreaktionen auslösen kann.

Zudem kann die Waffe stumpf werden. »Wir sehen eigentlich regelmäßig die Ausbildung von bakteriellen Resistenzen auf die Phagen, die gegeben werden. Das ist nichts Ungewöhnliches«, sagte Annika Yanina Claßen von der Uniklinik Köln, die auch zu den Autorinnen der neuen Leitlinie gehört.

Demnach wird die Phagentherapie in anderen Ländern wie Belgien und den USA bereits sicher und legal angewandt. Im Februar sei die bundesweit erste leitliniengerechte Therapie am Uniklinikum Frankfurt gestartet, berichtete Würstle. Seitdem seien zehn Patientinnen und Patienten erfolgreich behandelt worden. Aktuell könne hier gegen die Bakterien Pseudomonas und Staphylococcus aureus therapiert werden – und zwar über die Vene, als Nasenspray und als steriles Hydrogel bei Wunden.

Welche Patienten haben Bedarf an einer Phagentherapie?

Schwer einzuschätzen ist, wie viele Patientinnen und Patienten in Deutschland überhaupt Bedarf an einer Phagentherapie haben. Der Infektiologe Jan Rupp vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein sieht das Haupteinsatzgebiet bei Patienten, die mit multiresistenten Erregern besiedelt sind.

Diese Patienten seien in der Regel schwer krank, sagte Rupp. »Und wenn sie schwer krank sind, dann kommen in der Regel ganze Kaskaden von Antibiotika, die dann irgendwann das Ende erreichen.« Die neue Leitlinie sei wichtig, um künftig Phagen schon frühzeitiger in die Diagnostik des Erregers und dann auch in die Therapieentscheidung einfließen zu lassen.

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