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Selbstvergebung
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Fehler loslassen in fünf Schritten

»Hätte ich doch«, »Wäre ich doch«, »Wie konnte ich nur?«: Eigene Fehler hallen oft lange nach. Statt nachsichtig mit sich selbst zu sein, machen viele Menschen sich Vorwürfe. Wie das Loslassen funktionieren kann.
AutorKontaktdpa
Datum 20.04.2026  08:00 Uhr

Akzeptanz üben

In der Regel braucht es dazu fünf Schritte:

  1. »Es bedarf zuerst radikaler Akzeptanz bezüglich dessen, was geschehen ist beziehungsweise was man getan hat«, sagt Merkl-Maßmann.
  2. Im nächsten Schritt kommt es darauf an, sich den Gefühlen, die mit dem Fehler oder dem Versagen einhergehen, zu stellen. Betroffene sollten sich Mathias Allemand zufolge bewusst machen, was das Geschehene mit ihnen gemacht hat. Man übernimmt also volle Verantwortung für sich selbst. Wie fühlt sich das im Körper an, was ist los mit mir? »Achtsamkeit sich selbst gegenüber und das Entwickeln eines Selbstmitgefühls sind hier oft hilfreich«, so Merkl-Maßmann.
  3. Allemand rät, nun eine Checkliste zu erstellen: Was spricht dafür und was dagegen, sich einen Fehler zu verzeihen? »Die meisten werden feststellen, dass die Selbstvergebung viele Vorteile bringt«, so der Psychologe.
  4. Im nächsten Schritt kann man die Selbstvergebung förmlich angehen, rät Merkl-Maßmann. Zum Beispiel, indem man auf einem Blatt Papier den Fehler oder das Versagen notiert, sich dazu bekennt und schreibt: »Ich vergebe mir«. Anschließend schließt man das Blatt Papier entweder weg oder entsorgt es. Zugleich fasst man Vorsätze für die Zukunft, um für sich selbst klarzustellen, dass man aus dem Gewesenen gelernt hat.
  5. Im nächsten Schritt lotet man Allemand zufolge für sich aus, wie man die Sache in die eigene Lebensbiografie integriert. Was bedeutet das Geschehene für mich? Trifft mich wirklich Schuld – oder ist es ein Fehler, der nicht so schwer ist, wie es sich zunächst angefühlt hatte und der letztendlich jedem hätte passieren können?

Abschließen nicht immer möglich

Nicht immer führt Selbstvergebung dazu, mit einem bestimmten Fehlverhalten oder einem bestimmten Ereignis dauerhaft abschließen zu können. Das hängt auch stark davon ab, was vorgefallen ist. »Schwierig ist das beispielsweise, wenn etwa ein Lkw-Fahrer beim Abbiegen eine Radfahrerin überfahren hat mit der Folge, dass die Frau gestorben ist«, so Merkl-Maßmann. Oft braucht es sehr viel Zeit, um ein solches Ereignis mental in den Griff zu bekommen. »Häufig geht dies nur mit professioneller Hilfe, etwa Psychotherapie«, sagt die Fachärztin.

In einem langen Prozess gehe es dann darum, die eigene Unvollkommenheit zu akzeptieren und sich auf die Zukunft zu konzentrieren, anstatt sich permanent selbst zu verurteilen. »Aber ganz abschließen kann man mit dem Ereignis oft nicht«, so Merkl-Maßmann.

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