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Pseudocustomer-Besuche
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Fußpilz in der Selbstmedikation

In diesem Jahr sind Pilzerkrankungen das Schwerpunktthema der Pseudo-Customer-Besuche in öffentlichen Apotheken. Grund genug, das Beratungswissen aufzufrischen. Den Anfang macht Fußpilz.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 10.03.2026  14:00 Uhr

Eine Fußpilzinfektion (Tinea pedis) beginnt oft zwischen den Zehen: Die Haut juckt, erscheint weißlich und aufgequollen. Manchmal ist sie auch gerötet, es bilden sich Schuppen, Rhagaden oder Bläschen. Der Pilz, meist handelt es sich um Dermatophyten, ernährt sich von Keratin, das in der obersten Hautschicht reichlich vorhanden ist. Von alleine verschwindet er daher nicht – im Gegenteil, er kann sich weiter ausbreiten, auch auf die Fußnägel.

Die Pilzsporen verbreiten sich über infizierte Hautschuppen, die sich etwa auf den Böden von Gemeinschaftsduschen oder Umkleidekabinen finden, in Hotelteppichen oder auch in gemeinsam genutzten Textilien wie Handtüchern oder Badvorlegern. Fördernd wirkt ein feuchtes Milieu in den Zehenzwischenräumen, wie beispielsweise durch das Tragen luftundurchlässiger Schuhe beim Sport. Leichteren Eintritt finden die Erreger über kleine Verletzungen oder Risse an den Füßen. Neben einer familiären Veranlagung können auch bestimmte Grunderkrankungen das Risiko für die Infektion erhöhen, unter anderem Diabetes mellitus, periphere Neuropathien, Immundefekte und Durchblutungsstörungen.

Während der Fußpilz zwischen den Zehen (Tinea pedis interdigitalis) gut in der Selbstmedikation behandelbar ist, sollten Patienten mit einer Ausbreitung auf Fußrand, Ferse oder Fußsohle (squamös-hyperkeratotischer Typ oder Mokassin-Typ) oder Bläschenbildung am Fußgewölbe (vesikulös-dishydrotischer Typ) an den Arzt verwiesen werden. Hier kann eine systemische Therapie erforderlich sein. Ebenfalls ein Fall für den Arzt: Das erstmalige Auftreten, chronische oder rezidivierende Beschwerden sowie das Vorliegen prädisponierender Grunderkrankungen. Gleiches gilt für Pilzinfektionen in der Schwangerschaft oder bei Kindern.

Therapie individuell entscheiden

Für die Therapie stehen in der Selbstmedikation verschiedene antimykotische Cremes, Salben, Lösungen oder Sprays zur Verfügung. Welcher Arzneistoff und welche Darreichungsform am besten passt, entscheidet die beratende Person individuell, zum Beispiel nach Hautzustand oder Vorlieben und motorischen Fähigkeiten des Patienten. Im Folgenden werden einige Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen beschrieben, die bei Tinea pedis interdigitalis wirksam sind.

Azol-Antimykotika, zum Beispiel Clotrimazol, Bifonazol, Ketoconazol oder Miconazol, hemmen die Biosynthese von Ergosterol, einem essenziellen Bestandteil der Pilzzellmembran. Anwendungshäufigkeit und empfohlene Therapiedauer unterscheiden sich je nach Wirkstoff, wobei die Behandlung in der Regel drei bis vier Wochen dauert. Wichtig: Nach Abklingen der Symptome muss die Behandlung über den jeweils empfohlenen Zeitraum fortgesetzt werden.

Allylamine, zum Beispiel Terbinafin oder Naftifin, inaktivieren das Enzym Squalenepoxidase, was einerseits zur Hemmung der Ergosterolsynthese führt und andererseits zur toxischen Anreicherung von Squalen. Terbinafin ist ein lipophiler Arzneistoff, der sich bei lokaler Anwendung im Stratum corneum anreichert. Deshalb ist bei der Behandlung von Tinea pedis interdigitalis mit Terbinafin-Creme eine vergleichsweise kurze Behandlungsdauer von sieben Tagen ausreichend. Das Antimykotikum gibt es außerdem als Lösung zur Einmalanwendung, bei der sich ein bioadhäsiver Film bildet. In der Regel werden beide Füße behandelt und nach dem Auftragen sollte der Bereich 24 Stunden trocken bleiben.

Amorolfin, ein Morpholinderivat, greift in die Ergosterolsynthese der Pilzzellmembran ein. Die Behandlung mit der Creme soll in der Regel nicht kürzer als zwei Wochen und nicht länger als sechs Wochen erfolgen. Nach der klinischen Heilung soll noch einige Tage weiterbehandelt werden.

Ciclopirox-Olamin hemmt die Aufnahme wichtiger Zellbausteine in die Pilzzelle und fördert den Ausstrom anderer Bestandteile. Die Behandlung mit der Creme soll nach Abklingen der Symptome, was in der Regel etwa zwei Wochen dauert, noch ein bis zwei Wochen fortgesetzt werden.

Povidon-Iod, ein Antiseptikum, wird vor allem bei Superinfektionen angewendet.

Zusatztipps für langfristigen Therapieerfolg

Im Beratungsgespräch sollte auf die Bedeutung der konsequenten Behandlung hingewiesen werden, ebenso auf das Risiko der Übertragung und Reinfektion im Haushalt. Daher können PTA ihren Kundinnen und Kunden zusätzlich folgende Tipps geben:

  • Füße regelmäßig waschen und pflegen, mit milden oder pH-neutralen Pflegeprodukten
  • Füße und vor allem Zehenzwischenräume trocken halten – eventuell trocken föhnen
  • Zum Eincremen und Behandeln der Füße Einmalhandschuhe verwenden
  • Socken nur einmal tragen, Handtücher nur einmal verwenden; gegebenenfalls auf Papiertücher zurückgreifen
  • Schuhe regelmäßig desinfizieren und nach der Nutzung gut austrocknen lassen
  • Alle Textilien, die potenziell mit infizierten Hautstellen in Kontakt kommen, bei mindestens 60 Grad Celsius waschen oder fungizid wirksamen Hygienespüler nutzen; auch Fußpflegeutensilien desinfizieren
  • Während der Infektion weder zu Hause noch in öffentlichen Einrichtungen barfuß laufen
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