Eine Fantaschale aus Edelstahl leistet gute Dienste, um im Ansatz Agglomerate ausfindig zu machen. / © Adobe Stock/Glamourpixel /Marco Wydmuch
Trotz zahlreicher Fertigarzneimittel ist Triamcinolonacetonid – ein Fluor-halogeniertes Glucocorticoid der Wirkstärkeklasse II – das am häufigsten in der Rezeptur verordnete Externsteroid. »Vermutlich deshalb wird der Wirkstoff erneut verlangt. Denn erst vor zwei Jahren war er Gegenstand eines ZL-Ringversuchs«, sagte Potschadel bei dem virtuellen Vorbereitungsseminar der Landesapothekerkammer Brandenburg auf den Ringversuch.
Aufgrund seiner antiphlogistischen, antiallergischen und juckreizlindernden Wirkung kommt Triamcinolonacetonid »als Kurzzeittherapie quasi bei allen akuten Hautzuständen zum Einsatz«. Triamcinolonacetonid als lipophile Esterverbindung ist kutan zehnmal wirksamer als die hydrophilere Alkoholverbindung Triamcinolon. »Augen auf also bei der Wirkstoffauswahl.« In der Praxis bedeutet das: Wird Triamcinolon in einer dermalen Zubereitung verschrieben, muss die Apotheke zur Klärung Rücksprache mit dem Arzt halten. Bei gleichbleibender Wirkstoffkonzentration ist dann Triamcinolon gegen Triamcinolonacetonid auszutauschen.
Im aktuellen Ringversuch soll Triamcinolonacetonid 0,05 % mit der hydrophilen Basisemulsion DAC (NRF S.25.) verarbeitet werden (NRF 11.90.). Der Arzneistoff ist in Wasser praktisch unlöslich. »Deshalb muss Triamcinolonacetonid in mikronisierter Form suspendiert vorliegen, damit er beim Einarbeiten in die spätere hydrophile Emulsion in der Schwebe gehalten wird. Das ist eine der Herausforderungen dieser Rezeptur: Von Anfang an gilt es, penibel Agglomerate zu vermeiden«, erklärte der Rezeptur-Coach. In wasserhaltigen Zubereitungen liegt Triamcinolonacetonids pH-Optimum bei pH 4 – was sehr gut mit dem Konservierungsmittel der Grundlage passe.
Die hydrophile Basisemulsion ist im NRF monographiert. Für die Teilnahme am Ringversuch könne sie jedoch auch fertig bezogen werden, sofern sie gerade auf dem Markt verfügbar ist. Sie müsse dann allerdings der geforderten Stammzubereitung S.25. entsprechen, erinnerte Potschadel.
Für die Selbstherstellung gab Potschadel den Tipp, direkt in einer Gewindeflasche zu arbeiten und zunächst nur die beiden Emulgatoren Sorbitanmonostearat und Macrogol-8 Stearat sowie Glycerol und die mittelkettigen Trigylceride auf über 60 °C zu erwärmen. »Am besten deckt man den Ansatz ab, damit kein Wasserdampf hinzukommt.« Wichtig sei es, alles komplett zur Schmelze zu bringen, bevor die abgewogenen Substanzen Citronensäure und Kaliumsorbat zur Konservierung und pH-Werteinstellung auf 4–4,5 hinzugegeben werden. In Abhängigkeit von der geplanten Ansatzmenge sei zu überlegen, mit einer Citronensäurelösung zu arbeiten, meinte Potschadel. »Für einen 50-Gramm-Ansatz handelt es sich um sehr geringe Einwaagen und Wasser wird ohnehin noch zugegeben.«
Anschließend wird das noch erforderliche Wasser separat erwärmt und schrittweise zugewogen. Per Infrarot-Thermometer kann die Temperatur kontrolliert werden, ohne in die Schmelze zu gehen. Während des Erkaltens ist kräftig zu schütteln (Handschuhe nicht vergessen!). Die Luftblasen müssen sich beim Erkalten wieder auflösen. Potschadel empfahl, bei den einzelnen Herstellungsschritten sehr penibel zu arbeiten, um am Ende eine stabile, homogene weißlich-dickflüssige und nahezu geruchlose Emulsion zu erhalten.
Nach dem Erkalten wird der Wirkstoff eingearbeitet. Triamcinolonacetonid direkt in den Ansatz einzugeben sei dagegen keine gute Idee. »Das wird nicht klappen; als nicht hydrophiler Arzneistoff verteilt es sich nicht freiwillig in der Emulsion. Vielmehr müssen wir es dazu zwingen, und zwar durch Anreiben des Wirkstoffs in der Edelstahlschale mit einem Teil des Glycerols. Erst dann wird es in die Emulsion mitaufgenommen.«
Im aktuellen Ringversuch wird die Herstellung einer hydrophilen Emulsion mit Triamcinolonacetonid 0,05 % verlangt. Die Originalverordnung kann freilich abweichen. / © Quelle: Dr. Julia Potschadel