PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Adipositas
-
Wo es Hilfe und Halt gibt

Wer unter deutlichem Übergewicht leidet, schafft es oft nicht, aus eigenen Stücken dauerhaft an Gewicht zu verlieren. Vielmehr gleicht der Weg einem frustrierenden Auf und Ab. Wo Betroffene Hilfe finden und was sie unterstützt, erklärte Ernährungs-Doc Matthias Riedl im Gespräch mit PTA-Forum.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 30.04.2026  10:00 Uhr

PTA-Forum: Wie können Menschen mit Adipositas in Deutschland derzeit fachliche Hilfe bekommen, um dauerhaft Gewicht zu verlieren?

Riedl: Grundsätzlich erfolgt der Einstieg über Hausärztinnen und -ärzte, die an Fachärzte oder spezialisierte Adipositaszentren überweisen können. Ergänzend gibt es Ernährungsberatung, Verhaltenstherapie und in manchen Fällen Reha-Angebote. In der Praxis zeigt sich aber, dass diese Versorgung oft lückenhaft ist: Lange Wartezeiten, begrenzte Therapieplätze, unklare Kostenübernahme und vor allem fehlende langfristige Betreuung erschweren eine nachhaltige Behandlung erheblich. In ländlichen Gebieten fehlt es an Angeboten.

PTA-Forum: Das heißt, viele dieser Menschen werden mit ihren Problemen alleine gelassen?

Riedl: Teilweise ja. Obwohl es Angebote gibt, sind sie oft schwer zugänglich oder nicht ausreichend aufeinander abgestimmt. Viele Betroffene müssen sich Unterstützung selbst organisieren und erhalten keine kontinuierliche Begleitung im Alltag, was Rückfälle wahrscheinlicher macht und die Umsetzung langfristiger Veränderungen erschwert. Außerdem ist die Bezuschussung beziehungsweise Kostenübernahme über Krankenkassen meist nicht im vollen Umfang der Leistungen möglich.

PTA-Forum: Warum reicht die Verordnung der Abnehmspritze alleine nicht aus, um dieses Problem in der Breite mit Erfolg anzugehen?

Riedl: Medikamente wie Semaglutid können den Appetit regulieren und beim Abnehmen helfen, greifen aber nicht die zugrunde liegenden Verhaltens- und Lebensstilfaktoren an. Ohne begleitende Änderungen im Alltag – etwa im Essverhalten, Umgang mit Stress oder Bewegung – bleibt der Effekt oft begrenzt oder nicht dauerhaft stabil. 

PTA-Forum: Welche Rolle können Apps einnehmen, um Menschen mit Adipositas zu unterstützen, aber auch präventiv für alle Menschen Hilfe zu bieten?

Riedl: Wir haben eine absoluten Mangel an Fachpraxen. Knapp 1500 stehen in Deutschland zur Verfügung. In Österreich und der Schweiz ist das nicht anders. Dabei besteht ein gigantischer Mangel an Therapieplätzen. Der ist noch nicht von der Gesellschaft erkannt, weil viele Menschen glauben, dass das alles an mangelnder Disziplin liegt oder mit Essensplänen oder Kalorienzählen zu lösen sei. Diese Wege gehen einige der seit langem bekannten Consumer-Apps. Das greift aus unserer Sicht nicht an der Ursache an.

Moderne Ernährungstherapie nach den Leitlinien der DGE, die eine individuelle Optimierung coachen und echtes Wissen vermitteln, sehen wir hingegen als Lösung für unser Ernährungsproblem in Deutschland. Ein Beispiel ist die »MyFoodDoctor«-App. Sie kann eine tragende Rolle in der Unterstützung adipöser Menschen oder auch zur Prävention einnehmen, weil sie individuelle Ernährungsfehler aufdeckt, Wissen vermittelt, maßgeschneiderte Herangehensweisen liefert, motivierend wirkt und hilft, einen Überblick über die eigene Ernährung zu behalten. Apps sind zudem zu jeder Tages- und Nachtzeit verfügbar. 

PTA-Forum: Auf was sollte man achten, wenn man das eigene Gewichtsmanagement einer App anvertrauen will?

Riedl: Man sollte sich stets in vertrauenswürdige Hände begeben und eine App wählen, die einen seriösen, im besten Fall wissenschaftlich geprüften Hintergrund aufweist. Die App soll realistische und nachhaltige Strategien vermitteln und nicht auf kurzfristige Diäten setzen. Zudem sollten Datenschutz, Individualisierbarkeit und ein ganzheitlicher Ansatz berücksichtigt werden, damit die App wirklich zum eigenen Alltag passt und langfristig unterstützend wirkt.

Die meisten Apps sind nicht konform den Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und setzen immer noch auf überholtes Kalorienzählen und Essenspläne. Das sind Maßnahmen, die in der modernen Ernährungsmedizin als überholt betrachtet werden, da sie nicht dazu beitragen, nachhaltige, individuelle Veränderungen anzustoßen.

Wichtig ist, dass sich die Inhalte der App individualisieren lassen können, um bestmögliche Unterstützung zu liefern. Also statt starrem Kalorienzählen oder Essensplänen Hilfe zur Selbsthilfe, sodass man erlernt, sich gesund zu sättigen ohne Verbote. Letztendlich kann aber auch eine solche App nur die Richtung vorgeben. Menschen können damit lernen, selbst ins Handeln zu kommen.

PTA-Forum: Ihre App »MyFoodDoctor« hat jüngst die Zulassung zur Kassenerstattung bekommen, wie gehen Menschen vor, damit die Kasse die App erstattet?

Riedl: Das ist ganz einfach. Der In-App-Kauf kann in Deutschland erstattet werden, wenn alle Modulthemen gelesen und die jeweiligen Quizfragen richtig beantwortet wurden. Dann gibt man seinen Namen für die Teilnehmerbescheinigung an, lädt diese herunter und schickt sie zur Erstattung an seine Krankenkasse. Ganz einfach. Die Kasse erstattet bis zu 100 Prozent der Kosten. Viele User benutzen die App auch begleitend für viele Jahre, um ihre Ernährung zu monitoren und nicht vom Weg abzukommen. Nicht vergessen – gerade Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die ständiges Justieren erfordert, damit man erfolgreich bleibt.

MyFoodDoctor (MFD) ist nach SGB V, § 20, Kap. 7 zugelassen – das ist der Präventiv-Bereich. Die DiGAs wie Zanadio oder Oviva haben eine DiGA-Zulassung. Sie können gekauft werden, wenn die Kasse komplett zahlen soll, müssen aber vom Arzt verordnet werden. Hier geht es nur um Therapie. 

Die  »MyFoodDoctor«-App eignet sich auch, um eine Therapie mit der Abnehmspritze zu begleiten, die Dosis und damit die Kosten für die Spritze gering zu halten und möglichst rasch wieder von der teuren Medikation wegzukommen und damit auch von möglichen Nebenwirkungen.

PTA-Forum: Vielen Dank für das Gespräch.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa