| Barbara Döring |
| 04.08.2026 12:00 Uhr |
Nicht zu nahe kommen! Hunde können sich bei infizierten Wildtieren mit der Hasenpest anstecken. / © Getty Images/Joey Hayes / Design Pics
Was ist die Hasenpest?
Die Hasenpest, auch Lemming- oder Hirschfliegenfieber und wissenschaftlich Tularämie genannt, ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem Hasen trifft. Auch Kleinsäuger, Vögel sowie in seltenen Fällen Hunde und Katzen können sich mit dem gramnegativen, aeroben Bakterium Coccobacillus infizieren. Bei dem Erreger handelt es sich um die Bakterienart Francisella tularensis – benannt nach dem Bakteriologen Edward Francis – von der üblicherweise vier Subspezies unterschieden werden. Für die Erkrankung sind vor allem F. tularensis ssp. tularensis (Biovar Typ A) und ssp. holarctica (Biovar Typ B) verantwortlich.
Nur in seltenen Fällen geht der Erreger auf den Menschen über. In Deutschland passierte das in den vergangenen Jahren allerdings immer häufiger. Während es in den 2000er-Jahren bundesweit noch weniger als 100 Fälle waren, registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) 2024 214 Infektionen beim Menschen. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 223 erkrankte Personen gemeldet. Zwar sind die Erkrankungsfälle nach wie vor relativ selten. Dennoch sollte man wissen, wie sich eine Ansteckung mit der potenziell tödlich verlaufenden Erkrankung verhindern lässt.
Wie wird der Hasenpest-Erreger übertragen?
Die Hasenpest tritt ganzjährig auf, die meisten Fälle bei Menschen werden jedoch zwischen Juni und Oktober registriert. Der Erreger ist hochinfektiös. Für eine Ansteckung, vor allem über die Atemwege, reichen bereits 10 bis 50 Bakterien aus. Ein Vergleich: Für eine Salmonellen-Infektion bedarf es 104 bis 106 Keime. Menschen können sich zum Beispiel anstecken, wenn die Haut mit infizierten Tieren in Berührung kommt. Auch Schmierinfektionen der Augen durch den Kontakt mit Händen sind möglich. Theoretisch könnte der Erreger auch durch den Biss eines infizierten Tieres übertragen werden.
Möglich ist eine Infektion zudem beim Verzehr von kontaminiertem Fleisch oder wenn entsprechend verschmutztes Wasser getrunken wird. Ebenso ist die Inhalation von kontaminiertem Staub, etwa bei Heuarbeiten oder beim Rasenmähen, ein möglicher Übertragungsweg. In den meisten Fällen lässt sich nicht nachvollziehen, wie sich ein Mensch infiziert hat. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nicht bekannt, aber auch nicht auszuschließen.
Wie lange ist die Inkubationszeit?
Bis sich Krankheitszeichen bemerkbar machen, dauert es je nach Stamm ein bis 21 Tage. Meist zeigen sich nach drei bis fünf Tagen erste Symptome.
Wie sind die Symptome beim Menschen?
Neben allgemeinen Krankheitszeichen wie Fieber, Lymphknotenschwellung, Schüttelfrost, Unwohlsein sowie Kopf- und Gliederschmerzen können – abhängig vom Infektionsweg – sehr unterschiedliche Beschwerden auftreten. Nach Hautkontakt oder einem Biss zum Beispiel kleine Hautgeschwüre, nach Infektion des Auges eine Konjunktivitis mit Lidödem oder starker Tränenfluss, nach oraler Aufnahme oft Lymphknotenschwellung, Entzündung der Mundschleimhaut, Rachen- oder Kehlkopfentzündung mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden.
Auch Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall sind möglich. Wurde der Erreger inhaliert, sind Husten, Atemstörungen, Schweißausbrüche und Brustschmerzen typische Zeichen. Auch zu einer Lungenentzündung kann es kommen. Je nach Subspezies des Erregers, dem Übertragungsweg und der aufgenommenen Erregermenge sind sehr milde bis hin zu sehr schweren Krankheitsverläufen möglich. Wird rechtzeitig behandelt, sind Todesfälle selten.
Wie erfolgt die Diagnose?
Bei verstorbenen Tieren erfolgt der Erregernachweis durch pathologisch-anatomische sowie mikrobiologische und molekularbiologische Untersuchungen. Die Diagnose beim Menschen erfolgt aufgrund der klinischen Symptome, der Patientenbefragung im Hinblick auf Tierkontakt oder Zeckenstich sowie des Nachweises des Erregers per PCR oder von Antikörpern per Serologie.
Wie wird die Hasenpest behandelt?
Um einen schweren Verlauf zu vermeiden, ist eine frühzeitige antibiotische Therapie wichtig. Dabei kommen Antibiotika wie Aminoglycoside (Gentamicin, Streptomycin), Fluorchinolone (Ciprofloxacin, Levofloxacin) und Tetracycline (Doxycyclin) zum Einsatz. Bei schweren Verläufen sind Kombinationen möglich. Wirkungslos gegen die Erreger sind dagegen Penicilline und andere Beta-Lactam-Antibiotika sowie Sulfonamide. Kommt es zu Nekrosen oder einer Fistelbildung, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein. Hatte eine Person Kontakt mit einem nachweislich infizierten Tier, kann in Einzelfällen eine prophylaktische Antibiotikagabe sinnvoll sein.
Wie äußert sich die Infektion bei Tieren?
Infizierte Tiere zeigen zunächst unspezifische Symptome und Schwäche. Typisch sind ein schwankender Gang, gesträubtes Fell und schnelle Atmung. Bei den meisten Tierarten führt die Infektion innerhalb weniger Tage zum Tod durch Sepsis. Auch chronische Verläufe mit Abmagerung, Leberabszessen und Hautgeschwüren sind möglich.
Wo in Deutschland kommt die Hasenpest vor?
Die Hasenpest tritt vereinzelt in ganz Deutschland bei Wildtieren auf. Erkrankungen bei Menschen wurden in diesem Jahr aus Niedersachsen und Bremen gemeldet. Besondere Aufmerksamkeit erregte der Fall einer Infektion einer Jagdgruppe im Jahr 2005 in Hessen. Mehrere Personen, die an einer Treibjagd teilgenommen hatten, erkrankten wenige Tage danach, darunter sieben Personen schwer. Bei einem der Jäger führte die Infektion zum Tod.
Gibt es eine Meldepflicht?
In Deutschland ist eine Tularämie-Erkrankung beim Menschen nach dem Infektionsschutzgesetz und bei Tieren nach einer Verordnung des Tiergesundheitsgesetzes meldepflichtig.
Wer kann sich anstecken?
Der Erreger der Hasenpest hat ein sehr breites Wirtsspektrum. Bislang ist nicht eindeutig geklärt, in welchen Tierarten er Reservoirs bildet. Sicher ist, dass sich verschiedene Kleinsäuger wie Hasen, Kaninchen und Mäuse, aber auch andere Wild- und Haustiere infizieren können. Der Feldhase wird in Deutschland am häufigsten mit Erkrankungen beim Menschen in Verbindung gebracht. Besonders gefährdet sind Jäger oder Forstpersonal, die engen Kontakt zu Wildtieren haben, aber auch Menschen, die sich im Sommer viel im Freien aufhalten. Möglich ist zudem eine Ansteckung über blutsaugende Insekten wie Mücken und Bremsen sowie über Zecken oder durch die Inhalation von kontaminiertem Staub.
Wie lässt sich eine Ansteckung vermeiden?
Wer wie Jäger Kontakt mit kranken oder toten Wildtieren – vor allem Hasen und Kaninchen – hat, sollte dabei Handschuhe und gegebenenfalls eine Atemschutzmaske tragen und auffällige Tiere den Behörden melden. Fleisch von Hasen und Kaninchen sollte nur verzehrt werden, wenn es gut durchgegart ist. Der Erreger Francisella tularensis ist kälteresistent und in tiefgekühltem Fleisch auch nach Jahren noch nachweisbar. In Gegenden mit Tularämie-Fällen gilt die Empfehlung, Brunnenwasser vor dem Trinken abzukochen. Der Kontakt zu Wasser, das durch Tierkadaver kontaminiert ist, sollte gemieden werden. Da sich auch Haustiere anstecken können, sollten Tierhalter darauf achten, dass etwa Hunde oder Katzen keinen Kontakt zu Feldhasen und Wildkaninchen haben.
Gibt es eine Impfung?
Derzeit sind in der Europäischen Union keine Impfstoffe gegen Tularämie zugelassen oder verfügbar. Eine entsprechende Immunisierung wäre laut RKI nur für Personen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko sinnvoll, etwa für Laborpersonal. Im Fall einer Ansteckung ist eine sofortige antibiotische Behandlung ausreichend.