Die natürlicherweise im Wimpernkranz lebende Demodex-Milbe verklebt die Lidränder, wenn sie sich zu stark vermehrt. / © Getty Images/Maria Korneeva
Demodex-Milben besiedeln natürlicherweise unsere Haut, leben in Haarfollikeln und Talgdrüsen. Vermehren sich die winzigen Spinnentiere jedoch übermäßig stark in Wimpernwurzeln sowie Talg- und Liddrüsen, machen sie recht unangenehm auf sich aufmerksam. Dann lösen sie Symptome eines trockenen Auges oder einer Lidrandentzündung aus: brennende, juckende, gerötete Augen mit verklebten Lidrändern und Sehschwankungen aufgrund der Instabilität des Tränenfilms.
Das komme gar nicht so selten vor, sagte Privatdozentin Dr. Christina Jacobi vom Augen & Haut Zentrum Nürnberg bei einer digitalen Pressekonferenz der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). »Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten, die routinemäßig eine Augenarztpraxis aufsuchen, haben aktuellen Untersuchungen zufolge eine krankhafte Überbesiedlung mit Demodex-Milben.« Die Betroffenenzahlen liegen damit weit höher als bislang vermutet.
Laut der Augenärztin steigt das Risiko eines krankhaften Befalls mit dem Lebensalter. »Bei den Über-70-Jährigen lässt sich die Milbe bei fast 100 Prozent nachweisen.« Rosazea-Patienten, Diabetiker und Personen mit gestörter Hautbarriere sowie einer Meibomdrüsen-Dysfunktion seien besonders anfällig für eine Überbesiedlung.
Doch weil der vermehrte Milbenbefall laut der Expertin viel zu selten diagnostiziert werde, werde er häufig mit einem trockenen Auge, einer Rosazea – auch bei dieser entzündlichen Hauterkrankung dominiert die Demodex-Milbe das Hautmikrobiom –, allergischen Reizungen oder einer unspezifischen Lidrandentzündung verwechselt. Jacobi rät deshalb: »Wenn sich trotz Lidrandpflege, Tropfen oder Salben die Symptome nicht bessern, ist auf augenärztlicher Seite gezielt nach den Milben als Ursache zu suchen.«
Für die Diagnose genügt ein genauer Blick durch die Spaltlampe auf den Wimpernansatz. Dort sind dann zylindrische Schuppen festzustellen, »die die Wimpern wie ein kleiner Kragen umschließen. Man spricht auch von Kollaretten«, beschreibt die DOG-Expertin. Um ganz sicherzugehen, kann der behandelnde Arzt einzelne Wimpern entnehmen und unter dem Mikroskop auf Milben hin untersuchen.