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Gehirn entstressen
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Granny-Hobbys statt Scrollen

Viele Menschen greifen in ihrer Freizeit zu Handy, Tablet und Co. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach mehr analogen Tätigkeiten wie Stricken, Backen oder Gärtnern, auch als »Granny-Hobbys« bezeichnet. Wie digitale Auszeiten gelingen und warum sie wichtig sind, erklären eine Expterin und ein Experte.
AutorKontaktdpa
Datum 27.05.2026  08:00 Uhr

Da wollte man nur einen raschen Blick auf die Uhrzeit werfen und schon scrollt man wieder durch Videos, Reels und Statusmeldungen. Digitale Inhalte sind zu unseren ständigen Begleitern geworden. »Die Möglichkeiten des Smartphones sind faszinierend: Es bietet Unterhaltung und Information, dazu Kontaktmöglichkeiten, Berieselung und das alles jederzeit und überall. Klar, dass viele ihre virtuelle Nabelschnur zum Handy nicht trennen wollen«, sagt Professor Ulrich Reinhardt, Zukunftswissenschaftler.

Social Media und andere digitale Unterhaltungsformate aktivieren den sogenannten Sympathikus – jenen Teil des menschlichen Nervensystems, der uns wachsam und alarmiert macht. »Durch überraschende Elemente, grelle Bilder und schnelle Bewegungen wird unsere Aufmerksamkeit ständig getriggert. Wir geraten in einen andauernden Stressmodus und das kann zum Problem werden«, so Johanna Bartels, Münchner Therapeutin und Achtsamkeitstrainerin.

Weniger Reize, mehr Entspannung

Eben deshalb gibt es auch gegenläufige Bewegungen. Denn viele sehnen sich nach digitalen Auszeiten. »Lange Zeit galt das Motto möglichst nichts zu verpassen. Man sprach in diesem Zusammenhang auch von FOMO – Fear of missing out. Mittlerweile ist es eher JOMO – Joy of missing out, also das bewusste Verpassen«, sagt Reinhardt. Insbesondere seit der Corona-Pandemie entdeckten deshalb viele Menschen wieder langsamere, haptische und überschaubare Tätigkeiten für sich, so der Wissenschaftler.

Dazu gehören etwa Zeichnen, Stricken, Nähen, Backen oder Gartenarbeit – oft auch als »Granny-Hobbys« betitelt. »Solche Tätigkeiten liefern weniger Reize und unser Nervensystem hat überhaupt erst wieder die Möglichkeit, in einen Entspannungsmodus zu kommen«, sagt Bartels.

Anders als digitale Inhalte sprächen analoge Hobbys oft mehr Sinne an: ob der Duft des Kuchens, das Gefühl von Erde auf der Haut oder das Geräusch, wenn Puzzleteile ineinander klicken. Tätigkeiten, die wir unmittelbar wahrnehmen, verankern uns im Hier und Jetzt.

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