Die ruhigen, sich wiederholenden und vorhersehbaren Tätigkeiten signalisieren unserem Gehirn außerdem das Gefühl von Sicherheit. »Wir müssen dabei nicht in Habachtstellung sein. Gerade in Kriegs- und Krisenzeiten entwickeln Menschen eine Sehnsucht nach Geborgenheit, Vertrautem und Überschaubarem«, sagt die Achtsamkeitstrainerin. Bei solchen Hobbys werde das parasympathische Nervensystem aktiviert, unser Entspannungsmodus. Die Herzfrequenz verlangsame sich, die Atmung fahre herunter.
Und Omas-Hobbys haben noch einen Vorteil: Sie stärken unseren Selbstwert. »Man kann mit dem eigenen Tun etwas bewirken und sich Freude verschaffen. Wenn ich merke, dass ich selbst für meine Freude zuständig bin, kann das, was andere tun, an Bedeutung verlieren«, so Bartels.
Langfristig könnten analoge Hobbys sogar Veränderungen im Gehirn bewirken und uns insgesamt entspannter und freudvoller machen. »Das menschliche Gehirn neigt zu Negativität, das ist gewissermaßen eine Voreinstellung aus der Zeit, in der man sicher gehen musste, dass kein wildes Tier hinter dem nächsten Busch lauert«, sagt Bartels. Wer jedoch regelmäßig in einen Ruhemodus positiver Gefühle finde, stärke damit die Fähigkeit, auch grundsätzlich schneller und leichter zu entspannen.
Sind Grandma-Hobbys also der Gegenpol zu Streaming, Games und Social Media? Teilweise. »Einerseits stellen sie eine handwerkliche Tätigkeit in den Vordergrund. Andererseits ergänzt sich beides. Viele informieren sich online über analoge Hobbys, vernetzen sich mit Gleichgesinnten oder dokumentieren ihre Erlebnisse im Netz. Dieses Nebeneinander wird sich auch in der Zukunft fortsetzen«, sagt Ulrich Reinhardt.
Doch auch analoge Hobbys können zu Stress und Leistungsdruck führen. Damit das nicht passiert, empfiehlt Ulrich Reinhardt einige Leitlinien zu beachten:
Und wie findet man das passende Hobby? Johanna Bartels rät, einen Blick in die eigene Kindheit und Jugend zu werfen. Was hat einem damals gefallen? Und was macht mir noch immer Freude? »Manchmal erfreut man sich auch an einer Farbe, einem Material, einem Geräusch oder Duft. Daraus können sich oft Ideen ergeben.« Ist ein Hobby gefunden, heißt es dann: ausprobieren!