| Isabel Weinert |
| 22.05.2026 08:00 Uhr |
Beim oralen Antidiabetikum Metformin steigt bei Hitze die Gefahr einer gefährlichen Lactatazidose, weil Flüssigkeitsmangel durch starkes Schwitzen und wenig trinken die Nierenfunktion beeinträchtigen kann. Hitze begünstigt zudem bei SGLT-2-Hemmern eine Ketoazidose, also eine schwerwiegende Übersäuerung des Stoffwechsels. Denn der Wirkmechanismus sorgt für eine höhere Urinausscheidung (osmotische Diurese). Plus vermehrtes Schwitzen kann das in einer sogenannten euglykämischen Ketoazidose münden. Euglykämisch, weil nicht, wie bei einer diabetischen Ketoazidose, die Ursache in einem viel zu hohen Blutzucker liegt. Vielmehr sind die Werte im Normbereich.
Hitze kann sowohl die Haltbarkeit von Abnehmspritzen wie Wegovy®, Ozempic® oder Mounjaro® herabsetzen als auch deren Verträglichkeit verringern. Bei Temperaturen über 30 °C können sich Wirkstoffe wie Semaglutid oder Tirzepatid verändern, ihre Stabilität und Wirkung verlieren. Hitze kann zudem das Keimwachstum innerhalb der Spritze begünstigen. Deshalb sollte man sowohl die ungeöffneten als auch die angebrochenen Pens bei Kühlschranktemperaturen von bei 2 bis 8 °C lagern. Nach Anbruch hält Wegovy® bis zu sechs Wochen bei unter 30 °C und Mounjaro bis zu 30 Tage lang. Wie auch Insulin dürfen auch die »Abnehmspritzen« nie großer Hitze ausgesetzt werden, wie sie sich im Sommer in Autos schnell entwickelt.
Die sachgerechte Lagerung ist das eine, doch hohe Temperaturen könnten auch das Nebenwirkungsrisiko erhöhen. Wie das? Weil Appetit und Mahlzeiten aufgrund des geringeren Hungergefühls kleiner werden, wird oft auch insgesamt weniger getrunken. Kommen dann eventuell noch durch die Abnehmspritzen verursachte Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hinzu, steigt das Risiko zu dehydrieren – zu einem Zeitpunkt, zu dem der Körper ohnehin mehr Flüssigkeit durch Schwitzen verliert.
PTA sollten diese Zusammenhänge erklären und damit das Bewusstsein schärfen, sich im Zweifel zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr zu zwingen. Ein Mangel an Flüssigkeit kann zudem die Nieren belasten. Neben Einschränkungen der Funktion kann das auch Nierensteine fördern. Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), in Hitzezeiten pro Tag 2,5 Liter Flüssigkeit über Essen und Trinken zu sich zu nehmen.