| Isabel Weinert |
| 22.05.2026 08:00 Uhr |
Auch bei Hitze macht die Dosis das Gift. Aufpassen müssen besonders diejenigen, deren Organismus schon durch das Alter oder eine chronische Erkrankung gefordert ist. / © Adobe Stock/grafxart
Um die Körperkerntemperatur von 37 °C aufrecht zu halten, auch wenn in der Umgebung die Hitze brüllt, hat der menschliche Organismus einige ausgefeilte Techniken: Er erweitert die Hautgefäße, die Durchblutung der Haut und die Schweißproduktion nehmen zu. Über die erweiterten Blutgefäße gelangt mehr Wärme aus dem Organimus in die Umgebung. Der auf der Haut verdunstende Schweiß entzieht dem Körper über die Verdunstungskälte zusätzlich Wärme.
Diese Prozesse kosten Kraft. Das Herz pumpt schneller und kräftiger, damit der Blutdruck trotz der erweiterten Hautgefäße stabil bleiben kann. Das Schwitzen treibt auch Wasser und Elektrolyte aus dem Körper – hier in erster Linie Kochsalz. Damit kann das Blutvolumen sinken. Weil der Körper zwar kurzfristig für die genannten Prozesse mehr Energie braucht, sich aber eigentlich schonen will, um die zusätzliche Produktion von Wärme im Körperinneren zu vermeiden, fühlen sich viele, auch gesunde Menschen bei großer Hitze schlapp, sie haben weniger Hunger und können körperlich weniger leisten. Diesen Schutzsignalen des Körpers folgt man am besten. Südländer wissen es mit ihrer Siesta in der heißen Mittagszeit bereits seit über 2000 Jahren.
Während gesunde Menschen mit den genannten physiologischen Mechanismen und körperlicher Schonung verbunden mit reichlichem Trinken und leichter Kost gut durch Hitzeperioden kommen, kann die Wärme bei Menschen mit arterieller Hypertonie, Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit oder Arrythmien gefährliche Effekte haben. Denn durch die erweiterten Blutgefäße steigt das Risiko für Kreislaufprobleme, verbunden mit Schwindel und Synkopen als plötzlich auftretende, kurzzeitige Bewusstlosigkeiten durch eine Minderdurchblutung des Gehirns. Beides, Schwindel und Synkopen, erhöht die Sturzgefahr.
PTA können gefärdeten Menschen raten, über den Tag verteilt in kleineren Portionen immer wieder Wasser oder Tee zu trinken. Aus dem Sitzen oder Liegen sollten sie langsam aufstehen, damit der Kreislauf Zeit hat, sich anzupassen. Empfehlenswert sind kühle Räume, der Einsatz von Ventilatoren und das wiederholte Kühlen der Unterarme mit kaltem Leitungswasser. Alkohol weitet die Blutgefäße zusätzlich und fördert Schwindel und Synkopen. Wer weiß, dass die Hitze den eigenen Kreislauf schwächt, sollte zudem Warnsignale wie Schwindel, Benommenheit, Schwäche, kalten Schweiß und Sehstörungen ernst nehmen. Dann am besten direkt hinsetzen oder, noch besser, hinlegen und die Beine hochlagern.