| Isabel Weinert |
| 23.07.2026 14:00 Uhr |
JC-Polyomaviren können bei Menschen mit starker Immunschwäche eine tödlich verlaufende Gehirnentzündung auslösen. / © Adobe Stock/New Africa
Aus der Familie der Polyomaviren haben sich Forschende der Universität Tübingen, der Brown University, USA, und des Universitätsspitals Zürich dem JC-Virus (JCPyV) gewidmet, denn dieses kann bei starker Immunschwäche die tödliche Gehirnerkrankung PML (Progressive Multifokale Leukoenzephalopathie) verursachen. Das internationale Forscherteam unter der Leitung von Professor Thilo Stehle vom Interfakultären Institut für Biochemie der Universität Tübingen identifizierte laut Pressemitteilung der Universität Bindungsstellen für neutralisierende Antikörper auf der Hülle der Viren.
Durch JC-Viren an PML erkranken – diese Gefahr droht Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem. Doch einige Betroffene haben die Infektion überlebt. Was lief bei ihnen anders? »Ihr Körper schafft es, die angreifenden JC-Polyomaviren zu neutralisieren, sodass sie nicht länger in die Körperzellen eindringen können und die Infektion gestoppt wird«, sagt Stehle in der Mitteilung. Dazu nutzt das Immunsystem passgenau selbst produzierte Antikörper, die die Bindungsstellen auf den Virushüllen besetzen, die diese eigentlich brauchen, um an Körperzellen anzudocken und sie infizieren zu können.
Die Polyomaviren verändern jedoch die Bindungsstellen durch Mutationen, sodass die Antikörper wirkungslos werden. Die Forschenden schauten sich die genetischen Veränderungen und Mechanismen im Detail an. Ihre Erkenntnisse ermöglichen nun die Entwicklung von Antikörpern, die therapeutisch gegen die Infektion eingesetzt werden könnten, wie auch von Impfstoffen.