Rapsöl gilt unter Ernährungsexperten als gesund. Warum warnen dennoch viele Influencer davor? / © Adobe Stock/PhotoSG
Experten bewerten Rapsöl seit Jahren anhaltend positiv – manche Influencer warnen dennoch davor. Einer von ihnen verbreitete gerade erst: »Rapsöl vergiftet dich!«. Andere warnen vor industrieller Verarbeitung oder gar Krebs. »Die wissenschaftlichen Empfehlungen fallen deutlich anders aus als viele Diskussionen in sozialen Netzwerken«, sagt Matthias Riedl, Ernährungsmediziner und ärztlicher Leiter des Medicum Hamburg.
Panikmache in sozialen Medien dient vor allem dazu, mit fesselnden Schocknachrichten Reichweite zu generieren. Zuspitzung und Verunsicherung funktionierten in sozialen Medien oft besser als differenzierte Einordnung, erklärt Hans Hauner, Seniorprofessor für Ernährungsmedizin bei der Else Kröner-Fresenius-Stiftung an der TU München. »In sozialen Medien geht es meist nicht um wissenschaftliche Fakten, sondern um Aufmerksamkeit und Klicks.«
Beispiele zu kursierenden Behauptungen – und was Experten dazu sagen:
»Rapsöl ist ein ausgezeichnetes Speiseöl«, sagt Ernährungsmediziner Hauner. Es enthalte viele einfach ungesättigte Fettsäuren und Vitamin E. »Damit ist es im Prinzip sogar etwas besser als Olivenöl und dabei deutlich günstiger«, sagt Hauner.
»Bei der Debatte um Rapsöl sollte man auch fragen, was die Alternative zum Braten ist«, ergänzt Riedl. Häufig seien das Butter oder Kokosfett – beide enthielten deutlich mehr gesättigte Fettsäuren. Auch die DGE bewertet Kokosfett und tierische Schmalze wegen ihres hohen Anteils gesättigter Fettsäuren eher ungünstig.
Margarine auf Basis pflanzlicher Öle wird von der DGE dagegen eher empfohlen, zudem neben Rapsöl auch Oliven-, Walnuss-, Lein- und Sojaöl als pflanzliche Fettquellen. Wer generell weniger Fett verwenden möchte, kann Speisen in Heißluftfritteusen (Airfryer) zubereiten, bei denen oft nur wenig oder gar kein zusätzliches Öl nötig ist.
Grundsätzlich gilt aus Sicht von Fachgesellschaften jedoch nicht der völlige Verzicht auf Fett als Ziel, sondern vor allem die Wahl günstiger Quellen und eine maßvolle Verwendung. Neben gesundheitlichen Aspekten spielt im Alltag zudem auch der praktische Nutzen eine Rolle: Raffiniertes Rapsöl ist hitzestabil und vielseitig einsetzbar. Nur starkes oder wiederholtes Erhitzen sei – wie bei vielen anderen Ölen und Fetten – nicht zu empfehlen, erklärt Riedl. Dabei könnten unerwünschte Stoffe wie sogenannte Aldehyde entstehen.