So ist es richtig: In natürlichen Gewässern nur mit Schwimmbrille den Kopf untertauchen. / © Getty Images/Imgorthand
Kontaktlinsenträger haben ein bis zu 80-fach erhöhtes Risiko für eine mikrobiell bedingte Hornhautentzündung im Vergleich zu Menschen, die keine Haftschalen nutzen. »Wenn die Linsen dauerhaft, also etwa auch nachts, getragen werden, steigt die Infektionsgefahr weiter an. Dann entwickelt einer von 500 Kontaktlinsenträgern eine schwere Hornhautentzündung«, verdeutlichte Professor Dr. Gerd Geerling bei einer digitalen Pressekonferenz der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft.
Dabei geht von den sogenannten Akanthamöben das größte Infektionsrisiko aus. Diese Amöbenart ist in Gewässern jedweder Art – so auch in Leitungswasser – allgegenwärtig. Mehr als 80 Prozent der Menschen, die eine Akanthamöben-Keratitis bekommen, tragen weiche Kontaktlinsen. Das sei kein Zufall, erklärte der Augenarzt. »Zum einen lockern moderne weiche Linsen trotz ihrer erhöhten Sauerstoffdurchlässigkeit die Hornhautepithelzellen auf; das macht die Hornhaut besonders anfällig für Mikroläsionen. Parasiten können leichter in sie eindringen. Zum anderen bleiben die Amöben auf der hydrophilen Linsenoberfläche besonders gut haften.«
Jährlich erleiden rund 13.000 Menschen eine solche Akanthamöben-Keratitis. Dabei steigt die Inzidenz besonders in den Sommermonaten – weil diese mit erhöhter Wasserexposition assoziiert sind. Deshalb sollten Kontaktlinsenträger niemals mit ihren Sehhilfen in natürlichen Gewässern schwimmen gehen. Akanthamöben lauerten auch im Hausteich. »Wenn doch, dann nicht untertauchen und dabei womöglich noch die Augen unter Wasser öffnen, ohne eine festsitzende Taucherbrille zu tragen«, so lautet Geerlings dringende Empfehlung.
»Hauptrisikofaktoren für die Keratitis sind aber neben dem Kontakt mit Süßwasser vor allem auch die zu lange Tragedauer der Linsen und mangelnde Hygiene«, berichtete der Pressesprecher der Stiftung Auge. Nach dem Schwimmen im See oder Pool lege man die Linsen für gewöhnlich nicht ab und dusche gar mit den Linsen im geschlossenen Auge. Zudem seien die Aufbewahrungsbehältnisse regelmäßig zu wechseln und die dafür vorgesehenen Flüssigkeiten zu verwenden.
Der Augenarzt sprach sich dafür aus, die Tragezeit von Kontaktlinsen vor allem im Sommer so kurz wie möglich zu halten. Erhöhte Umgebungstemperaturen und trockene Sommerluft – wie in klimatisierten Innenräumen und Flugzeugen – beschleunigten ohnehin die Verdunstung des Tränenfilms und reizten damit das Auge zusätzlich.
»Wir wissen, dass längerfristiges Tragen die Hornhautsensibilität reduziert, sodass mechanische Reize und frühe Infektionszeichen von den Betroffenen nicht oder erst verspätet wahrgenommen werden. Die Patienten empfinden ihre Linsen als eine Art Verband, der schmerzlindernd wirkt. Das verzögert aber die Diagnosestellung«, warnte Geerling. Deshalb sein Tipp: Wer Kontaktlinsen trägt und nach einem Badeausflug ein unangenehmes Gefühl im Auge hat, sollte nicht zögern und sich sofort in augenärztliche Behandlung begeben.
Eine Akanthamöben-Infektion macht sich durch ein verschlechtertes Sehvermögen, ausgeprägte Lichtscheu sowie teils auffällig starke Schmerzen bemerkbar. Nach kurzer Zeit zeige sich eine entzündliche, ringförmige Trübung in der Hornhaut. Rechtzeitig diagnostiziert und konsequent behandelt, heilt sie folgenlos ab. Wird die Therapie dagegen verzögert, könne es zu dauerhaften Narben, irreversibler Sehverschlechterung und in schweren Fällen zur Notwendigkeit einer Hornhauttransplantation kommen, machte Geerling klar.