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Für die Zahnarztpraxis
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Lokalanästhetische Macrogolsalbe herstellen

Zum Zahnarzt müssen, das reicht vielen Kindern schon – und dann auch noch eine Spritze bekommen? Da gruselt es manche noch mal so viel. Mit einer Salbe, die lokalanästhetisch wirkt, kann man den Kindern helfen.
AutorKontaktAndreas Melhorn
Datum 13.05.2026  12:00 Uhr

Ein Zahnarzt hat von einer Macrogolsalbe mit Benzocain gehört, die vor Verabreichung einer Spritze zur Betäubung der Einstichstelle angewendet werden kann. Da er viele Kinder behandelt, die Angst vor Spritzen haben, möchte er ihnen die Behandlung erleichtern. Da es kein entsprechendes Fertigarzneimittel gibt, bittet der Zahnarzt darum, eine Rezeptur zu nennen, die er bestellen kann.

Seine Rezepturanfrage zu Beginn: »Benzocain-Macrogol-Salbe zur Lokalanästhesie im Mund«

PTA Gabi Galenik nimmt sich der Anfrage an und fängt an zu recherchieren. Macrogole oder Polyethylenglykole (PEG) sind Polymergemische, die nach ihrer Kettenlänge klassifiziert werden. Der Typ wird durch eine Nummer angegeben, die sich auf die mittlere Kettenlänge des jeweiligen Polymers bezieht. Macrogole können für verschiedene Zwecke eingesetzt werden.

Die Macrogole 3350 und 4000 werden beispielsweise als Laxantien oder zur Darmspülung beziehungsweise -reinigung eingesetzt und zu diesem Zweck als Lösungen getrunken. In der Apotheke finden Macrogole meist als Hilfsstoffe Anwendung, zum Beispiel als Zäpfchengrundmassen oder wassermischbare Salbengrundlagen. Die Polymere sind entweder mit Wasser mischbar oder darin löslich.

Kurzkettige Macrogole vom Typ 200 bis 600 sind hygroskopisch und flüssig. Mit zunehmender Kettenlänge nimmt die Hygroskopizität ab und die Festigkeit zu. Macrogol 1000 ist bereits fest. Durch Mischen mehrerer Macrogole unterschiedlicher Kettenlängen lassen sich Salben und Zäpfchenmassen mit der gewünschten Konsistenz herstellen.

Bitteren Geschmack und Schleimhautreizung berücksichtigen

Bei Anwendung auf der Schleimhaut – wie vom Zahnarzt beabsichtigt – müssen gegebenenfalls der bittere Geschmack und die Hygroskopizität der kurzkettigen PEGs bedacht werden. Letztere kann die Mundschleimhaut reizen. Da alle Macrogole zur Autooxidation und teilweise zur Peroxidbildung neigen, muss der Zubereitung unter Umständen ein Stabilisator zugesetzt werden.

Benzocain ist ein Lokalanästhetikum, das unter anderem auf der Schleimhaut im Mund eingesetzt werden kann. PTA Gabi Galenik findet im Rezepturenfinder auf der Website des DAC/NRF eine entsprechende Salbe mit 8 Prozent Benzocain. Himbeeraroma und Süßstoff sollen den bitteren Geschmack überdecken. Der beigefügte Kommentar zur Rezepturformel ist aber wenig vielversprechend. Die Zusammensetzung wird zwar in Broschüren für Zahnärzte beworben, doch das DAC/NRF beschreibt, dass die Salbe recht dünnflüssig ist und schlägt vor, die Menge des längerkettigen Macrogols zulasten des kürzerkettigen zu erhöhen. Aroma und Süßstoff sind in Mengen zugesetzt, die weit über den Herstellerangaben liegen.

Besser Lidocain als Benzocain

Der Rezepturhinweis erwähnt außerdem das allergene Potenzial von Benzocain und schlägt vor, auf Lidocain auszuweichen. Im Rezepturhinweis von Benzocain findet Gabi entsprechende Informationen. Auch wenn sich die Literaturstellen nicht vollständig einig sind, wird ein allergenes Potenzial beschrieben. Bei Kleinkindern ist Benzocain kontraindiziert.

Der Wirkstoff Lidocain als mögliche Alternative zu Benzocain hat laut Rezepturhinweis »Lidocain« auf der Website des DAC/NRF ein geringeres allergenes Potenzial. Die Resorption muss bedacht werden, wenn der Wirkstoff hoch konzentriert und auf großen Hautflächen eingesetzt wird. In entsprechenden Zahnungsgelen, die es als Fertigprodukt gibt, wird Lidocain bereits bei zahnenden Kindern eingesetzt.

Treffer im DAC/NRF-Rezepturenfinder

Der Rezepturhinweis verweist auf entsprechende Macrogolsalben und verlinkt eine Rezepturformel im Rezepturenfinder des DAC/NRF, die für die Anwendung auf der Mundschleimhaut gedacht ist. Diese Salbe enthält ein anderes Verhältnis von Macrogol 400 und Macrogol 4000, 2 Prozent Lidocain und weniger Aroma und Saccharin-Natrium. Laut Kommentar zum Eintrag ist die Salbe auf Praktikabilität überprüft worden und nicht mikrobiell anfällig. Die Stabilität wurde allerdings nicht untersucht, weshalb die Aufbrauchsfrist auf 4 Wochen begrenzt werden soll. Das erscheint Gabi für eine Anwendung in der Zahnarztpraxis etwas kurz, aber die gewünschte Benzocain-Salbe hätte die gleiche Aufbrauchsfrist.

Gabi bespricht ihr Ergebnis mit der diensthabenden Apothekerin und gibt der Zahnarztpraxis die entsprechende Rückmeldung. Diese ist mit der Lidocain-Salbe einverstanden und bittet darum, eine kleine Menge zur Probe herzustellen. Die entsprechende Verordnung sendet sie der Apotheke zu.

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