| Caroline Wendt |
| 20.05.2026 16:00 Uhr |
Anders verhält es sich bei der X-chromosomalen Ichthyose, die nahezu ausschließlich bei Männern auftritt. Die zugrunde liegende genetische Veränderung liegt – wie der Name vermuten lässt – auf dem X-Chromosom. Frauen können die Mutation meist durch ihr zweites, nicht betroffenes X-Chromosom ausgleichen und sind daher häufig lediglich Anlageträgerinnen.
Mit einer Häufigkeit von etwa 1:4000 ist die X-chromosomale Ichthyose nach der Ichthyosis vulgaris die zweithäufigste Ichthyose-Form. Anfangs ähnelt das Hautbild häufig dem der Ichthyosis vulgaris. Im weiteren Verlauf entwickelt sich jedoch eine dunklere und stärker haftende Schuppung. Typisch sind schmutzig-graue bis bräunliche, grobe und fest anhaftende Schuppen. Im Gegensatz zur Ichthyosis vulgaris fehlt die typische Ichthyose-Hand.
Unabhängig von der jeweiligen Form gilt, dass keine kausale Therapie möglich ist. Umso wichtiger ist eine konsequente, individuell angepasste Hautpflege, bei deren Auswahl Apothekenteams eine zentrale Rolle spielen.
Ziel der Behandlung ist es, die Schuppung zu reduzieren und die Haut langfristig geschmeidig zu halten. Dafür ist eine tägliche, lebenslange Basispflege erforderlich. Pflegepräparate sollten ein- bis zweimal täglich sowie nach jedem Duschen oder Baden angewendet werden, um die Haut ausreichend mit Feuchtigkeit und Lipiden zu versorgen und die Barrierefunktion zu stabilisieren. Geeignet sind möglichst reizfreie Produkte für empfindliche Haut, idealerweise frei von Duftstoffen. Durch eine optimierte Therapie lassen sich Hautzustand und Lebensqualität häufig deutlich verbessern, heißt es in der S1-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Ichthyosen des Netzwerks für Ichthyosen und verwandte Verhornungsstörungen (NIRK).
Keratolytische und feuchtigkeitsbindende Inhaltsstoffe wie Harnstoff (Urea) unterstützen das Ablösen von Schuppen und können der Entstehung von Rhagaden entgegenwirken. Urea wirkt hydratisierend, barrierestabilisierend und leicht antimikrobiell. Zudem fördert der Wirkstoff die Abschuppung verhornter Hautareale, glättet die Hautoberfläche und kann die Penetration weiterer Wirkstoffe verbessern. Gängig sind Harnstoffzubereitungen in Konzentrationen von 5 bis 10 Prozent, etwa in urea-haltigen Lotionen oder Salben (zum Beispiel Eucerin® UreaRepair Plus Lotion 10 % oder Dermasence® Urea Akut 10 %). Und auch das Neue Rezeptur-Formularium (NRF) hält hier einige Vorschriften bereit, etwa die Hydrophile Harnstoff-Creme 5 % / 10 % (NRF 11.71.) oder die Harnstoff-Wollwachsalkoholcreme 5 % / 10 % (NRF 11.74.).
Bei Kindern sollte Urea aufgrund möglicher Irritationen und Brennen erst ab dem zweiten Lebensjahr angewendet werden, da die kindliche Haut empfindlicher reagiert. Für diese Altersgruppe kommen stattdessen Zubereitungen mit Glycerin infrage. Glycerin verbessert die Hydratation der Hornschicht und unterstützt dadurch die natürliche Abschuppung der Hornzellen.
Glycerin kann in Konzentrationen von 5 bis 10 Prozent in O/W-Grundlagen sowie amphiphile Cremes eingearbeitet werden, beispielsweise in Nichtionische hydrophile Creme SR DAC (NRF S.26.) oder Hydrophobe Basiscreme DAC (NRF S.41.). Zudem ist der Wirkstoff in verschiedenen Fertigpräparaten enthalten (etwa in Sanacutan® Basiscreme oder Dermifant® Kinderlotion Repair).