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Krankenhausaufenthalte ausgewertet
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Mehr Vergiftungen und Psychosen durch Cannabis

Die Teil-Legalisierung hat Folgen: Seit der Freigabe steigt die Zahl der Vergiftungen und Psychosen durch Cannabis. Forscher meinen: Der illegale Straßenhandel ist daran wohl nicht schuld.
AutorKontaktdpa
Datum 27.07.2026  10:00 Uhr

Zwei Jahre nach der Freigabe von Cannabis für Erwachsene werden in Deutschland mehr Menschen wegen der Droge im Krankenhaus behandelt. Nach einer Studie von Forschern aus Hamburg und Leipzig gab es seit der Gesetzesänderung sowohl mehr akute Cannabisvergiftungen als auch mehr dadurch ausgelöste Psychosen. Der Anstieg sei allerdings moderat und liege im einstelligen Prozentbereich, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal »Deutsches Ärzteblatt International«.

Die Forscher diskutieren zwei mögliche Ursachen. Zum einen könnte die Legalisierung dazu geführt haben, dass mehr Menschen Cannabis ausprobierten. Weil weniger Strafen drohen, könnte die Hemmschwelle gesunken sein. Allerdings gebe es dafür bislang nur wenige wissenschaftliche Belege, auch Umfragen sprächen nicht dafür.

Wahrscheinlicher erscheint den Autoren eine andere Erklärung: Demnach könnten mehr Konsumentinnen und Konsumenten auf hochpotentes medizinisches Cannabis umgestiegen sein, das über Online-Apotheken erhältlich ist. Dieses sei inzwischen auch für den nichtmedizinischen Gebrauch leicht zugänglich.

Medizinalcannabis enthält mehr THC

Der THC-Gehalt von Cannabis auf Rezept liege deutlich höher als bei Ware aus dem illegalen Straßenhandel. Im Durchschnitt enthalte Medizinalcannabis 24 Prozent THC, während auf dem Schwarzmarkt etwa 15 Prozent üblich seien. THC ist der berauschend wirkende Hauptinhaltsstoff der Hanfpflanze.

»Da der Konsum von Cannabis mit mehr als 10 Prozent oder 15 Prozent THC mit einem erhöhten Risiko für psychische Probleme verbunden ist, kann der Umstieg auf Medizinalcannabis selbst für erfahrene Konsumierende sowie für Patientinnen und Patienten ein Risiko darstellen«, heißt es in der Studie.

Seit 2024 dürfen Erwachsene in Deutschland Cannabis legal besitzen und anbauen. Gleichzeitig wurde Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz gestrichen. Dadurch können Ärztinnen und Ärzte medizinisches Cannabis deutlich einfacher verschreiben.

Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler um Jakob Manthey vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und vom Universitätsklinikum Leipzig Daten von mehr als 70.000 Krankenhausaufnahmen aus. Im ersten Jahr nach Inkrafttreten der neuen Regelung wurden demnach 1.395 zusätzliche erwachsene Patientinnen und Patienten wegen Cannabis eingewiesen. Das entspreche einem Plus von sieben Prozent gegenüber einem Szenario ohne Legalisierung. Bei Jugendlichen registrierten die Forscher 91 zusätzliche Einweisungen, was einem Anstieg von 3,9 Prozent entspricht.

Experten warnen vor gesellschaftlichen Auswirkungen

Der Augsburger Psychiater Alkomiet Hasan, der nicht an der Studie beteiligt war, hält die Ergebnisse für bemerkenswert. »Selbst ein moderater Anstieg, wie hier beschrieben, hat immense gesellschaftliche Konsequenzen«, sagte er. Langfristig könnten einige Fälle in schwere psychische Erkrankungen übergehen, etwa Schizophrenie. Auch das Suizidrisiko könne steigen. »Das ist relevant.«

Schon vor der Teil-Legalisierung hatten Fachleute vor einer möglichen Zunahme von Psychosen gewarnt. Menschen mit Psychosen hörten häufig Stimmen oder litten unter Wahngedanken, erläuterte der Berliner Psychiater Stefan Gutwinski von der Charité. Diese Symptome seien für Betroffene oft sehr belastend und angstauslösend.

Zusammenhang plausibel

Die Autoren der aktuellen Studie weisen zugleich auf mögliche Verzerrungen hin. So könnten Ärztinnen und Ärzte aufgrund der öffentlichen Debatte häufiger nach Cannabiskonsum fragen und diesen bei Diagnosen stärker berücksichtigen. Zudem könnten Betroffene eher medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, weil sie weniger Angst vor Stigmatisierung hätten.

Hasan hält dennoch einen Zusammenhang mit dem verstärkten Konsum von Medizinalcannabis für plausibel. Aus seiner Sicht sollten daraus Konsequenzen gezogen werden, um die Nutzung von Medizinalcannabis zu Freizeitzwecken einzudämmen.

Eine im April veröffentlichte Evaluation des Cannabisgesetzes kam zu dem Ergebnis, dass Deutschland inzwischen über den größten prinzipiell legal-kommerziellen Markt für medizinisches Cannabis in Europa verfügt. Im Jahr 2025 wurden demnach 200 Tonnen medizinisches Cannabis legal eingeführt, fast dreimal so viel wie im Vorjahr. Das Bundeskabinett hat inzwischen strengere Regeln für den Zugang zu medizinischem Cannabis auf den Weg gebracht.

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