| Verena Schmidt |
| 04.09.2026 16:00 Uhr |
Leiden Kinder täglich unter migräneartigen Kopfschmerzen, könnte womöglich auch eine bestimmte Form der Epilepsie dahinterstecken. / © Getty Images/StockPlanets
Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, die zum Teil mit Übelkeit, Erbrechen sowie einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht oder Geräuschen einhergehen. Solche Beschwerden könnten jedoch auch Ausdruck einer bestimmten gutartigen fokalen Epilepsieform sein, und zwar der selbstlimitierenden Epilepsie mit autonomen Anfällen (SeLEAS; früher auch Panayiotopoulos-Syndrom genannt), heißt es in einer Pressemitteilung der UMG.
Bei dieser Krankheitsform stünden nicht klassische Krampfanfälle im Vordergrund, sondern vielmehr Störungen des vegetativen Nervensystems, die sich unter anderem durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blässe oder Schweißausbrüche äußern. Das Krankheitsbild sei einer Migräne so ähnlich, dass eine Unterscheidung allein anhand der geschilderten Symptome meist kaum möglich sei, heißt es in der Meldung.
Im Rahmen einer Studie haben die Forschenden am UMG Daten von 186 Kindern im Alter von drei bis 14 Jahren ausgewertet, die mit der Diagnose Migräne oder Kopfschmerzen an die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG kamen. Insgesamt erhielten dann 35 Kinder (18,8 Prozent) eine mögliche, wahrscheinliche oder gesicherte SeLEAS-Diagnose. Bei zwölf Kindern (6,5 Prozent) konnte diese Epilepsieform eindeutig diagnostiziert werden, schreiben die Studienautoren im Journal »Neurology Clinical Practice«.
»Mit unserer Studie konnten wir erstmals zeigen, dass sich häufiger als bislang angenommen hinter vermeintlichen Migräneattacken bei Kindern tatsächlich eine gutartige Epilepsie verbirgt«, sagt Professor Dr. Knut Brockmann, Oberarzt in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG, laut der Pressemitteilung der Klinik. Diese Erkenntnis sei für die betroffenen Kinder von großer Bedeutung, denn im Gegensatz zu einer Migräne lasse sich diese Epilepsie in der Regel sehr gut behandeln. Zudem sind die Aussichten gut: Die Krankheit heilt bei fast allen Kindern nach der Pubertät von selbst aus.
Wenn die Beschwerden sowohl zu einer Migräne als auch zu einer SeLEAS passen, sollte die Möglichkeit einer Epilepsie konsequent mitgedacht werden, so Brockmann. Ein EEG könne frühzeitig zur richtigen Diagnose führen.