| Barbara Döring |
| 23.03.2026 12:00 Uhr |
Auch mit kleinen Kindern sind Fernreisen möglich, wenn Eltern den gesundheitlichen Schutz im Blick haben. / © Adobe Stock/Halfpoint
Trotz Krisen, Kriegen und unsicheren Zeiten – die Freude am Reisen ist in Deutschland ungebrochen. Viele Familien wählen heute auch mit kleinen Kindern Reiseziele außerhalb Europas oder des Mittelmeerraums, zum Teil für längere Aufenthalte in der Elternzeit.
Ob Afrika, Asien oder Süd- und Mittelamerika – für Kinder bestehen dabei besondere gesundheitliche Risiken. Sind solche Reisen mit kleinen Kindern dennoch zu vertreten? Prinzipiell könnten Kinder mit kleinen Einschränkungen überall mit hinreisen, wenn die Eltern gut vorbereitet sind und ihre Kinder mit einbeziehen, sagte Dr. Markus Frühwein, Facharzt für Allgemeinmedizin, Reisemedizin, Tropenmedizin und Ernährungsmedizin auf einer Online-Pressekonferenz des Centrums für Reisemedizin (CRM).
Viele Menschen seien der Meinung, die größten Risiken für Kinder auf Reisen seien exotische Erkrankungen. Dagegen zeigen Studien, dass Durchfall-, Haut- sowie fieberhafte Erkrankungen und grippale Infekte, die teilweise auch im Heimatland drohen, überwiegen. Schwere Verläufe sind laut Frühwein zwar selten, der Vizepräsident der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) gab jedoch zu bedenken, dass die medizinische Versorgung im Urlaubsland sehr schlecht sein kann.
Infektionskrankheiten seien zudem nicht das größte Problem. Das Hauptrisiko seien Verkehrsunfälle, die 50 bis 60 Prozent der Todesfälle bei Reisenden ausmachten. Während man dazu erst im Reiseland Sicherheitsvorkehrungen treffen könnte, sich etwa im Auto anschnallen und auf gute Reifen achten, sei bei Infektionskrankheiten teils eine sehr gute Prävention bereits zu Hause möglich.
Als besonders gefährliche Infektionskrankheit für Kinder nannte Frühwein die Malaria. Von den weltweit 600.000 Todesfällen sind zu 75 Prozent Kinder unter fünf Jahren betroffen. Kinder entwickeln häufig eine zerebrale Malaria mit Krampfanfällen, erhöhtem Hirndruck bis hin zu neurologischen Folgeschäden. Durch die Übersäuerung des Blutes, die bei Malaria entsteht, wird zudem die schützende Surfactant-Schicht in der bei kleinen Kindern noch unreifen Lunge inaktiviert. In der Folge können Lungenbläschen kollabieren und es droht ein Atemnotsyndrom.
Wer mit Kindern in ein Malariagebiet reisen will, müsse bei der Malariaprophylaxe konsequent sein, mahnte Frühwein. Die Medikamente müssen regelmäßig und – wie beim jeweiligen Präparat vorgesehen – bereits vor und bis nach der Rückkehr aus dem Malariagebiet eingenommen werden. Eine Prophylaxe sei ab 10 kg Körpergewicht möglich.
Zusätzlich sei Mückenschutz entscheidend, der außerdem vor dem Denguefieber, Chikungunya und vielen anderen, von Mücken übertragenen Krankheiten schützt.
Das beste Mittel, um einer Infektion vorzubeugen, ohne im Urlaubsland aktiv werden zu müssen, seien Impfungen. Dabei ginge es nicht nur um Reiseimpfungen. Die Grundlage dafür seien Standardimpfungen, die jeder in Deutschland haben sollte, wie Frühwein betonte.
Für Kinder und Jugendliche sollte man jeden Impfschutz nutzen, den man geben könne, so auch die Impfung gegen Meningokokken und das humane Papillomavirus (HPV). Letztere wird für Kinder ab neun Jahren empfohlen. Altersadaptiert könnten ansonsten fast alle Impfungen schon bei Kleinkindern verabreicht werden. Als spätere Impfungen nannte der Reisemediziner jene gegen Denguefieber mit vier Jahren oder Chikungunya mit zwölf Jahren.
Reisende sollten sich zudem grundsätzlich überlegen, sich gegen Influenza impfen zu lassen, weil es nicht nur in Deutschland eine sehr häufige Infektion sei, empfahl Professor Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM und Medizinischer Leiter des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin (BCRT). Durch Tröpfchen übertragene Infektionen würden auch auf Reisen eine Rolle spielen, vor allem bei Aufenthalten in umschlossenen Räumen wie auf Kreuzfahrtschiffen.
Schwer zu verstehen sei zudem, warum die Impfquote gegen die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) unerfreulich schlecht sei. Nicht nur auf Reisen sollte die Impfung als guter Schutz genutzt werden.
Eltern seien inzwischen besser sensibilisiert, dass Kinder durch Sonne besonders gefährdet sind, sagte Frühwein. Wichtig sei es, die richtigen Produkte zu empfehlen, die stabil und auch für die Haut von Kindern geeignet sind. Mückenschutz sollte 10 bis 15 oder besser 20 Minuten nach dem Sonnenschutz aufgetragen werden. Das sei zwar nervig, aber gerade bei Kindern wichtig. Auch der Hinweis, dass Mückenschutz nicht wasserfest ist, sollte Eltern mit auf den Weg gegeben werden. Sinnvoll sei zudem Kleidungsschutz mit Icaridin, der häufiger aufgetragen werden muss.
Neben all den Risiken betonte Frühwein die positiven Effekte, die Reisen für Kinder haben. Auf Reisen können sie in der Praxis lernen, deutlich mehr als zu Hause. Ausnahmen sind für den Mediziner, der selbst mit zwei kleinen Jungs auch Fernreisen macht, Reisen mit kleinen Kindern in Malaria-Risikogebiete. Auch Urlaub in Krisengebieten müsse nicht sein.
Eltern sollten sich zudem nicht allein auf Checklisten für die Reiseapotheke verlassen, sondern die Prävention speziell auf ihr Kind ausrichten: Wie schwer ist es, wie groß, wie aktiv? Wie gut kann es bereits Hygienemaßnahmen einhalten? Welche Risiken bestehen im Land, welche Aktivitäten sind geplant? »Mit Kindern kann man fast alles machen«, so Frühwein, »man muss es nur vorbereiten, dann funktioniert das Ganze auch.«
Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für eine Tollwutinfektion gering ist, empfiehlt Jelinek die Impfung vor Reisen in Endemiegebiete – vor allem bei Langzeitreisen, Abenteuerurlauben oder möglichem Tierkontakt, denn eine Infektion verläuft immer tödlich. Gut zu wissen: Nach einem Biss oder Kratzer muss erneut zweimal geimpft werden, um schnell eine ausreichende Immunantwort zu induzieren und damit eine Erkrankung zu verhindern. Ungeimpfte erhalten neben der Impfung gegebenenfalls zusätzlich ein Tollwut-Immunglobulin.
Wegen der weltweit geringen Fallzahl von 60.000 Todesfällen denkt manch einer, es würde ihn nicht treffen. Jelinek erlebt jedoch viel Aufregung bei Reisenden, wenn sie Tierkontakt hatten. Auch sind Kinder Hochrisikopersonen. Sie würden Tiere mit Fell mögen und gerne mit ihnen spielen; die Tiere würden es aber nicht mögen, von Kindern am Schwanz gezogen zu werden.
Fast immer geht die Erkrankung, die durch das Rabiesvirus (RABV) ausgelöst wird und sich durch übermäßigen Speichelfluss, Aggression, Krämpfe und krankhafte Wasserscheu bemerkbar macht, auf den Kontakt mit infizierten Hunden zurück. Auch unter anderem Fledermäuse, Füchse, Katzen oder Waschbären können das Virus in sich tragen. Die Inkubationszeit ist sehr unterschiedlich und beträgt durchschnittlich zwei bis drei Monate, selten nur wenige Tage oder mehrere Jahre.
Nach einem Tierbiss oder -kratzer sei die Reise für Betroffene oft ruiniert, weil in vielen Ländern Impfstoffe und Immunglobuline nicht schnell und zuverlässig erhältlich seien, so Jelinek. Die Tollwutimpfung habe immer noch das Image, anstrengend und gefährlich zu sein, sagte der Experte. Dabei seien moderne und sichere Impfstoffe gegen Tollwut seit Langem etabliert.
Laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) besteht die Grundimmunisierung gegen Tollwut aus drei Impfstoffdosen an den Tagen 0, 7, 21 oder 28 (Rabipur® oder Verorab®). Die Impfung kann bereits ab dem ersten Lebenstag gegeben werden. Ein Alternativschema sieht nur die ersten beiden Impfdosen vor.