| Barbara Döring |
| 09.09.2026 16:00 Uhr |
Je länger und häufiger die Mutter ihren Säugling stillt, umso eher könnte sie damit der Entwicklung von ADHS-Symptomen vorbeugen. / © Getty Images/Galina Zhigalova
Einer norwegischen Studie zufolge könnte Stillen die Wahrscheinlichkeit senken, dass ein Kind im Vorschul- und Grundschulalter eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) entwickelt. »Je länger ein Kind ausschließlich gestillt wurde – bis zu sechs Monate –, desto geringer war die Ausprägung von ADHS-Symptomen im Alter von drei, fünf und acht Jahren«, erläutert die leitende Forscherin Dr. Berit Skretting Solberg von der Universität Bergen. Verantwortlich dafür könnten Nährstoffe aus der Muttermilch sein wie langkettige Fettsäuren oder Aminosäuren, die der Gehirnentwicklung zugutekommen.
Für die Studie werteten die Forschenden Daten von mehr als 37.600 Kindern aus, die für eine Langzeitstudie mit norwegischen Familien erhoben worden waren. Die Mütter hatten dafür angegeben, wie lange sie ihre Kinder ausschließlich gestillt hatten und ab wann ihre Babys andere Flüssigkeiten oder feste Nahrung erhalten hatten. Sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen nahm die Wahrscheinlichkeit für ADHS durch die Ernährung mit Muttermilch ab, wobei jede Form des Stillens vorteilhaft war. Der schützende Effekt nahm mit der Dauer und Häufigkeit des Stillens zu. Am besten waren Säuglinge geschützt, die bis zu sechs Monate ausschließlich Muttermilch bekommen hatten.
Genetische Faktoren schlossen die Wissenschaftler weitestgehend aus, indem sie familiäre Vorbelastungen mit ADHS berücksichtigten. Weitere Studien seien nötig, um den Zusammenhang zu bestätigen, auch außerhalb Norwegens. Zwar sei die Vererbung wahrscheinlich der stärkste Risikofaktor für ADHS. Bei der Ausprägung spielten jedoch mehrere Faktoren eine Rolle, sodass auch das Stillen dazu beitragen könnte, ADHS-Symptome zu vermeiden.