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Entwicklung von Antibiotika
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Neue Targets, alte Resistenzprobleme

Während sich Resistenzen weltweit rasend schnell verbreiten, sind neue Antibiotika rar. Bei der Neuentwicklung gibt es viele Hürden – die finanziellen Risiken sind hoch, die Chancen gering.
AutorKontaktAnna Carolin Antropov
Datum 13.08.2021  15:00 Uhr

Keine großen Fortschritte

Zwischen 2011 und 2020 kamen in Deutschland zwölf neue Antibiotika auf den Markt. Obwohl das zunächst positiv klingt, blieben die wichtigsten Problemkeime von den Neuheiten unbesiegt oder wurden nicht einmal adressiert. »Es waren alles mehr oder weniger Me-too-Präparate«, resümiert Holzgrabe. Das bedeutet, dass fast alle neuen Wirkstoffe Variationen bereits vorhandener Antibiotika darstellen. Bis auf wenige Ausnahmen wie Daptomycin und Linezolid brachten auch die vergangenen 20 Jahre keine großen Fortschritte. Außerdem dauerte es oft nur ein oder zwei Jahre, bis auch gegen sie erste Resistenzen auftraten.

Um dauerhaft gegen Infektionen gewappnet zu sein, müssen somit ausreichend viele Antibiotika mit neuartigen Wirkmechanismen entwickelt werden. Kein Wirkstoff bekämpft alle Keime. Wichtig für die Entwicklung sind die Fragen: Ist der Erreger grampositiv oder gramnegativ? Sitzen die Bakterien intrazellulär? Passiert der Wirkstoff die Blut-Hirn-Schranke? Kommt er überhaupt in ausreichender Konzentration im Zielgewebe an? Bestehen Resistenzen? Letztere können natürlicherweise vorhanden sein (primäre Resistenzen), oder durch Mutation sowie über Gentransfer erworben werden. Als natürlicher Überlebensmechanismus lässt sich die Resistenzbildung nicht ganz unterbinden, sondern allenfalls verlangsamen. »Die Kernfrage lautet also: Wie entwickelt man neue Wirkstoffe, die gegen resistente Bakterien wirken?«, fasst Holzgrabe die Herausforderung zusammen.

Immer mehr resistente Keime

Die meisten neuen Antibiotikaklassen wurden in den 1940er- bis 1960er-Jahren eingeführt. Danach kamen weitere wichtige Wirkstoffgruppen auf den Markt, etwa Makrolide, Carbapeneme sowie Fluorchinolone. Pharmakodynamik und -kinetik wurden meist so optimiert, dass zur Jahrtausendwende gut verträgliche Mittel gegen fast alle Infektionen bereitstanden.

Das beeinflusste jedoch nachhaltig die Antibiotikaforschung. Denn weitere Neuentwicklungen schienen zunächst überflüssig, ehe der häufige Einsatz sowohl bei Menschen als auch in der Tierzucht zu immer mehr resistenten Keimen führte. Plötzlich mussten sogenannte Reserveantibiotika her, die auch gegen multiresistente Keime wirken. Aus einem lukrativen Massenmarkt wurde eine Nische.

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