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Im Alter
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Plädoyer für mehr Leichtigkeit

Viele Menschen tragen ein »Päckchen« mit sich herum, gerade im höheren Lebensalter – sei es Verlust, Krankheit oder auch Einsamkeit. Bleibt da noch Raum für Leichtigkeit und Unbekümmertheit? Der Autor und Pädagoge Bertram Kasper sagt Ja und hat Tipps.
AutorKontaktdpa
Datum 27.04.2026  14:00 Uhr

Leichtigkeit ins Leben einziehen zu lassen fällt manchen Menschen leichter, manchen schwerer. »Das hat viel mit dem Blick auf sich selbst zu tun. Und auch damit, wie man auf Entwicklungen schaut, die das Alter mit sich bringt und die natürlich schwierig sein können«, sagt Bertram Kasper, Autor des Buches »Die größte Reise deines Lebens: Mit Gelassenheit älter werden«. 

Sein Ansatz: Altern als »ständige Akzeptanzübung« betrachten. Erkennt man die Realität an und schmiedet einen Plan, wie man das Beste daraus machen kann, passiert etwas Entscheidendes. Man bleibt nicht im inneren Widerstand, sondern lässt los. »Eine Voraussetzung für Leichtigkeit«, so Kasper, der sich selbst als Altersstratege bezeichnet.

Die »Ich-Integrität« üben

Manchmal raubt auch der Blick in die Vergangenheit die Chance auf Leichtigkeit, etwa, wenn das Gehirn endlose »Was wäre gewesen, wenn?«–Schleifen dreht. Hier kann das Konzept der »Ich-Integrität« des deutsch-amerikanischen Entwicklungspsychologen Erik Erikson (1902–1994) hilfreich sein.

Die »Ich-Integrität« beschreibt einen Zustand, in dem man wohlwollend auf sein Leben zurückschaut und zugleich anerkennt, dass Dinge nicht immer gut gelaufen sind. Kasper nennt ein Beispiel: »Man kann anerkennen, dass man nicht immer ein guter Vater war, weil man zu viel gearbeitet hat. Aber man macht sich klar: Ich habe mein Bestes gegeben.«

Akzeptieren, loslassen, nett zu sich selbst sein: All das hilft dabei, Leichtigkeit ins Leben einzuladen. Doch nicht jeder kann Muster, die sich über Jahrzehnte gefestigt haben, so einfach überwinden. Besteht ein Leidensdruck, ist psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll.

Doch was sind Tipps, mit denen man sofort beginnen kann? Leicht fühlt man sich vor allem in Augenblicken, in denen man präsent ist, der Kopf also nicht in Vergangenheit oder Zukunft hängt. Es folgen vier Ideen, die es erleichtern, im Hier und Jetzt zu sein:

1. Rituale bewusst erleben

Der Kaffee am Morgen auf dem Balkon, der kleine Spaziergang am Nachmittag: Wiederkehrende Rituale schulen, auf die Umgebung zu achten – und Veränderungen wahrzunehmen. Welche Vögel sitzen heute im Baum? Wie schmeckt mir der Kaffee oder Tee heute? Dadurch entsteht eine Präsenz im Moment.

2. Nichtstun üben

In vielen steckt der Glaubenssatz: Ich darf bloß nicht faul sein! Doch: »Nur wenn wir aufhören, ständig etwas erreichen zu wollen, kann Leichtigkeit überhaupt erst entstehen. Es geht nicht um ein Ziel oder Output«, sagt Kasper.

Die extreme Variante davon hat er sich für seinen eigenen Ruhestand vorgenommen: »Ich wollte lernen, einfach mal eine Weile in die Luft zu gucken.« Es geht also um ein zweckloses Dasein – für das es übrigens in den Niederlanden einen eigenen Begriff gibt: »niksen«.

3. Nach dem Flow suchen

Ob tanzen, stricken, schrauben, malen: Vergisst man bei einer Tätigkeit alles um sich herum und erst recht die Zeit, hat man einen Flow-Zustand erreicht. Auch der ist eng mit Leichtigkeit verbunden. »Ich konzentriere mich dann nämlich voll auf eine einzige Sache«, so Kasper.

Was für eine Sache das genau sein kann? Das lässt sich mit einem Blick in die eigene Kindheit herausfinden. Worin ist man damals stundenlang versunken? Diese Aktivität kann man sich nun – auch nach einer jahrzehntelangen Pause – wieder vornehmen.

4. Tanzen und bewegen

»Wenn sich Menschen so richtig leicht fühlen – egal in welchem Alter – fangen sie wieder an, zu hüpfen«, beobachtet Bertram Kasper. Wie ein Reh über eine Wiese zu springen, ist mit Arthrose und anderen Erkrankungen vielleicht nicht mehr möglich: Aber schwingende, tänzelnde Bewegungen und zu einem Lächeln hochgezogene Mundwinkel sind eine Option.

Bertram Kasper gibt daher den Impuls, mit dem eigenen Körper zu arbeiten – und ihn bewusst zu bewegen und aufzurichten. »Tanzen und Co. können Erinnerungen aktivieren an Momente voller Leichtigkeit in unserem Leben.«

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