| Johanna Hauser |
| 19.06.2026 10:00 Uhr |
Verbesserte Arzneimitteltherapiesicherheit: In den Knappschaft Kliniken in Bochum führen PTA bei der Aufnahme der Patienten eine umfassende Arzneimittelanamnese durch. / © Shutterstock/fizkes
Auch beim diesjährigen ADKA-Jahreskongress fand wieder ein Seminartag für Krankenhaus-PTA statt – von PTA für PTA. Die Vorträge befassten sich vor allem mit Möglichkeiten der Integration von PTA in die Stationsarbeit.
Sarah Klein aus der Zentralapotheke der Medius Klinik Ostfildern legte dar, welchen Beitrag PTA bei Stationsbegehungen leisten können. Risiken entstünden, so Klein, im Alltag. Stationsbegehungen böten die Chance, Fehler sichtbar zu machen. Dabei gehe es nicht nur um die Sound-alike-/Look-alike-Problematik, also Arzneimittel oder Wirkstoffe, die ähnlich klingen oder aussehen und daher leicht verwechselt werden können. Übersichtliche Lagerung, ordentliche Kennzeichnung, fehlende Materialien oder unklare Zuständigkeiten können Abläufe stören und letztlich die Arzneimitteltherapiesicherheit gefährden. PTA können Apotheker auf Station unterstützen, indem sie beispielsweise die Kontrolle dieser organisatorischen Dinge übernehmen. Auch könnten PTA Schulungen durchführen, ergänzte Klein.
Wichtig sei eine Kommunikation auf Augenhöhe, Verständnis und Respekt füreinander – auch unter den verschiedenen Berufsgruppen im Krankenhaus. Nur so könne eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gelingen, von der alle Akteure profitierten.
Über den erfolgreichen Einsatz von PTA in der Arzneimittelanamnese berichteten Beate Horch und Milena Krupka aus der Zentralapotheke der Knappschaft Kliniken in Bochum. Dort sei die Patientenaufnahme direkt mit einer Anamnese verknüpft, die pharmazeutisch-technische Assistenten durchführten.
Heike Schaaf von den Kliniken Ostalb führte die Teilnehmer durch die Seminare für PTA. / © Avoxa/Matthias Merz
Die Anamnese erfolgt anhand eines Leitfadens, der in allen Häusern verwendet wird. Sie beinhaltet verschreibungspflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel sowie Dauer- und Bedarfsmedikation. Im Zweifel wird Rücksprache mit Hausarzt oder Heim gehalten. Fokus und Ziel der Anamnese sind die Verbesserung der Arzneimitteltherapie: Die PTA erklärt dem Patienten den Grund des Gespräches und klärt dabei auch, ob dem Patienten der Anwendungsgrund seiner Medikamente bekannt ist.
Die Umstellung auf die Klinikmedikation erfolge dann entweder durch die PTA unter Aufsicht eines Apothekers oder direkt durch den Apotheker, erklärten die Referentinnen. Insgesamt führen PTA an sieben Standorten der Knappschaft Kliniken wöchentlich circa 250 Anamnesen durch.
Besondere Fort- oder Weiterbildungen seien nicht erforderlich, erläuterte Horch. Bisher hätten aber alle PTA, die Anamnesen durchführten, Vorerfahrung aus der Offizin. »Man muss richtig Lust darauf haben, der Mensch muss ins Modell passen«, ergänzte Krupka auf die Frage zu den Anforderungen.
Eine bestmögliche Arzneimittelanamnese ist unabdingbar. Das Ergebnis sollte ein möglichst vollständiger und korrekter Medikationsplan sein. Eine gut gemachte Arzneimittelanamnese sei aber auch ein wichtiger Faktor bei der Entlassung des Patienten. Denn eine solche Anamnese spare Zeit im Rahmen des Entlassmanagements.
PTA seien oft die Schnittstelle zwischen Arzt, Pflege und Krankenhausapotheke, unterstricchen die Referentinnen. Das Feedback in den Knappschaft Kliniken sei positiv, die Patienten fühlten sich verstanden und gut betreut. Auch Ärzte und Pflege bestätigen eine Entlastung in der täglichen Arbeit, eine Nachfrage nach einer Ausweitung auf andere Häuser liege vor.