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Schwangerschaft mit rheumatischer Erkrankung
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Risiken besser einschätzen

Eine Schwangerschaft ist für Frauen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen heute in der Regel gut möglich. Entscheidend sind eine stabile Krankheitskontrolle, geeignete Medikamente und eine frühzeitige Einschätzung des individuellen Risikos. Neue Studien liefern zudem Ansatzpunkte, um Patientinnen mit besonderen Risiken zukünftig besser betreuen zu können.
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 11.09.2026  12:40 Uhr

»Die gute Nachricht vorweg: Mit dem Wissensstand, den wir heute in der Rheumatologie haben, ist für die meisten Patientinnen eine unproblematische Schwangerschaft gut möglich«, betonte Dr. Isabell Haase Anfang September bei einer Online-Pressekonferenz im Vorfeld des Deutschen Rheumatologiekongresses 2026. Eine wesentliche Stellschraube sei hierbei die Krankheitskontrolle, so Haase, die Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ist.

Allerdings sei es der Impuls vieler Schwangerer, die Medikamente abzusetzen, weil sie dem Kind schaden könnten, und gleichzeitig mehr Beschwerden in dieser Zeit zu tolerieren. »Wir wissen aber aus vielen Studien, dass eine gut kontrollierte Erkrankung das Beste ist, was man tun kann, um das Risiko für Komplikationen für Mutter und Kind zu verringern«, sagte Haase. Erfreulicherweise könne man viele der bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen angewandten Medikamente auch in der Schwangerschaft einsetzen.

Nicht jedes Rheuma ist gleich, nicht jede Patientin ist gleich, betonte Haase – es gelte auch, individuelle Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und diese zu modifizieren. »Wichtig für eine erfolgreiche Schwangerschaft sind die drei Grundpfeiler: Krankheitskontrolle, geeignete Medikamente und individuelle Risikofaktoren«, so Haase. Die Schwangerschaften sollten also möglichst vorher geplant sein, die Patientinnen sollten beraten und hinsichtlich ihrer Risiken analysiert und eingestellt werden.

Autoantikörper stören Gerinnungssystem

In vielen Fällen könne man grünes Licht geben, es gebe jedoch auch einige Hochrisikosituationen, so die Medizinerin. Eine davon ist das Vorliegen eines Antiphospholipid-Syndroms (APS) bei der Mutter, das unter anderem gemeinsam mit einem systemischen Lupus erythematodes auftreten kann. Bei etwa 30 Prozent der Lupus-Patientinnen ließen sich APS-spezifische Autoantikörper nachweisen, die das Gerinnungssystem stören und somit das Risiko für Fehl- und Totgeburten, eine schwere Präeklampsie, eine unzureichende Versorgung des Kindes durch die Plazenta und dadurch auftretende Frühgeburten erhöhen.

Aktuell wird das APS mit gerinnungshemmenden Mitteln wie niedrig dosierter Acetylsalicylsäure und Heparin behandelt. »Das funktioniert oft gut, aber dennoch kommt es bei 40 bis 64 Prozent der Schwangeren zu schweren Komplikationen«, so die Rheumatologin. Im Rahmen der IMPACT-Studie, deren Ergebnisse im vergangenen Jahr in »Annals of the Rheumatic Diseases« veröffentlicht wurden, hatten US-amerikanische Mediziner einen neuen Ansatz untersucht, bei dem nicht nur gerinnungshemmend, sondern zusätzlich immunsuppressiv-antientzündlich therapiert wurde. 51 Schwangere mit Hochrisiko-APS und schweren Komplikationen in der Vorgeschichte bekamen im Rahmen der Studie zusätzlich zur Standardtherapie den TNF-alpha-Blocker Certolizumab pegol. Damit ließ sich eine deutliche Verbesserung erreichen: 93 Prozent der Neugeborenen überlebten bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus, sonst liege diese Rate je nach Untersuchung bei 30 bis 70 Prozent, berichtete Haase.

Aufgrund der geringen Studiengröße und des Fehlens einer randomisierten Kontrollgruppe seien die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren, betonte die Medizinerin. Certolizumab wurde zudem off-label eingesetzt, es ist nicht zur Behandlung eines APS in der Schwangerschaft zugelassen. Dennoch: Die Ergebnisse eröffneten erstmals eine konkrete zusätzliche Therapieperspektive für einzelne Hochrisikopatientinnen, bei denen die bisherige Standardbehandlung nicht ausreicht, so die Rheumatologin.

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