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Schwangerschaft mit rheumatischer Erkrankung
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Risiken besser einschätzen

Eine Schwangerschaft ist für Frauen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen heute in der Regel gut möglich. Entscheidend sind eine stabile Krankheitskontrolle, geeignete Medikamente und eine frühzeitige Einschätzung des individuellen Risikos. Neue Studien liefern zudem Ansatzpunkte, um Patientinnen mit besonderen Risiken zukünftig besser betreuen zu können.
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 11.09.2026  12:40 Uhr

AV-Block früher erkennen

Eine weitere Risikosituation, die Rheumatologen Sorgen bereitet, ist Haase zufolge der Nachweis von Anti-SSA/Ro-Antikörpern bei der Mutter, die etwa bei der Sjögren-Erkrankung und ebenfalls beim systemischen Lupus erythematodes vorkommen. Bei etwa 1 bis 2 Prozent dieser Schwangerschaften entwickelt das ungeborene Kind eine Herzrhythmusstörung, genauer einen kongenitalen AV-Block, der schlimmstenfalls zum Versterben des Fetus führen kann. Ein höhergradiger AV-Block kann innerhalb weniger Stunden entstehen und etwa zwischen zwei Ultraschallterminen unentdeckt bleiben. »Das ist ein großes Problem: Wir wissen nicht, bei wem ein AV-Block auftreten wird, und wir haben auch noch keine gute Therapie in der Hand«, so Haase.

Im Rahmen der aktuell in den USA und Kanada laufenden STOP-BLOQ-Studie wird das individuelle Risiko anhand der Höhe der Anti-SSA/Ro-Antikörper-Spiegel genauer eingeschätzt. In der bisherigen Auswertung von 413 Schwangerschaften, veröffentlicht 2024 im Fachjournal »Arthritis & Rheumatology«, trat Haase zufolge ein AV-Block ausschließlich bei hohen Antikörperwerten auf – Schwangere mit einem hohen Risiko ließen sich so also besser identifizieren. Die Schwangeren mit hohen Antikörperwerten kontrollieren im Rahmen der Studie dann zusätzlich dreimal täglich zu Hause mit einem Dopplergerät den Herzrhythmus des Kindes. Bei Auffälligkeiten werden sie kurzfristig in speziellen Zentren untersucht. Allerdings: Die Frage, ob ein gerade entstehender AV-Block so früh erkannt und behandelt werden kann, dass ein dauerhafter vollständiger Herzblock verhindert wird, ist laut Haase aktuell noch offen.

Unsicherheit bei medikamentöser Therapie

Neben den neuen Ansätzen zur Therapie und Risikoeinschätzung von Schwangerschaftskomplikationen sei die Kontrolle der rheumatischen Grunderkrankung mit Medikamenten entscheidend für alle Patientinnen mit rheumatischen Erkrankungen, betonte Rheumatologin Haase. Aber: »Die Medikamentensicherheit ist die größte Sorge, die die Patientinnen mitbringen, und das Thema, wozu sie die meisten Fragen haben.«

Ein Problem sei, dass Fachinformationen und Beipackzettel beim Einsatz antirheumatischer Medikamente in der Schwangerschaft häufig sehr zurückhaltend sind – von der Gabe werde häufig abgeraten oder sie werde nur mit größter Vorsicht empfohlen. »Das widerspricht jedoch dem aktuellen Stand der Wissenschaft und wird auch in den aktuellen Leitlinien anders dargestellt«, betonte die Rheumatologin. Die 2024 aktualisierten EULAR-Empfehlungen etwa geben klar an, dass zahlreiche antirheumatische Therapien im Rahmen von Zeugung, Schwangerschaft und Stillzeit eingesetzt werden können.

Diese Diskrepanz schüre Unsicherheiten bei den werdenden Müttern und auch bei Behandlern, wie eine internationale Umfrage unter 414 Angehörigen von Gesundheitsberufen zeigt. 58 Prozent berichteten hier über Unsicherheit oder Spannungen im ärztlichen Beratungsgespräch, und fast 20 Prozent würden deshalb eine laufende Behandlung wahrscheinlich sogar absetzen. »Fachinformationen und Beipackzettel sollten schneller an die wissenschaftlichen Leitlinien angepasst werden«, forderte Haase abschließend. Eine im Juni 2026 ins Leben gerufene internationale Experten-Initiative, die »Lancet Rheumatology Commission on Reproductive Health and Family Planning in Immune-Mediated Long-Term Conditions«, soll in den kommenden Jahren dabei helfen, Datenlücken zu schließen und neue Erkenntnisse schneller in die klinische Praxis zu bringen.

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