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Fibromyalgie-Syndrom
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Schmerz in all seinen Facetten

Die Beschwerden des Fibromyalgie-Syndroms sind subjektiv und lassen sich nur schwer in ein Schema F pressen. Grundlegende Mechanismen dieser chronischen Schmerzerkrankung werden zwar immer besser, aber dennoch bislang nur in Ansätzen verstanden. Entsprechend unbefriedigend sind die Behandlungserfolge. Medikamente können helfen, aber nur als Teil einer multimodalen Therapie und individuell eingesetzt.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 20.02.2026  16:00 Uhr

Gestörte Schmerzkontrolle

Galt das Fibromyalgie-Syndrom vor zehn Jahren etwa noch als Weichteilrheumatismus, wird es nun als noziplastisches Schmerzsyndrom gesehen. Bei den Patienten ist eine Dysregulation der Aktivität des zentralen Nervensystems auffällig, die unter anderem mit veränderten Spiegeln von Neurotransmittern einhergeht. »Es kommt zu einer zentralen Sensibilisierung mit Erniedrigung der Schmerzschwelle, und gleichzeitig ist die absteigende Schmerzhemmung weniger aktiv. Exzitatorische Neurotransmitter wie Glutamat und neuroinflammatorische Proteine wie Substanz P steigen an, dagegen ist etwa die µ-Rezeptorendichte – also das Ziel der Opioide – downreguliert. Das ist der Grund, warum sich Opioide in der Regel als wenig wirksam erwiesen haben. Andere Wirkstoffe wie Amitriptylin, Pregabalin oder Duloxetin zeigen dagegen Wirkung auf die nachlassende absteigende Schmerzhemmung«, erläuterte Dr. Jakob Emrich, der zusammen mit seinem Vater im gleichen Schmerzzentrum in Ludwigshafen tätig ist, bei den Deutschen Schmerz- und Palliativtagen in Frankfurt am Main den neuesten Stand der Therapieoptionen. Der Praxisleitfaden zur FMS-Therapie, den er federführend koordiniert, steht kurz vor der Veröffentlichung.

Ob diese gestörten Schmerzkontrollmechanismen Ursache oder Folge der Beschwerden sind, ist unklar. Möglich scheinen nach aktuellem Kenntnisstand auch ursächliche Zusammenhänge mit psychischen Traumata (etwa körperliche Misshandlungen, sexueller Missbrauch im Kindes- und Erwachsenenalter), entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Genpolymorphismen. FMS tritt auch gehäuft in manchen Familien auf. Ob eine Vererbbarkeit oder psychologische Faktoren (»Lernmechanismen«) dazu führen, ist nicht geklärt.

Behandlung per Baukasten

Weil die Ursachen, die dem klinischen Beschwerdebild zugrunde liegen, bislang nur in Ansätzen verstanden sind, ist die Behandlung der Fibromyalgie eine Herausforderung. Eine Standardtherapie gibt es nicht, eine schnelle Komplettlösung sowieso nicht. »Primär sind es physikalisch-balneotherapeutische, physiotherapeutische und psychologische Verfahren, die den Patienten weiterhelfen, und das im multimodalen Setting«, machte Jakob Emrich deutlich. Medikamente seien nur ein Teil der Behandlungsoptionen, würden je nach Komorbidität eingesetzt und auch das nur zeitlich befristet. »Vorrang haben körperlich aktivierende und psychotherapeutische Verfahren.«

  • Bewährt hat sich vor allem Ausdauertraining mit geringer bis mittlerer Intensität, zum Beispiel schnelles Spazierengehen, Walking, Fahrradfahren, Tanzen, Schwimmen oder Aquajogging zwei- bis dreimal pro Woche für je 30 bis 40 Minuten.
  • Empfehlenswert sind auch spezielle gymnastische Übungen und ein Funktionstraining, eine Kombination aus Trocken- und Wassergymnastik und krankengymnastischen sowie ergotherapeutischen Übungen, die gezielt auf Muskeln und Gelenke wirken.
  • Auch leichtes Krafttraining kombiniert mit Dehnungsübungen eignet sich für Fibromyalgie-Patienten.
  • Meditative Bewegungstherapien wie Tai-Chi, Qigong oder Yoga können bei einem Teil der Betroffenen Schmerzen und Müdigkeit reduzieren und die Lebensqualität verbessern.
  • Die kognitive Verhaltenstherapie bezeichnete Emrich als wichtige Empfehlung. Damit können Betroffene die Schmerzwahrnehmung verändern und lernen, besser mit ihren Schmerzen umzugehen.
  • Positiv wirken zudem Entspannungsübungen gegen Stress wie autogenes Training, Atemtherapie und Meditation.
  • Auch Wärme- und Kälteanwendungen, Akupunktur oder die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) seien »hilfreiche Tools, besonders für jene mit myofaszialen oder Nervenschmerzen anderer Ursache, etwa infolge eines Bandscheibenschadens«.

Er beschrieb die zahlreichen Behandlungsansätze als kleine Stellschrauben eines Apparates, an denen sich gut drehen lasse. »Jede Maßnahme für sich hat zwar nur einen kleinen Effekt - so können wir etwa mit geeigneten Medikamenten rund 30 bis 40 Prozent Schmerzreduktion erzielen. Zusätzliche Aktivierung und andere Schmerz-Coping-Strategien, allen voran die Verhaltenstherapie, bringen dann noch mal ein paar Prozente, sodass wir in der Summe eine deutliche Besserung der Situation für den Betroffenen erreichen können und die Patienten besser mit ihrem Schmerz umgehen können.«

Welche Therapiebausteine sind für wen geeignet, welcher Patient profitiert am ehesten? »Es gilt, die Beschwerdelast für jeden einzelnen Patienten abzuschätzen, also zu eruieren, welches Symptom im Vordergrund steht«, weiß der Schmerzmediziner. »Das ist beim einen der nicht erholsame Schlaf, die Antriebslosigkeit, die Depression, bei der anderen die Schmerzen oder die vegetativen Begleitsymptome. Dies wird dann therapeutisch adressiert. Zusätzlich empfiehlt die DGS die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe.«

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